Ein Hilfskonvoi mit 15 Fahrzeugen: Tögings Rumänienhilfe startete wieder nach Satu Mare

Stofftiere kommenbei Kindern ganz besonders gut an, die Marcus Köhler vor Ort verteilte. Schüßler

Mit der Unterstützung eines großen Fuhrparks begab sich die Töginger Rumänienhilfe auf ihren jährlichen Hilfstransport ins etwa 1000 Kilometer entfernt liegende Satu Mare. Mit drei 40-Tonnern, vier 7,5-Tonnern und acht Kastenwagen waren so viele Fahrzeuge wie noch nie am Hilfstransport beteiligt.

Töging– Die Töginger Rumänienhilfe unterstützt bereits seit 30 Jahren die notleidende Bevölkerung im Nordwesten Rumäniens und schickte in diesem Jahr ihren 34. Hilfstransport auf die Reise. „Die insgesamt 15 Fahrzeuge waren allesamt von Firmen aus Töging und dem Umland, wie schon seit Jahrzehnten, kostenfrei zur Verfügung gestellt worden“, berichtet Marcus Köhler, der sich schon seit Jahren für diese Hilfsaktion engagiert. Mit jeweils zwei Fahrern bestückt, machten sich die Fahrzeuge in den Faschingsferien auf den Weg, um nach etwa 16 Stunden Fahrzeit wohlbehalten am Zielort einzutreffen. Dort erwartete sie bereits der Direktor der Caritas Satu Mare, Dr. Ioan-Laurenciu Roman, und der Leiter der Logistikabteilung, Szilard Nagy.

Täglich werden etwa 8000 Personen betreut

Die Rumänienhilfe Töging arbeitet mit der Caritas Satu Mare, die für die Bezirke Satu Mare und Maramures mit ihren circa 900 000 Einwohnern zuständig ist, zusammen. Die Caritas unterhält vor Ort eine Vielzahl von sozialen Einrichtungen, wie Kinderheime, Kindergärten, Altenheime, Sozialküchen, Sozialberatungsstellen, Drogenpräventionsbüros, häusliche Kranken- und Altenpflege und Vieles mehr. Mit den Hilfsgütern aus Töging unterstützt sie diese Einrichtungen und finanziert ihre Arbeit. Mit etwa 300 Mitarbeitern ist die Caritas Satu Mare auch einer der größten Arbeitgeber vor Ort und betreut täglich etwa 8000 bedürftige Personen.

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Die mitgebrachten Hilfsgüter wurden von den Fahrern zusammen mit Mitarbeitern der Caritas entladen und im Lager verstaut, das buchstäblich aus allen Nähten platzte. Ein Teil musste sogar in ein Ausweichlager in die benachbarte Stadt Carrei gebracht werden, berichten die Töginger. Neben Lebensmitteln, Hygieneartikeln, Möbel und allerhand Gebrauchsgegenständen, waren besonders viele Kleiderspenden unter den Hilfsgütern.

Am Abend nach der Ankunft lud die Caritas die ehrenamtlichen Fahrer in ein Weingut im nahegelegenen Beltiug (Bildegg) ein, wo man eine Auswahl an lokalen Weinen und traditioneller Speisen der Sathmarer Schwaben kennenlernen und genießen konnte. Über die Jahre hinweg sind Freundschaften zwischen den Helfern aus Töging und den Mitarbeitern der Caritas gewachsen, die bei dieser Gelegenheit gepflegt werden konnten.

Tags darauf ging es aufs Land in ein kleines Dorf, wo Caritas Direktor „Janosch“ die Heilige Messe zelebrierte. Im Anschluss daran brachte die deutschsprachige Gemeindevorsteherin den Helfern einige geschichtliche und gesellschaftliche Details zu ihrem Dorf näher und ermöglichte es ihnen, ihre kleine Glasbläserei zu besichtigen. Sie war vor einigen Jahren aus Deutschland in ihre Heimat zurückgekehrt und hat in dem Dorf, das zu kommunistischer Zeit ein Werk für industrielle Glasherstellung hatte, mit ihrem Betrieb neu begonnen. Mittlerweile leben rund zehn Familien in ihrem Dorf von der Arbeit in ihrer Firma.

Nach dem Mittagessen ging es dann an die sozialen Brennpunkte. Die Helfer aus Töging konnten sich mit eigenen Augen davon überzeugen, wie wichtig die Unterstützung aus Deutschland nach wie vor ist. Am Ufer der Samos leben Familien unter unwürdigsten Bedingungen in alten, verfallenen Sommerlauben der kommunistischen Elite ohne fließendes Wasser, Sanitäreinrichtungen und Strom. Bei niedrigsten Temperaturen leben diese Menschen in Häusern, viele ohne Fenster und Türen. „Wenn man es nicht mit eigenen Augen sieht, kann man es nicht glauben“, zeigte sich auch Monika Huber schockiert, die zusammen mit Juliane Einöder seit vielen Jahren die Transporte organisiert. Während sich die Erwachsenen über Decken, Kleidung und Lebensmittel freuten, konnte man mit einem Stofftier oder einem Spielzeugauto ein Lächeln in die sonst so tristen Gesichter der Kinder zaubern.

Wichtigstes Ziel: Bildung für Kinder

Die erschütternde Erkenntnis der Töginger Helfer: Obwohl auch in Rumänien ein gewisser, wirtschaftlicher Aufschwung zu sehen ist, fallen dort viele Menschen durchs Raster. Die sozialen Sicherungssysteme sind dort nur schwach ausgebildet. Für Angehörige von ethnischen Minderheiten, Obdachlose, Waisenkinder, behinderte und kranke Menschen fühlt sich niemand zuständig. Genau da setzt die Caritas mit ihrer Arbeit an. Sie versucht, den Menschen auf Augenhöhe zu begegnen und Ihnen ein wenig Hilfe zukommen zu lassen, sodass sie Fuß fassen können.

Das wichtigste Ziel ist es, so die Rumänienhilfe in Töging in ihrer Pressemitteilung, „die Kinder so weit zu bekommen, dass sie einigermaßen regelmäßig die Schule besuchen, ein wenig Bildung erfahren und vielleicht so den Ausstieg aus diesem Teufelskreis zu schaffen“.

Die Töginger Rumänienhilfe nimmt Spenden normalerweise jeden Freitag von 12.30 bis 17 Uhr in der Innstraße 20 (ehemaliges Innwerks-Gelände) in Töging an. Aktuell ist aber aufgrund der Corona-Krise die Annahme bis auf Weiteres ausgesetzt.

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