In Mühlbdorf: Gräber bleiben verlassen liegen - keine Gräberumgänge an Allerheiligen

Das gibt es heuer nicht: Diakon Jakob Unterreithmeier segnet im Beisein von vielen Angehörigen die Gräber auf dem Mühldorfer Alten Friedhof. Die katholischen Pfarreien.
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Das gibt es heuer nicht: Diakon Jakob Unterreithmeier segnet im Beisein von vielen Angehörigen die Gräber auf dem Mühldorfer Alten Friedhof. Die katholischen Pfarreien.

Allerheiligen, Weihnachten, zwei wichtige Feste für Christen in der Region. Heuer gilt: Durch Corona ändert sich alles, nichts ist wie gewohnt. Für die Gedenkfeiern bedeutet das: Gräberumgänge mit Segnungen fallen aus. Und für Weihnachten gibt es außergewöhnliche Pläne.

Von Josef Enzinger und Markus Honervogt

Mühldorf – Die katholische Kirche im Landkreis wird Allerheiligen nicht mit den gewohnten Gräberumgängen feiern. In der Corona-Pandemie seien die bisherigen Segnungen nicht möglich. Das haben die beiden Landkreis-Dekanate beschlossen. Wie die Feiern konkret aussehen sollen, entscheiden die einzelnen Pfarreien, manche haben schon konkrete Pläne. Gedanken machen sich die Kirchen auch schon wegen Weihnachten.

„In Coronazeiten geht es nicht wie geplant“, sagt Dekan Ulrich Bednara und verweist auf die Abstandsregeln, die am Grab nicht einzuhalten wären. „Die Gräber sind oft nur 40 Zentimeter auseinander, das ist nicht praktikabel“, sagt Bednara, der für das Dekanat Waldkraiburg zuständig ist. „Und wir wollen keine schwarzen Sheriffs aufstellen.“

Auf den Friedhöfen wird es zu eng

Nach den derzeit geltenden Vorschriften dürfen bis zu 200 Menschen auf einen Friedhof, eine Zahl, die in den vergangenen Jahren an Allerheiligen mancherorts deutlich überschritten wurde. Dass dabei Abstände eingehalten werden, ist für Bednara ausgeschlossen. „Man kommt niemals auf 1,50 Meter zwischen den Besuchern.“ Dekan-Kollege Eisenmann stimmt hier zu: „In kleinen Gemeinden mit ebenso kleinen Friedhöfen wird es noch enger!“

Keiner will Gläubige abweisen

Abhilfe können für ihn und seinen Mühldorfer Kollegen Franz Eisenmann aus Neumarkt-St. Veit auch Sicherheitsmaßnahmen nicht bringen: Mehrere Umgänge an verschiedenen Tagen oder das Tragen von Masken sind für die Dekane keine Alternative. Bednara ist sicher, dass sich die Gläubigen nicht auf mehrere Feiern aufteilen lassen. „Die kommen dann nicht, wenn sie dran sind, weil sie zu dem Zeitpunkt nicht können“, stellt Bednara den Friedhofsbesuchern ein eher schlechtes Zeugnis aus: „Der Faktor Mensch ist nicht berechenbar.“ Und selbst wenn Masken einen gewissen Schutz bringen mögen: „Die erlaubte Anzahl von Besuchern auf einem Friedhof ist begrenzt. Wer soll entscheiden, wer letztlich auf den Friedhof darf? Das bringt nur Ärger“, ist sich Eisenmann sicher.

Schuld ist nicht die Kirche, sondern Corona

Kritik an der Entscheidung, den Gräberumgang eventuell abzusagen, weisen die Dekane zurück. „Das ist nicht die Kirche, das ist Corona“, verteidigt Bednara den Verzicht auf eine Feier, die eigentlich Familien am Grabe ihrer Angehörigen vereint. Er kritisiert seinerseits das Erzbistum, das noch immer keine Richtlinien für Allerheiligen herausgegeben hat. Eisenmann zeigt sich zurückhaltender: „Wir sind am Tüfteln, aber wir sind natürlich davon abhängig, was uns am Ende die Diözese vorgibt!“

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Bis es so weit ist, werden Tage ins Land ziehen. Der Sprecher des Erzbistums Hendrik Steffens sagte auf Anfrage, „dass in der kommenden Woche damit zu rechnen sein könnte“. Man arbeite an einer Handreichung, um Gräbersegnungen zu ermöglichen. „Es ist uns sehr daran gelegen, die Gläubigen an Allerheiligen zu begleiten.“

Erste Pfarreien haben schon Pläne

Das wollen viele nicht abwarten, schon jetzt haben die ersten Pfarreien im Landkreis entschieden, wie sie Allerheiligen gestalten. Eisenmann nennt als Beispiel eine Feier mit denen, die in diesem Jahr einen Toten zu beklagen hatten. Bednara könnte sich für alle anderen eine Segnung von Kerzen vorstellen, die sie dann rund um Allerheiligen auf die Gräber ihrer Angehörigen tragen könnten.

Weihnachten auf dem Fußballplatz

Nicht nur Allerheiligen fällt in seiner gewohnten Form der Corona-Pandemie zum Opfer. Auch an Weihnachten wird es keine Metten und Gottesdienste in der gewohnten Form geben. Daran lässt der katholische Dekan Ulrich Bednara keinen Zweifel. Durch die Zugangsbeschränkungen in den Kirchen böten die normalen Gottesdienste für den Weihnachtsandrang einfach zu wenig Platz. In viele Kirchen dürfen nur zwischen 30 und 70 Gottesdienstbesucher. „Wir werden also Sonderregelungen finden müssen“, kündigt Bednara an, „und Weihnachten im Freien feiern.“

Überlegungen und heftige Martern

Der Dekan des Dekanats Waldkraiburg bringt Sportplätze ins Spiel, auf denen nach seiner Einschätzung 400 Gläubige Platz finden. „Damit könnten wir zwei Drittel der Gläubigen erreichen.“

Auch in den evangelischen Pfarreien gibt es „heftige Überlegungen und Marter“, wie Ampfings Pfarrerin Gundi Krischock sagt, aber noch keine Entscheidungen.

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Denkbar wären mehrere Gottesdienste mit Platzkarten oder der Weg ins Freie. „Dabei müssen wir vor allem auch an unsere Älteren denken“, sagt sie. Gespräche darüber werde es in den kommenden Wochen geben.

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