Igel-Pflegerin aus Mettenheim warnt: 2019 könnte ein "Notjahr für Igel" sein

Igel sind Heike Brandstetters Leidenschaft,deshalb kümmert sich die Mettenheimerin in ihrer Freizeit liebevoll um ihre Schützlinge, die teilweise an Innen- und Außenparasitenbefall, Lungenentzündung, Untergewicht und Ähnlichem leiden.

Die 52-jährige Heike Brandstetter kümmert sich seit Jahren um Igel. Doch in diesem Winter, so befürchtet sie, könnte sie mit dem Retten nicht mehr hinterherkommen. 

Mettenheim– Seit sie selbst in ihrem Garten vor drei Jahren vier kitzekleine Igel entdeckte, ihnen zu fressen gab und trotzdem zusehen musste, wie sie trotz aller Bemühungen vor ihren Augen starben, schlägt ihr Herz für die kleinen stacheligen Gesellen.

Das lässt sie klaglos jeden Morgen zwischen drei und vier Uhr aufstehen, um wochentags vor ihrer Fahrt zur Arbeit nach München für ihre kranken oder unterernährten Schützlinge zu sorgen. Abends geht sie erst zu Bett, nachdem sie alles für ihre zeitweiligen Pensionäre getan hat.

Einzige gemeldete Igelpflegerin

Auch eine Igelsprechstunde hält die einzige, offiziell bei den Behörden des Landkreises gemeldete Igelpflegerin ab, die im engen Kontakt zu den Tierärzten steht. Dazwischen berät sie ihre „Klienten“ auch per Telefon und über WhatsApp.

Nicht selten stehen die Igel-Finder oder -Adoptiveltern direkt vor ihrer Haustür und Heike Brandstetter nimmt vom Tod bedrohte Stacheltiere bei sich auf, wenn sie Platz hat. Geht es ihnen besser, erhält sie der Besitzer zurück, der sie bestenfalls später ausgewildert.

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„Ich liebe diese Igel“, erklärt Heike Brandstetter, warum sie dieser nicht nur zeit-, sondern genauso kostenintensiven Beschäftigung in ihrer Freizeit nachgeht.

Ihre Familie unterstützt sie, denn die Besuche beim Tierarzt, Spezialfutter, Medikamente, Igelboxen und -garagen, verschiedene Gerätschaften zur medizinischen Behandlung und nicht zuletzt die Entsorgung des beträchtlichen Müllbergs kosten nicht wenig Geld.

Igel zu 95 Prozent Fleischfresser

Das setzt die Igelliebhaberin zwar gern ein, aber am liebsten wäre es ihr, wenn die Menschen rücksichtsvoller mit der Igelpopulation – es gibt sie übrigens seit 20 Millionen Jahren – umgingen.

Viele wüssten beispielsweise nicht, dass Igel zu 95 Prozent Fleisch und Insekten fressen und nur in äußerster Not Regenwürmer und Schnecken, bedauert Heike Brandstetter.

Tipps von den Experten: Igel gefunden –was tun?

Dass besonders Igel vom Insektensterben betroffen sind, ist den meisten leider nicht bewusst, sagt die „Igelmama“ und ergänzt: „Die Tiere finden einfach zu wenig natürliche Nahrung und stecken sich deshalb immer häufiger mit den aus den Schnecken stammenden, krankmachenden Innenparasiten an.“ Das stellte sie immer wieder bei ihren Untersuchungen unter dem Mikroskop fest. Wegen der Häufung der Erkrankungen in diesem Jahr spricht sie sogar von einem „Igelnotjahr 2019“.

Brandstetter spricht von „Igelnotjahr 2019“

Weitere Probleme stellen die ihrer Meinung nach die viel zu „aufgeräumten“ Felder und Gärten, die wachsende Zahl an keineswegs igelsicheren Rasenmährobotern, die beliebter werdenden „Steinwüsten“ statt Gärten und nicht aufgehängte gelbe Säcke mit darin befindlichen Katzen- und Hundefutterdosen dar, in denen viele Igel mit ihren Köpfen stecken bleiben und verenden.

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Den possierlichen Tierchen setzen außerdem die Gartenhacken, Fußballnetze, Fahrzeuge, Vergiftungen mit Rattengift und Schneckenkorn, die Osterfeuer auf lange zuvor errichteten Holzhaufen zu, berichtet die Igelfachfrau. Für die jetzt im Herbst gefundenen, unterernährten Exemplare mit einem Körpergewicht von unter 600 Gramm empfiehlt sie, hochwertiges Katzentrockenfutter mit hohem Fleischanteil (kein Getreide) und Wasser an einem geschützten Ort zu verabreichen und den Wildtieren ansonsten ihren Winterschlaf an versteckten Orten draußen zu gönnen.

Auf der Vorwarnstufe bedrohter Tierarten

Über richtiges Verhalten gegenüber ihren Lieblingstieren klärt die passionierte Igelpflegerin auch an Schulen und Kindergärten auf, hofft sie doch, das Leben vieler Igel im Vorfeld retten zu können. Denn leider steht der Igel seit 2017 auch auf der Vorwarnstufe der Roten Liste bedrohter Tierarten.

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