Herr über 5000 stachelige Pflanzen: Mühldorf hat einen der größten Kakteenvereine Deutschlands

Erich Haugg in seinem Gewächshaus, in dem zwischen 4000 und 5000 Pflanzen stehen.Huckemeyer
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Erich Haugg in seinem Gewächshaus, in dem zwischen 4000 und 5000 Pflanzen stehen.

50 Frauen und Männer widmen sich in Mühldorf einem ganz besonderen Hobby: Sie sammeln Kakteen. Allein Erich Haugg nennt mehrere 1000 sein Eigen. Die Mitglieder des Vereins mussten in Corona-Zeiten aber mehr tun, als ihr stacheliges Hobby zu pflegen.

Mühldorf– Wie im wilden Westen schaut es bei Erich Haugg nicht aus, obwohl in seinem beeindruckenden botanischen Garten die Carnegiea gigantea wächst. Ein dorniger Geselle, dessen Artgenossen oft als Kulisse bei Westernfilmen dienten.

Hauggs Kaktus glänzte in seinem Leben zwar noch nie neben Clint Eastwood & Co, dennoch kommt der säulenförmige Riesenkaktus für den Mühldorfer mit einer Besonderheit daher: „Der Western-Kaktus stammt aus dem Jahre 1936 und ist somit die älteste Pflanze in meinem Haus“, erklärt Haugg, Vorsitzender der Mühldorfer Kakteenfreunde.

Faszination entstand in der Jugend

Kakteen faszinierten den 80-Jährigen bereits in seiner Jugend. So verwundert es nicht, dass Haugg mit anderen Liebhabern und Sammlern exotischer Pflanzen im Jahr 1972 den Verein Kakteenfreunde Mühldorf gründete.

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Im Handumdrehen zählte der neugegründete Verein 30 Mitglieder. Drei Jahre später wurde er als Ortsgruppe in der Deutschen Kakteengesellschaft aufgenommen. In den besten Zeiten widmeten sich 70 Kakteenfreunde diesem Hobby. Momentan sind es rund 50 Frauen und Männer, die sich den dornigen Gewächsen mit Leidenschaft zuwenden.

Patricia Büchner hat es mit ihren Züchtungen sogar schon ins Fernsehen geschafft.

Die Mühldorfer Ortsgruppe zählt zu den größten Kakteen-Vereinen in Deutschland. Erich Haugg erinnert an umfangreiche Ausstellungen, die sowohl im Stadtsaal als auch im ehemaligen Turmbräu-Garten stattfanden.

In Spitzenzeiten 8000 Kakteen

Im Gewächshaus von Haugg gibt es viel zu bestaunen. Zwischen 4000 und 5000 Pflanzen hegt und pflegt der Witwer mit Hingabe. In früheren Zeiten wuchsen an die 8000 Kakteen im Hause Haugg. Es reisten Pflanzenliebhaber sogar mit Bussen an, um die unglaubliche Vielfalt des Mühldorfer Kakteenliebhabers in Augenschein zu nehmen. Mit eigenen Züchtungen kennt sich der 80-Jährige bestens aus. Hauggs Amethyst heißt beispielsweise ein Exemplar, das wunderschöne rötliche Blüten hervorbringt.

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Patricia Büchner, eine der Jüngsten im Bunde der Kakteenfreunde, erfreut sich ebenfalls an majestätischen Kaktusblüten, vor allem auch an der Vielfalt dieser Pflanzen. „Mal schaut ein Kaktus wie eine riesige Mördergurke aus, dann wieder wie ein Salat oder wie ein Seeigel“, sagt die 31-Jährige. Sie selbst hat einige tausend Pflanzen bei sich zu Hause. Züchtungen nimmt sie ebenfalls vor. Sie hat es sogar bis ins Fernsehen geschafft.

Wegen Corona kein Treffen möglich

Was die Sammlerin mit Senior Erich Haugg und allen anderen Vereinsmitgliedern verbindet, sind neben Begeisterung und Herzblut für die dornigen Gewächse auch die Enttäuschungen der vergangenen Monate aufgrund der vielen ausgefallenen Veranstaltungen.

Eine Züchtung von Erich Haugg: Hauggs Amethyst.

Das Corona-Virus zeigte den Kakteenfreunden seine unnachgiebige stachelige Seite. Fast so schmerzhaft wie das Platznehmen auf dem berühmten „Schwiegermutter-Stuhl“ (Kugelkaktus), sind für die Mitglieder die Absagen im Hinblick auf Vereins- und Gruppentreffen sowie Fahrten zu Börsen oder Kakteengärtnereien. Interessante Vorträge mussten ebenfalls vom Programmplan gestrichen werden.

Facebook statt Amethyst

In der kontaktlosen Zeit hält Patricia Büchner über diverse Social-Media-Kanäle die Verbindung zu ihren Kakteenfreunden aufrecht. Wie auch Erich Haugg, hofft sie auf ein baldiges Vereinstreffen.

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