STADT MACHT DEM FREISTAAT EIN ZEHN MILLIONEN SCHWERES ANGEBOT

Hochschule in Mühldorf?

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Als einmalige Chance bezeichneten viele Stadträte den Bau einer Fachhochschule in Mühldorf. Deshalb sprachen sie sich mit einer Gegenstimme für ein Angebot an den Freistaat aus.

Mühldorf – Ein Grundstück im Wert von etwa drei Millionen Euro, das der Stadt gehört, und ein Neubau für 7,5 Millionen Euro: Auf über zehn Millionen Euro summiert sich das Angebot, das die Stadt dem Freistaat macht, damit eine Außenstelle der Fachhochschule Rosenheim nach Mühldorf und damit der Studiengang Soziale Arbeit kommt. Bisher gibt es in Mühldorf berufsbegleitende Studiengänge Betriebswirtschaft und Maschinenbau, den dualen Studiengang Pflege und ab Herbst Elementarpädagogik. In der endgültigen Ausbaustufe könnten bis zu 800 Studenten in Mühldorf studieren.

In der kommenden Woche, berichtete Bürgermeisterin Marianne Zollner, falle die Entscheidung, ob der Studiengang Soziale Arbeit an der Hochschule Augsburg oder Rosenheim angegliedert werde. Sollte die Entscheidung für Rosenheim fallen, hätte Mühldorf mit seinem Angebot laut Zollner gute Chancen.

Es sieht einen Neubau an der Mittelschule vor, dort besitzt die Stadt ein 30 000 Quadratmeter großes Grundstück. An der benachbarten Harthauser Straße könnten Studentenwohnungen entstehen. „Die Hochschule ist mit dem Standort sehr zufrieden, auch weil die schrittweise Entwicklung möglich ist“, betonte Zollner.

Nach derzeitigem Stand ist die Finanzierung allein Sache der Stadt. Zollner will aber mit dem Landkreis über eine Beteiligung verhandeln. „In anderen Landkreisen gibt es Zweckvereinbarungen, wonach die Landkreise ein Drittel und die Stadt zwei Drittel der Kosten tragen.“

Ob sich der Freistaat zahlt, ist offen. Normalerweise ist die Finanzierung von Hochschulen Sache des Landes, bei ausgelagerten Teilen beteiligt sich der Freistaat nicht. Dennoch habe es Gespräche mit Vertretern der Staatsregierung gegeben, um finanzielle Unterstützung zu bekommen. Als Grund nannte Zollner die Regionalisierungsprogramme des Freistaats und den Status als Mühldorfs und Waldkraiburgs oberzentraler Raum, zu dem eine Hochschule gehöre. Trotzdem sprach sich Zollner für die jetzige Zusage aus. Die Stadt solle ein erstes Paket anbieten, „danach stünden wir in Verhandlungen mit dem Freistaat besser da“, sagte sie.

Kämmerer Thomas Greß betonte, dass das Jahresergebnis 2015 aufgrund höherer Steuereinnahmen deutlich besser sei, als erwartet und die Stadt etwa 3,6 Millionen Euro in die Rücklage überweisen könne. Sie belaufe sich damit auf neun Millionen Euro. Nach seinen Angaben fallen die ersten Kosten für den Neubau 2017 an und verteile sich auf zwei Jahre. Die jährlichen Betriebskosten bezifferte Greß auf 100 000 bis 150 000 Euro.

Zollner schwärmte von einer einmaligen Chance für die Stadt, von einer Verjüngung und von Vorteilen für die Wirtschaft. „Wir ziehen junge Leute in unsere Stadt.“ Der Vorschlag Zollners fand große Zustimmung bei CSU, SPD und Grünen, wie Christine Knoblauch, Oskar Stoiber, Ilse Preisinger-Sontag und Georg Gafus betonten. Einhelliger Tenor war, die Stadt müsse diese Chance nutzen.

Markus Saller (UWG) kritisierte die Pläne: „Wer nimmt die rosa Brille ab?“ Der Stadtrat wolle Sportstätten für 17 Millionen Euro bauen und jetzt komme die Fachhochschule dazu. „Ich halte das Vorgehen für unverantwortlich. Mir geht da der Realitätsbezug verloren.“

Max Oelmaier und Karin Zieglgänsberger (FM) gehen davon aus, dass beide Vorhaben nicht möglich seien. Ziegl gänsberger vermutet deshalb: „Wir werden uns klar für eine Priorität entscheiden: Sportstätten oder Hochschule. Beides wird nicht finanzierbar sein.“

Gegen Saller sprach sich der Stadtrat für das Angebot an den Freistaat aus. hon

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