Mit 220 Mitarbeitern

Innfood bringt Standort-Sicherheit: Nestle-Nachfolger will Nahrungsproduktion in Weiding sichern

Regina Wimmer (links) und Christine Obergaulinger arbeiten im Labor für Babykost Alete. Forschung, Entwicklung und vor allem Qualitätskontrolle sind wichtige Elemente der Firmenphilosophie der Innfood.
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Regina Wimmer (links) und Christine Obergaulinger arbeiten im Labor für Babykost Alete. Forschung, Entwicklung und vor allem Qualitätskontrolle sind wichtige Elemente der Firmenphilosophie der Innfood.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Mit dem jungen Unternehmen Innfood soll die Nahrungsmittelproduktion in Weiding im Landkreis Mühldorf langfristig gesichert sein. MIt 220 Mitarbeitern hat die Firmenleitung ein klares Ziel vor Augen.

Polling – Die Zeiten der Unsicherheiten und des Hin- und Her im ehemaligen Nestlé-Werk in Weiding sollen vorbei sein. Davon geht die Geschäftsleitung der Innfood Organic aus, die seit etwas über einem Jahr in Weiding produziert. Die Namen der Beteiligten sind alte Bekannte und zum Teil seit Jahren in Weiding aktiv: Als Besizter die Familie Jostock aus Bad Homburg, als Geschäftsführer Christian Sommer, seit 34 Jahren am Standort beschäftigt.

Langfristig Alete produzieren

Seit 2019 produziert Innfood in Weiding nicht nur Alete-Babynahrung und andere Produkte für Kleinkinder. Schritt für Schritt hat das Unternehmen sein Portfolio erweitert und stellt Fertiglebensmittel her. Inhaber Horst Jostock sieht den Betrieb gut aufgestellt: „Wir sind ein schuldenfreies Unternehmen“, sagt er, es gebe langfristige Lieferverträge, allein der für Alete laufe über vier Jahre. „Wir haben eine sehr gute Auslastung.“

Suppen, Menüs, Aufstriche, Eintöpfe, Soßen oder Smoothies werden im Werk entwickelt und hergestellt und an Markenhersteller und an Handelsketten für deren Eigenmarken verkauft. Bei der Entwicklung und Produktion setzt die Innfood auf das Know-how, dass es als Babynahrungshersteller in der Nachfolge von Nestlé hat.

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Anna Katharina Jostock, die für das Marketing zuständig ist, betont den Qualitätsanspruch des Unternehmens. „Wir nehmen das Thema gesunde Ernährung auf“, betont sie. Dieser Markt habe ein großes Wachstumspotenzial. Jostock beziffert es im Bereich Bio, Glasprodukte und moderne Fertiggerichte auf 20 Prozent. Die Geschäftsentwicklung der Herstellern von traditionellen Produkten stagnieren nach ihren Angaben dagegen.

Philosophie sei es, den hohen Standard für Babynahrung auf Fertigprodukte zu übertragen. Laut Geschäftsführer Christian Sommer gibt es an den Abfüllanlagen 25 Kontrollstellen, nach der Abfüllung werden die Gläschen sieben Tage gelagert und auf mögliche Verunreinigungen kontrolliert, bevor sie zu den Kunden gehen. Auch die Rohstoffe würden vor der Verarbeitung aus Belastungen geprüft. So erreiche Innfood Bioqualität, was sich im Namenszusatz Organic spiegele, sagt Anna Katharina Jostock. 20 Wissenschaftler seien im Bereich Lebensmittelentwicklung und -kontrolle tätig. „Qualität schlägt alles andere“, sagt Jostock.

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Regionalität steht bei Innfood dagegen nicht oben auf der Agenda. Zwar gab es laut Horst Jostock Gespräche mit örtlichen Produzenten, die aber keine vorbereiteten Produkte, sondern nur Rohware liefern könnten. Innfood verarbeitet dagegen ausschließlich vorbereitete Rohstoffe, die entweder blanchiert oder tiefgekühlt angeliefert werden.

Weiter in den Standort investieren

Den Standort Weiding stellt der Unternehmer aus Bad Homburg nicht in Frage. „Wir sind stolz auf den Standort“, sagt Jostock. Geschäftsführer Sommer sagt: „Es sind gute, relativ moderne Anlagen“, die die Innfood von Nestlé übernommen hat. Trotzdem plant die Innfood die fünf Abfülllinien zu modernisieren. Aber auch ohne Erneuerungen hat Innfood am Standort noch Kapazität. Laut Sommer sind die Anlagen derzeit nur zur Hälfte ausgelastet.

Insgesamt produzieren 220 Mitarbeiter 15 000 Tonnen Glasnahrung jährlich. Sie umfassen 600 Artikel aus 200 Rezepturen. Außerdem bildet Innfood jährlich drei junge Leute zur Fachkraft für Lebensmittel. aus. Den Umsatz beziffert Jostock auf 52 Millionen Euro.

Von Nestlé zu Innfood

Aus dem ehemaligen Standort von Nestlé in Weiding ist ein Gelände geworden, dass sich mehrere Firmen teilen. In der direkten Nachfolge von Nestlé stehen Hochwald und INnfood.

  • 2003: Nestlé verkauft die Bärenmarkt an Hochwald. Hochwald erhält die Milch-Produktion in Weiding aufrecht, Nestlé stellt am Standort weiterhin Babynahrung her.
  • 2008: erste Überlegungen, das Nestlé-Werk in Weiding zu schließen.
  • 2010: Entscheidung von Nestlé, das Werk auszubauen und zusätliche Marken in Weiding produzieren zu lassen.
  • 2014: erneute Schließungsüberlegungen, Einstieg der Familie Jostock bei Alete als Minderheitsgesellschafter mit 20 Prozent, Mehrheitsgesellschafter wird die BWK.
  • 2016: Der Mehrheitsgesellschafter BWK möchte aussteigen.
  • 2018: Nach dem Ausstieg der BWK wird Jostock alleiniger Besitzer.
  • 2018: Mit Almil gibt es neben Hochwald eine zweite Molkerei am Standort Weiding.
  • 2019: Die Marken Alete und Milasan werden verkauft, aber weiterhin in Weiding hergestellt. Das neue Unternehmen Innfood Organic stellt neben Babynahrung auch Fertignahrung für verschiedene Kunden her. Hochwald übernimmt Almil.

Vier Firmen am Standort

Wo früher mit Nestlé nur ein Unternehmen zu Hause war, gibt es jetzt fünf Firmen: Innfood, Fertignahrung und Babykost, Hochwald/Almil (Molkerei), Limbach (Labor zur Untersuchung von Trinkwasser, Crown (Herstellung von Metalldosen für Lebensmittel).

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