12 Hennen und ein Hahn

Waldkraiburg: Hühnerstall darf vorerst stehen bleiben: Stadt drückt Auge zu

Hühnerhaltung ist auch in einem Wohngebiet durch das Baurecht nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
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Hühnerhaltung ist auch in einem Wohngebiet durch das Baurecht nicht grundsätzlich ausgeschlossen.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Zwölf Hühner und einen Hahn hält ein 85-jähriger Waldkraiburger auf seinem Grundstück im Süden der Stadt. Dazu drei Taubenpärchen. Weil sich ein Nachbar darüber beschwert hat, wurde die Kleintierhaltung im Wohngebiet zum Tagesordnungspunkt im Stadtentwicklungsausschuss.

Waldkraiburg – Grundsätzlich, das machte Bauamtsleiter Carsten Schwunck deutlich, ist die Hühnerhaltung in diesem Bereich zulässig. Das Veterinäramt habe sich ein Bild gemacht und die Haltung der Tiere nicht beanstandet.

Stallungen verstoßen gegen Baurecht

Doch nach einer Baukontrolle ist klar: Das Problem sind die Stallungen und Schuppen, in denen der Mann die Tiere hält. Sie stehen direkt an der Grundstücksgrenze. Das verstößt gegen die Abstandsflächenvorschriften der Bayerischen Bauordnung. Vermutlich schon seit einigen Jahrzehnten.

Das schaue schon sehr kurios aus, meinte Harald Jungbauer im Blick auf die Garagenställe. Der CSU-Stadtrat äußerte Verständnis dafür, dass sich die Nachbarn dadurch beeinträchtigt fühlen. „Ich finde es nicht richtig, in so einem eng bebauten Gebiet Tiere zu halten.“

Nachbarn fühlen sich beeinträchtigt

Und Ernst Schäffer (AfD) setzte hinzu, störend sei die offene Fütterung, die dazu führe, dass auch Ratten angezogen werden.

85-jähriger Mann soll Tiere weiter halten dürfen

Das Veterinäramt halte die Haltung für rechtens, meinte dazu Carsten Schwunck. Die Stadt habe die baurechtliche Frage zu behandeln. Bislang sei die bestehende Situation geduldet worden. Die Verwaltung sei dafür, dies auch weiter so zu halten. Denn: „Der Mann liebt die Tiere. Wenn wir ihm die Gebäude nehmen, nehmen wir ihm auch die Tiere. Das ist nicht mehr sozial verträglich.“

Eine Duldung, keine Genehmigung

Auf die Frage von Harald Jungbauer, ob damit auch mögliche Erben die Tierhaltung weiter betreiben könnten, stellte er klar: „Das ist eine Duldung, keine Genehmigung.“ Und er setzte hinzu: Nachbarn, die sich daran stören, müssten versuchen ihre Rechte auf zivilrechtlichem Weg durchsetzen.

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Richard Fischer (SPD) bekräftigte diese Position: „Wir sollten die Ställe dulden. Wir zeigen damit ein Stück Menschlichkeit. Wenn es nicht klappt, können wir die Duldung wieder zurücknehmen.“

Das Votum, aufgrund des hohen Alters des Mannes die Kleintierstallungen bis auf weiteres stehen zu lassen, fiel einstimmig aus.

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