KZ-GEDENKORTE AM EHEMALIGEN WALDLAGER UND MASSENGRAB

Historische Baustellen

Auf solchen Betonstegen werden die Besucher zu den Gedenkorten geführt. Laut Vorgabe des Landesamts für Denkmalpflege lassen sich die Stege wieder komplett rückbauen.
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Auf solchen Betonstegen werden die Besucher zu den Gedenkorten geführt. Laut Vorgabe des Landesamts für Denkmalpflege lassen sich die Stege wieder komplett rückbauen.

Die beiden KZ-Gedenkorte am ehemaligen Waldlager und Massengrab im Mühldorfer Hart nehmen konkrete Formen an. Vier Wochen vor der Eröffnung lud die Stiftung Bayerische Gedenkstätten gestern zu einer Baustellenbesichtigung ein.

Mühldorf – Es rührt sich was im Wald: Lastwagen schaffen noch ein paar Ladungen Humus herbei, ein Bagger schaufelt und planiert. Hier, am nördlichen Rand des Mühldorfer Hart, sind die Arbeiten am KZ-Gedenkort „Waldlager“ weit fortgeschritten. Die Betonplatten, auf denen die Besucher künftig vom Lager zum ehemaligen Appellplatz gehen sollen, sind ausgelegt und montiert. Was noch fehlt, ist die U-förmige Zugangsschleuse mit den Informationstafeln. „Doch bis 28. April wird alles fertig“, verspricht Ulrich Fritz von der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. „Ganz sicher.“

Eine Bemerkung, die Eva Köhr vom Arbeitskreis Gedenkstätte Mühldorfer Hart und Erhard Bosch vom „Verein für das Erinnern“ ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Denn lange, viel zu lange galt bei diesem Projekt nichts als sicher. Und auch jetzt, da die offizielle Eröffnung der ersten beiden Gedenkorte im Mühldorfer Hart unmittelbar bevorsteht, sind nach wie vor viele Fragen offen. Sie betreffen den dritten Gedenkort am Bunkergelände, die Altlasten und Kampfmittel im Boden (wir berichteten), die Eigentumsverhältnisse. „Alles sehr komplex“, sagt Fritz – wohl wissend, dass da noch viel Arbeit auf ihn zukommt.

„Wir tun das hier we- gen der historischen Bedeutung. Und nicht, weil wir fünfstellige Besucherzahlen erwarten.“ Ulrich Fritz

Doch davon wollte er sich gestern die Laune nicht verderben lassen. „Es ist eine gute Gelegenheit, sich nach all den Jahren auch einmal gegenseitig auf die Schultern zu klopfen.“ Jeder habe seinen Beitrag zur Realisierung der Gedenkorte geleistet – von den Bayerischen Staatsforsten als Grundstückseigentümerin am ehemaligen Waldlager und Massengrab über das staatliche Bauamt bis zum Arbeitskreis KZ-Gedenkstätte und dem „Verein für das Erinnern“. Es sei schon bewundernswert, dass der Druck der Ehrenamtlichen nie nachgelassen habe, erklärt Fritz, „sondern immer stärker wurde. Irgendwann gab es dann einfach kein Zurück mehr.“

Darüber hinaus profitiere man von den Ergebnissen der jahrelangen Forschungen und Recherchen zum KZ-Außenlager: „Mal ehrlich: Wir stehen hier mitten im Wald“, sagt Fritz. „Was könnten wir schon erzählen, wenn wir kein so großes Wissen darüber hätten, was hier passiert ist?“

Dieses Wissen hat die NS-Dauerausstellung im Mühldorfer Haberkasten seit zwei Jahren gebündelt. Nun wird die Geschichte an den Gedenkorten stärker erfahrbar. „An den Zugangsschleusen vermitteln wir lediglich Basiswissen zum Bau der Rüstungsfabrik und zum jeweiligen Ort“, sagt Fritz. „Wir wollen aber die Besucher hier im Wald nicht mit Informationen überfrachten.“

So soll genügend Raum bleiben, die Gedenkorte für sich sprechen zu lassen: Den Bunkerbogen für den Gigantismus der Nationalsozialisten, das Waldlager für die unmenschlichen Lebensbedingungen der KZ-Häftlinge, das ehemalige Massengrab für die Vernichtung durch Arbeit. Über 2100 Häftlinge wurden hier verscharrt, in einem 63 Meter langen Graben. Nach dem Krieg wurden sie in Mühldorf, Neumarkt-St. Veit und anderen KZ-Friedhöfen beerdigt. Mannshoch geschnittene Bäume stehen symbolisch für das Sterben. Die Sieger des Architektenwettbewerbs, das Planungsbüro „Latz & Partner“, haben einen künstlerischen Ansatz gewählt. Auch hier führt ein Betonsteg die Besucher an den Gedenkort heran, auch hier fehlt noch die Informationsschleuse. „Aber auch hier werden wir bis 28. April fertig“, sagt Fritz. „Ganz sicher.“

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