Illegales Rennen in Edel-Autos: Arzt und Geschäftsführer nach Unfall auf A94 verurteilt

Der Ford Mustang landete an der Böschung. Fotos fib/Eß
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Der Ford Mustang landete an der Böschung. Fotos fib/Eß

In einem Porsche und einem Mustang lieferten sich zwei Männer ein Autorennen auf der B12 und der A94. Es kam zu einem schweren Unfall. Und nun zum Prozess.

Mühldorf – Ein 68-jähriger Ruhestands-Arzt aus dem Landkreis Altötting und ein 59-jähriger, der damals als Geschäftsführer für eine Schweizer Computerfirma arbeitete, hatten sich nach Ansicht des Gerichts im März 2019 zwischen Maitenbeth und Mühldorf ein illegales Autorennen geliefert.

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Porsche gegen Ford Mustang

An einem Samstagabend war der Ex-Arzt zusammen mit einem Freund in seinem Porsche auf dem Heimweg von Stuttgart, die beiden hatten das Jahrestreffen des Porsche-Clubs Deutschland besucht. Nach einer Raucherpause auf einem Parkplatz im Großhaager Forst an der B 12, folgte ihnen der 59-jährige, der mit seinem Ford Mustang geschäftlich auf dem Weg nach Wien war. Es entwickelte sich ein wildes Autorennen auf der B 12, die A 94 war damals im Westen noch nicht fertig.

Im Tunnel langsam, danach Temp 230

Gleich hinter Straßmaier bei Maitenbeth überholten beide nach Zeugenaussagen waghalsig eine Autokolonne. Beim Wiedereinscheren hätten andere Autos stark abbremsen müssen, sagten Zeugen. Wie schnell sie unterwegs waren, brachte die Verkehrsüberwachung im Ampfinger Tunnel auf der Autobahn ans Licht. 15 Minuten für 30 Kilometer ergibt laut Staatsanwaltschaft eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 120 Kilometern pro Stunde, obwohl es auf der B 12 mehrfache Geschwindigkeitsbeschränkungen auf Tempo 80 gibt. Im Tunnel waren die beiden Herren vorsichtiger, danach ging es erst so richtig los.

In die Mittelleitplanke gekracht

Als sie an der Auffahrt Mühldorf-Nord ein Taxi überholten, das 165 Kilometern pro Stunde schnell war, platzte am Porsche der linke hintere Reifen. Das Auto drehte sich dreimal um die eigene Achse und krachte in die Mittelleitplanke. Der Ford Mustang konnte den Porsche zwar noch passieren, raste aber in die Böschung und überschlug sich. Der Porschefahrer erlitt einen Bruch des linken und rechten Sprunggelenks, sein Kontrahent einen Bruch der Lendenwirbelsäule. Herumfliegende Teile trafen andere Autos. Die A 94 war zwei Stunden lang gesperrt.

89000 Euro Sachschaden

Der Sachschaden an allen Fahrzeugen und der Autobahn belief sich laut Staatsanwaltschaft auf 89 800 Euro. „Zum Glück“, sagte Richter Florian Greifenstein, „haben alle Beteiligten den Unfall überlebt.“ Eine Fahrerin, deren Auto von Teilen des Porsches getroffen worden war, war mit zwei Töchtern im Alter von ein und 15 Jahren unterwegs.

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Sachverständiger Frank Schmidinger aus Mühldorf nannte neben der hohen Geschwindigkeit die alten Winterreifen des Porsches als Unfallursache. Sie waren zwölf Jahre alt und spröde. Der Sachverständige geht davon aus, dass beide Autos mit Tempo 230 unterwegs waren.

Staatsanwalt spricht von illegalem Autorennen

Staatsanwalt Dr. Udo Walz sprach von einem illegalen Autorennen, von der Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer und fahrlässiger Körperversletzung. Er forderte eine Strafe von 27 000 Euro für jeden und eine Verlängerung des Führerscheinentzugs um weitere neun Monate.

Die drei Rechtsanwälte sahen die Tat als nicht so schwer an, der Verteidiger des pensionierten Arztes verlangte gar einen Freispruch und die sofortige Rückgabe des Führerscheins.

Richter Florian Greifenstein verhängte schließlich eine Strafe von 18 000 Euro für den Porsche- und 16 800 Euro für den Mustangfahrer. Er zeigte sich fest von der Rennabsicht der beiden Fahrer überzeugt: „Wichtig war es den Angeklagten, Spaß zu haben und Bedenken hintanzustellen.“ Auf ihren Führerschein müssen sie drei weitere Monate verzichten.

Beide Fahrer schwer verletzt

Dabei erscheint es fraglich, ob sie je wieder werden fahren können. Der Ex-Arzt hat sich bei den Sprunggelenks-Operationen einen multiresistenten Keim eingefangen, ihm droht die Amputation des betroffenen Beines. Der ehemalige Geschäftsführer der Schweizer Firma – seit dem Unfall kann er diese Tätigkeit nicht mehr ausüben – geht wegen seiner Wirbelsäulenverletzung am Stock.

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