EINE LEGENDE DES AUTOMOBILBAUS

In Oberneukirchen zu bewundern: Die „Tin Lizzy“ von Hans Mayerhofer

Das Ford T-Modell von Hans Mayerhofer (hier mit seinen Kindern Theresa und Johannes) ist auch bei Oldtimer-Treffen in der Umgebung immer wieder zu sehen.
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Das Ford T-Modell von Hans Mayerhofer (hier mit seinen Kindern Theresa und Johannes) ist auch bei Oldtimer-Treffen in der Umgebung immer wieder zu sehen.

Der „Ford Model T“, liebevoll Tin Lizzie oder Blechliesel genannt, gilt als Legende des Fahrzeugbaus. In Amerika wurden von 1908 bis 1927 etwa 15 Millionen Stück davon gebaut. Einer dieser rollenden Schätze ist rund um Oberneukirchen, dem Heimatort des Eigentümers Hans Mayerhofer, zu bewundern.

Von Albert Kamhuber

Oberneukirchen – Denn die Eltern, Geschwister und Freunde von Frau Theresia freuen sich jedes Mal riesig, wenn das Paar kommt und sie zu kleinen Ausflugsfahrten, zum Kaffeetrinken oder Eisessen einlädt. Natürlich ist die Blechliesel auch bei Oldtimer-Treffen zu bewundern.

Beim Schwiegervater „Blut geleckt“

Möglich wurde die Erfolgsgeschichte dieses Fahrzeugs Anfang des 19. Jahrhunderts durch Henry Fords damals bahnbrechende Erfindung einer serienmäßigen Fließbandproduktion. Des Weiteren war der Hingucker fast 65 Jahre das meistverkaufte Automobil der Welt. Erst 1972 wurde es vom VW Käfer abgelöst. Aktuell existieren noch etwa 150.000 Exemplare.

Schwiegervater Matthias Handwerker hat Hans Mayerhofers Leidenschaft indirekt entfacht. Als die Familie dem langjährigen Vorsitzenden des Maschinenrings Altötting-Mühldorf zum 60. Geburtstags einen Deutz-Bulldog aus dem Jahr 1949 besorgte und es galt, diesen auf Vordermann zu bringen, hat Hans nämlich „Blut geleckt“.

Wenn einen Oldtimer, dann einen richt alten

Ab diesem Zeitpunkt vor acht Jahren wurde immer wieder mal geschaut, welche Oldtimer angeboten werden. Gezielt gesucht hat Hans aber nicht, denn eigentlich wollte er sich erst einen zulegen, wenn die Kinder groß sind. Es war eher die Neugierde, was alte Autos so kosten.

Klar war nur eins: Wenn er zuschlagen würde, dann müsste es ein richtig altes Fahrzeug sein. Beim Besuch des Automobilmuseums Amerang wurde das Interesse größer und ab diesem Zeitpunkt hatte er auch regelmäßig im Internet in diversen Foren gestöbert. Ernst wurde es beim Pfingsturlaub 2018. Als der Elektroingenieur entspannt auf einer Liege lag, stöberte er zum allerersten Mal auf eBay. Über einen der ersten Klicks kam er auf einen Amerika-Import, der in Gersthofen bei Augsburg stand.

Blechliesel hat noch ihren Originalmotor

Der Eigentümer hatte 2016 aufgehört, an seinem Ford T weiter zu schrauben, weil er sich mittlerweile ein noch älteres Modell angeschafft hatte und dafür seine Zeit investierte. Sie einigten sich und im Juni 2018 wurde das nostalgische Gefährt geholt und bereits im August angemeldet. Für die Straßenzulassung war eine Beleuchtung nötig. Außerdem mussten Motor, Lenkung und Bremsen überholt werden.

Hans Mayerhofer geht davon aus, dass seine „Blechliesel“ noch den Originalmotor hat. Zumindest lässt die Seriennummer mit einer 3-Millionen-Zahl darauf schließen. Außerdem kann sie bereits elektrisch gestartet werden, denn exakt in ihrem Produktionsjahr 1919 wurden zum ersten Mal elektrische Anlasser verbaut. Für ein ganz besonderes Fahrgefühl sorgt die Schaltung mit zwei Gängen.

Tin Lizzi ist ein reines Sommerauto

Die Tin Lizzie von Hans und Theresia Mayerhofer sowie den Kindern Theresa (10) und Johannes (13) ist ein reines Sommerauto. Denn außer einer kleinen Windschutzscheibe hat sie keine Fenster. Vor spontanem Regen schützt einigermaßen ein Faltdach.

Wann immer der 45-Jährige Fragen hatte, bekam er eine fundierte Antwort von Leonhard Lanzl aus Perach. Über den Chief of Technik kam der Oberneukirchner Hans Mayerhofer auch auf die Interessengemeinschaft Alpenchapter Bavaria & Austria. Dabei handelt es sich um eine große Gemeinschaft, die eine Leidenschaft verbindet – das Ford Model T.

Handwerkliches Geschick ist gefragt

Um das 101 Jahre alte Schmuckstück instand zu halten, ist das handwerkliche Geschick von Hans Mayerhofer immer wieder gefragt. Die Wiege dazu liegt auf dem elterlichen Hof. Dort reparierte und werkelte er schon im Kindesalter an Fahrzeugen und Maschinen. Mit etwa 20 Jahren, während des Elektroingenieur-Studiums, begann das Interesse für alte Fahrzeuge, vor allem die Entwicklung im 19. Jahrhundert. Und das ist bis heute geblieben.

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