Neuer Bildungsbericht

Im Landkreis Mühldorf hängt der Schulerfolg oft an Eltern – und Kriminalität am Schulabschluss

Die Abgänger ohne Abschluss nahmen in 2018 um 0,8 Prozent zu, wohingegen der Anteil an Abiturienten um 2,5 Prozent sank.
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Die Abgänger ohne Abschluss nahmen in 2018 um 0,8 Prozent zu, wohingegen der Anteil an Abiturienten um 2,5 Prozent sank. Klicken Sie auf die. Grafik für eine vollständige Darstellung.

Der neue Bildungsbericht macht für ganz Deutschland deutlich, wie eng die Schullaufbahn mit dem Bildungsstand der Eltern verbunden ist. Das gilt auch im Landkreis Mühldorf. Der Bericht zeigt auch, dass es noch immer viele Jugendliche gibt, die ohne Schulabschluss gehen – und wie Kriminalität damit zusammenhängt

Mühldorf – Deutschland hat ein Bildungsproblem: „Stagnation am oberen Ende des schulischen Qualifikationsspektrums, wachsende Probleme am unteren.“ So heißrt es im diesjährigen Bildungsbericht der Bundesregierung. Einfacher ausgedrückt: Es gibt eine steigende Zahl von Schülern, die ohne zum Abschluss abgehen. Der Landkreis Mühldorf präsentiert sich nur wenig besser. Die absoluten Zahlen sind gleich, allerdings ist kaum ein Anstieg zu verzeichnen, wie es sich in den bundesweiten Zahle niederschlägt.

Nach Angaben des Statistischen Landesamts blieben 2010 sieben Prozent der Jugendlichen im Landkreis ohne Schulabschluss, 2013 waren es fünf und aktuell sind es 6,8 Prozent, genauso viele wie im Bundesschnitt. Dort steigen die Zahlen allerdings kontinuierlich an, 2013 waren es noch 5,2 Prozent.

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Im bundesweiten Vergleich bedeutet das für den Landkreis Platz 234. Die niedrigste Quote und damit den ersten Platz belegt der Landkreis Eichstätt mit 2,3 Prozent.

Zahl der Abiturienten bei über 20 Prozent

Den höchsten Schulabschluss, das Abitur, machten im Sommer 2018, dem Jahr, auf dem der Bildungsbericht fußt, im Landkreis Mühldorf rund 20,6 Prozent der Schüler und damit weniger als im Vorjahr mit 23,1 Prozent. 2013 hatte die Abiturienten-Quote bei 20,7 Prozent gelegen und im Jahr 2010 machten rund 22,5 Prozent aller von den Schulen Abgehenden den begehrten Abschluss.

Im Landkreis weniger Abiturienten als deutschlandweit

Der Anteil der Abiturienten an den Schulabschlüssen liegt bundesweit allerdings weit über dem Landkreiswert: 34,8 Prozent der deutschen Schulabgänger hatten das Reifezeugnis in der Tasche. In der Bundesliga der Abiturienten liegt der Landkreis damit auf Platz 380 unter den 403 im Regionalatlas ausgewerteten Städten, Kreisen und Stadtstaaten. Spitzenreiter mit einer Abiturientenquote von 64,6 Prozent ist in diesem Vergleich die Stadt Neustadt an der Weinstraße.

Dabei gilt nach wie vor: Mama Abitur, Papa Abitur, Kind Abitur. Das ist eine noch immer zutreffende Voraussage für den Bildungsweg. „Mehr als sieben von zehn Kindern, von denen mindestens ein Elternteil Abitur oder Fachhochschulreife hat, erreichen diesen Abschluss ebenfalls“, sagt die Bildungsstatistik.

Große Unterschiede bei den Kindern, die aufs Gymnasium kommen

Das heißt auch: „Bei den Grundschulübergängen auf weiterführende Schularten treten weiterhin erhebliche soziale Ungleichheiten auf“, sprich „Kinder und Jugendliche aus sozial schwächeren Elternhäusern“ werden von ihren Eltern nicht gleich aufs Gymnasium geschickt. Sie wechseln den Bildungsweg häufiger. „Die anfänglichen Unterschiede werden damit aber kaum ausgeglichen“, heißt es im Bildungsbericht.

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Erschreckend ist der Zusammenhang, den der Bildungsbericht zwischen der Schulbildung der Eltern und der Kinder auch bei denen zieht, die ohne Abschluss von der Schule gehen. Und weiter: Auch das Auftauchen in der Kriminalitätsstatistik hängt häufig am fehlenden Schulabschluss: Mama kriminell, Papa kriminell, Kind kriminell. Gemeinsam ist ihnen oft der Abbruch einer Ausbildung oder ein fehlender Hauptschulabschluss.

Mama kriminell, Papa kriminell, Kind kriminell

Aufgrund des Einflusses dieser Variablen ist zu vermuten, dass insbesondere bei Jugendlichen, die ihren Schulabschluss nicht geschafft haben oder ihre Ausbildung nicht erfolgreich zu Ende bringen konnten, dazu führen, dass häufiger kriminelle Verhaltensweisen an den Tag gelegt werden und die Gefahr besteht, in die Kriminalität abzurutschen. „Um kriminellem Verhalten wirksam vorzubeugen, ist es daher von entscheidender Bedeutung, Jugendlichen Bildungschancen und, damit verbunden, die Aussicht auf ein selbstbestimmtes und glückliches Leben in Beruf und Gesellschaft zu eröffnen.“

Der Satz ist zehn Jahre alt. Er stand 2010 in der Bertelsmann-Studie „Unzureichende Bildung: Folgekosten durch Kriminalität“ zu lesen. Zehn Jahre später ist das Problem nicht kleiner, sondern im Bundesschnitt um 0,5 Prozentpunkte größer geworden. Im Landkreis Mühldorf sank die Quote leicht um 0,2 Prozentpunkte. zs

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