Immer schneller unterwegs: In Sachen Breitband in allen vier Gemeinden breit aufgestellt

Ein Techniker überprüft die Anschlüsse im Technikcontainer in Oberbergkirchen. Dort ist der Breitband-Ausbau so gut wie abgeschlossen. Doch am Ziel ist die Verwaltungsgemeinschaft noch nicht. Das nächste Förderprogramm lockt mit Bandbreiten von einem Gigabit.
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Ein Techniker überprüft die Anschlüsse im Technikcontainer in Oberbergkirchen. Dort ist der Breitband-Ausbau so gut wie abgeschlossen. Doch am Ziel ist die Verwaltungsgemeinschaft noch nicht. Das nächste Förderprogramm lockt mit Bandbreiten von einem Gigabit.

Wegweisende Maßnahme für die Zukunft der kleinen Gemeinden: Die Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen hat beim schnellen Internet ihre Hausaufgaben gemacht – und liebäugelt schon mit einem Gigabit

Von Josef Enzinger

Oberbergkirchen– Was haben Lohkirchen, Schönberg, Zangberg und Oberbergkirchen gemeinsam? Die Antwort: Unglaublich schnelles Internet. Mindestens 30 Megabit pro Sekunde sollen es sein, wenn der Ausbau in diesen vier Gemeinden abgeschlossen sein wird. Doch die breite Masse wird in den Genuss von Glasfaser kommen. Damit nimmt die Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen in Sachen Breitbandversorgung eine Vorreiterrolle im Landkreis ein.

100 Prozent Glasfaser in Schönberg – fast

Ganz vorne dabei: Die Gemeinde Schönberg. „Wir sind die erste Gemeinde in Oberbayern, die fast zu 100 Prozent mit Glasfaser versorgt wird“, berichtet Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer. Bis auf einen kleinen Weiler – Reichenrott – kämen die Schönberger damit auf Bandbreiten von aktuell 200 Megabit. „Wir hatten keine anderen Förderbedingungen als andere Gemeinden. Aber wir haben als Gemeinde unser Vertrauen in eine kleinere Firma aus dem Bayerischen Wald gelegt, es war eine problemlose Zusammenarbeit“, erzählt Lantenhammer von seinen Erfahrungen mit der Firma Amplus.

Vor allem der Außenbereich profitiert vom Ausbau

Die Förderung habe vor allem den Außenbereich betroffen, dort wo die Bandbreiten keine 30 Megabit erreicht hätten. Eigenwirtschaftlich habe die Firma dann auch den Ausbau den Innenbereichs vorangetrieben. Jeder, der daran Interesse hatte und bereit war, 2000 Euro Anschlussgebühr zu zahlen, bekam die Glasfaser bis zum Haus. 75 Prozent der Haushalte hätten mitgemacht. „Bei allen anderen endet der Anschluss an der Grundstücksgrenze. Man kann später immer noch anschließen“, informiert Lantenhammer.

In Zangberg gibt es seit Anfang Juli noch schnelleres Internet

Auf 100 Prozent kommt dieGemeinde Oberbergkirchen zwar nicht. Mit Ausnahme der Ortschaften Irl und Oberbergkirchen profitieren ab dem vierten Quartal 2020 immerhin 361 Haushalte von Glasfaser. 41 Anschlüsse waren es in Zangberg, denen seit Juli Glasfaser zur Verfügung steht, berichtet Sabine Salzberger, die in der Verwaltungsgemeinschaft Oberbergkirchen federführend für den Breitbandausbau zuständig ist. „Innerorts sind dort 30 Megabit pro Sekunde möglich, ein Update war in diesem Bereich nicht förderfähig.“

Jede Menge Rollen mit Kabeln in Lohkirchen

Und in Lohkirchen stapeln sich am westlichen Ortseingang aktuell die Rollen mit Kabeln. Drei Viertel der Tiefbauarbeiten inklusive der Verlegung von Leerrohren seien laut Salzberger bereits abgeschlossen. Jetzt kämen die Glasfaserkabel an die Reihe, Ende des Jahres soll auch diese Erschließung erfolgt sein, die bei 71 Haushalten ultraschnelles Internet bis ans Haus liefern soll. Ob die Haushalte dann tatsächlich die schnellen Leitungen nutzen, bliebe ihnen überlassen. „Die Kupferleitungen werden ja nicht zurückgebaut. Man kann beide Dienste in Anspruch nehmen“, erklärt Salzberger.

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Nur innerorts keine Glasfaser

Wermutstropfen bei der Versorgung Lohkirchens: Innerorts kommt keine Glasfaser, weil nach Aussagen der Versorger durch die Vectoring-Methode sogar mehr als 30 Megabit möglich seien – auch im Ortsteil Brodfurth, beruft sich Salzberger auf entsprechende Ergebnisse des Markterkundungsverfahrens. Salzberger weiß sehr wohl: Schnelle Internetverbindungen sind die Zukunft und mitentscheidend bei der Suche nach Grundstücken. Und so will man in der Gemeinde auch nicht die Hände in den Schoß legen. „Wir prüfen, in welcher Kommune ein weiterer Ausbau finanziell leistbar ist“, meint Salzberger und verweist auf die Gigabitrichtlinie, die bis zu 90 Prozent Förderung versprechen.

Auch Rentner wollen schnelles Internet

Das Thema bleibt aktuell: „Wenn wir jetzt Glasfaser verlegen, hat man das Thema für einen größeren Zeitraum abgearbeitet.“ Denn eines sei auch klar: Kinder, Teenager, Berufstätige sowieso „und auch immer mehr Rentner fordern schnelles Internet“.

Gemeinsam gegen die „weißen Flecken“

Wenn es Geld von der Gigabit-Richtlinie des Freistaates gibt, dann wird auch Schönbergs Bürgermeister Alfred Lantenhammer hellhörig. „Sollte Lohkirchen ein weiteres Programm abrufen, dann könnten wir interkommunal zusammenarbeiten.“ Bei entsprechendem Geldfluss will man dann mit dem Anschluss von Brodfurth und Reichenrott, dem einzig glasfaserlosen im Bereich von Schönberg, zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Man werde sich bei der nächstes Mal Gemeinderatssitzung über diese Möglichkeit unterhalten, kündigt Lantenhammer an. „Die Lehrrohre wären nämlich schon verlegt.“

Gigabit bayernweit – und das schon bis 2025

Mit der Gigabitrichtlinie kann der Freistaat Bayern seit Anfang Februar 2020 die Beschleunigung von Anschlüssen auch dort fördern, wo bereits schnelles Internet mit mindestens 30 Megabit pro Sekunde verfügbar ist. Von diesen Gigabitnetzen hätten vor allen Dingen gewerbliche Nutzer einen hohen Bedarf, heißt es dazu in einer Pressemitteilung des Ministeriums. Der Freistaat fördert demnach künftig nur noch Glasfaseranschlüsse bis in die Gebäude. Neben der bisherigen Förderung der Wirtschaftlichkeitslücke, sollen künftig auch Betreibermodelle ermöglicht werden. Bayerns ambitioniertes Ziel: Gigabit bayernweit – und das schon bis 2025.

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