Ironman dahoam: Die Trochs frönen auch ohne Wettkampf ihrem Sport

Kerstin (40) und Gerhard Troch(46) sind keine Unbekannten in der Triathlonszene. Weil in Zeiten von Corona de Schwimmbäder geschlossen haben, trainieren sie im Weiher.

Schwimmen, Radfahren, Marathon: Mit Corona sind auch die Traithlons auf Eis gelegt. Immerhin sind dem Training keine Grenzen gesetzt. Die Natur bietet den Ausdauerathleten aus Ampfing Alternativen –auch wenn sie Seen noch recht kalt sind.

Kraiburg/Ampfing– Die Fußballer kicken vor leeren Rängen, die Basketballer scheinen nun auch ein Konzept zu haben, um ebenfalls die Saison beenden zu können. Die Volleyballer aber warten weiter darauf, dass sie endlich das „Go“ haben, wieder in die Halle zu gehen. Es ist für Sportler gerade nicht einfach, ihrem Hobby nachzugehen, ohne an der ein oder andere- Corona-bedingten Einschränkung zu scheitern. Wettkämpfe gibt es auch bei den Leichtathleten nicht, doch die beiden Triathleten Kerstin und Gerhard Troch haben ihren Weg gefunden, das Beste aus der Situation zu machen.

Die Trochs – sie sind keine Unbekannten in der Triathlon-Szene. Beide schafften es bereits, sich für den Ironman in Hawaii zu qualifizieren – Kerstin einmal, ihr Mann Gerhard sogar schon fünfmal. Für Schlagzeilen sorgte das Ehepaar erst vor zwei Jahren, als sie 2018 gemeinsam beim populärsten Ausdauer-Wettbewerb der Welt an den Start gegangen waren. „Eine sehr schöne Sache“, erzählt Kerstin Troch, „weil wir zehn Jahre zuvor ausgerechnet auf Hawaii geheiratet hatten und auf diese Weise unseren besonderen Hochzeitstag feiern konnten.“

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Doch Hawaii ist in Zeiten von Corona in weite Ferne gerückt. Schon alleine bei der Qualifikation dafür hapert es. „Eigentlich wollte ich auf der Ironman-Halbdistanz am kommenden Wochenende in Graz an den Start gehen, dem Grazer Ironman 70.3“, erzählt Kerstin Troch. Doch wegen der weltweiten Covid19- Pandemie wurde die Veranstaltung bereits Ende März abgesagt. Weg die Chance, sich für die Weltmeisterschaft im November in Neuseeland zu qualifizieren. Und doch steht die Absage von Graz exemplarisch für sämtliche Sportveranstaltungen in diesem Jahr. Es gibt aktuell keine Möglichkeiten, sich mit anderen Spitzensportlern zu messen.

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Immerhin: Sie sind als Einzelsportler nicht an Hallen gebunden. Zwar fällt das Training im Fitnessstudio wegen Corona flach. Doch Laufen und Radfahren geht auch in freier Natur. Selbst Schwimmen ist wieder möglich. Natürlich nicht in den Schwimmbädern, bei denen zum großen Teil immer noch nicht feststeht, ob sie in diesem Jahr überhaupt noch aufsperren werden. Kerstin und Gerhard Troch weichen auf Seen aus. In der vergangenen Woche ging es für die 40-Jährige und den 46-Jährigen zur Premiere in den Flossinger Badeweiher, den in den vergangenen Tagen bereits viele Familien für sich entdeckt hatten, um darauf mit Schlauchboot oder SUP zu paddeln.

Kein wirklicher Wettkampf,aber bei einer Wassertemperatur von knapp 15 Grad auch eine Herausforderung, den inneren Schweinehund zu bezwingen. Rudolph Mayer.

Bei um die 15 Grad Celsius beileibe kein Badevergnügen. Aber eingepackt in einen drei Millimeter dicken Neoprenanzug, speziell für Triathleten, lässt es sich gut aushalten, wenn Gerhard Troch viermal die 600 Meter im Oval des Weihers durchkrault und seine Frau Kerstin – mit Füßlingen und Neoprenmütze – es immerhin dreimal schafft. „Das geht ganz gut. Nur vereinzelt haben sich Algen bemerkbar gemacht“, zieht Gerhard Troch zufrieden Bilanz von seinem natürlichen Trainingspool.

Die ganz große Herausforderung fehlt zwar in diesem Jahr. Doch ganz auf Vergleichskämpfe verzichten – das können auch die Trochs nicht. „Wir veranstalten am Wochenende für uns selbst eine kleine Vereinsmeisterschaft, eine Self-Challenge. Jeder für sich, ohne dass man sich zu nahe kommt“, erklärt Kerstin Troch.

Marktler Badesse statt Hawaii

Zusammen mit den Kollegen vom Leistungsteam des FTZ Mühldorf geht es zum Marktler Badesee, wo jeder FTZ-Sportler seinem Sport frönen kann, und zwar in der Distanz, die ihm am besten zusagt. 1,5 bis 3,8 Kilometer Schwimmen. 40 bis 180 Kilometer Radfahren. Und zum Schluss noch ein 10-Kilometer-Lauf. „Gerhard will hier noch den die volle Marathon-Distanz ablegen“, stellt Kerstin Troch heraus. Und versichert: „Die Fitness dafür hat er!“Auch ohne Training.

Die Hoffnung, in diesem Jahr noch an einer hochkarätigen Veranstaltung teilzunehmen oder gar einen Sieg zu feiern, ist gering. Aber langweilig wird den Trochs deswegen nicht: „Wir bauen gerade ein Haus!“ Auch ohne Ehrenkranz und Medaille eine Herausforderung. Aber immerhin eine mit einem konkreten Ziel vor Augen.

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