Helm gegen Maske eingetauscht: Schweizer Biker Mühldorfs erste Museumsgäste nach Corona-Pause

Besondere Gäste zum Neustart nach Corona: Beate Fedtke-Gollwitzer (rechts) führte nach fast vier Monaten Pause wieder eine Gruppe durch die Altstadt, nachdem Franz Langstein (Vierter von rechts) durch die KZ-Gedenksttte im Mühldorfer Hart geführt hatte. Und auch die NS-Ausstellung unter der Führung von Korbinian Engelmann (Siebter von links) durfte beim geschichtsträchtigen Ausflug der Motorradfreunde aus der Schweiz nicht fehlen. Die schweren Maschinen parkten derweil – viel bestaunt – im Haberkasten-Innenhof.
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Besondere Gäste zum Neustart nach Corona: Beate Fedtke-Gollwitzer (rechts) führte nach fast vier Monaten Pause wieder eine Gruppe durch die Altstadt, nachdem Franz Langstein (Vierter von rechts) durch die KZ-Gedenksttte im Mühldorfer Hart geführt hatte. Und auch die NS-Ausstellung unter der Führung von Korbinian Engelmann (Siebter von links) durfte beim geschichtsträchtigen Ausflug der Motorradfreunde aus der Schweiz nicht fehlen. Die schweren Maschinen parkten derweil – viel bestaunt – im Haberkasten-Innenhof.

Die NS-Dauerausstellung im Haberkasten ist endlich wieder geöffnet. Auch die erste Stadtführung hat schon stattgefunden. Und auch Führungen durch die KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart sind wieder möglich.

Von Josef Enzinger

Mühldorf – Erst der Bunkerbogen im Mettenheimer Hart, dann die NS-Ausstellung im Mühldorfer Haberkasten, schließlich noch eine Stadtführung, deren Höhepunkt der Ausblick vom Münchener Tor über die Stadt Mühldorf war: Es war das erste Mal nach der Corona-Krise, dass die Dauerausstellung rund um die NS-Zeit wieder geöffnet hatte und zu Führungen an geschichtsträchtigen Orten eingeladen wurde. „Endlich“, sagt dazu auch Beate Fedtke-Gollwitzer erleichtert, deren Leidenschaft es ist, Besucher der Stadt durch Mühldorf zu führen. Und sie gibt zu: „Ich habe vorsichtshalber vorher Einiges nachgelesen, nicht dass ich wegen der Corona-Pause die ein oder andere Wissenslücke habe!“

Knapp ein Dutzend Führungen weniger

Denn die letzte Führung liegt bereits einige Zeit zurück. Ende Februar war es, dass sie Leute durch Rathausflez und Hex‘nkammerl geführt hatte. Dann der Lockdown und vorbei war es mit den launigen Spaziergängen durch die Altstadt, die stets mit dem enormen geschichtlichen Wissen von Fedtke-Gollwitzer ausgeschmückt waren. „Knapp ein Dutzend Führungen werden es wohl sein, die in den vergangenen Wochen und Monaten wegen Corona nicht durchgeführt werden konnten. Klassentreffen nutzen diese Möglichkeit oft, aber auch Schulklassen“, berichtet Fedtke-Gollwitzer.

Am vergangenen Freitag waren es aber Touristen, die aus der Schweiz angereist waren. Ein Dutzend Gäste, die mit ihren schweren Motorräder eine Tour quer durch Bayern gemacht hatten, über den Kochelsee und den Sylvensteinspeicher zunächst bis nach Berchtesgaden gefahren sind und dann –bereits auf dem Rückweg – einen Zwischenstopp in Mühldorf eingelegt haben. „Das hat sich bereits im Januar so ergeben“, freute sich auch Franz Langstein über den Besuch der Eidgenossen.

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Damals hätten die Motorradfahrer angefragt, wegen einer Führung durch die KZ-Gedenkstätte im Mühldorfer Hart. Über die Internetseite des Geschichtszentrums in Mühldorf seien sei darauf aufmerksam geworden. „Damals noch verknüpft mit dem Besuch des Sandbahnrennens. Nachdem bekannt war, dass dieses aber wegen Corona nicht stattfinden wird, wollte die Reisegruppe dennoch an ihren Plänen festhalten, die Gedenkstätten zu besuchen“, erklärt Langstein, der als Vorsitzender des Vereins „Für das Erinnern – KZ-Gedenkstätte Mühldorfer Hart“ höchstpersönlich die Gruppe durch das Waldstück bei Mettenheim geführt hat – die erste Führung überhaupt nach der Corona-bedingten Pause.

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Wer sich für die KZ-Geschichte im Landkreis Mühldorf interessiert, kommt an der Dauerausstellung im Haberkasten nicht vorbei. Zwölf Personen führte Museumsleiter Korbinian Engelmann durch die Räume im Kornkasten. Die Schweizer Abordnung entsprach damit genau den Corona-spezifischen Vorgaben für die Gruppen, die ab sofort wieder in Museen dürfen. „Es ist Zeit geworden, dass wir wieder aufsperren dürfen“, zeigt sich auch Engelmann erleichtert. Als „fürchterlich“ bezeichnete der die Corona-bedingte Schließung im März. Ausgerechnet in der zweiten Märzwoche. „Dabei hatten wir erst am 11. März die Max-Mannheimer-Ausstellung eröffnet“, sagt Engelmann, der sich darüber freut, dass diese nun wieder für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Selbst wenn die Beschränkungen natürlich einen uneingeschränkten Museumsbesuch derzeit noch nicht zulassen. .

Zwei Gruppen dürfen in die NS-Ausstellung

Mit Mund-Nasen-Schutz ausgestattet ließen sich die Schweizer von Museumsleiter Korbinian Engelmann durch die NS-Ausstellung im Kornkasten führen, bevor die Stadtführung den krönenden Abschluss bildete. Nach einer weiteren Übernachtung in Mühldorf, tauschten die Biker tags darauf ihre Mund-Nasen-Maske wieder gegen ihre Sturzhelme ein.

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Weiterreise mit „Harleys“ und „Indians“

Auf ihren „Harley Davidsons“ und „Indians“ verließen sie laut knatternd die Innstadt in Richtung Bad Tölz, um nach einer Zwischenstation in Kochel am See zurück nach Zürich zu cruisen. Berchtesgaden – Mühldorf – Bad Tölz: Der erste Härtetest nach Corona scheit sich bewährt zu haben. Franz Langstein jedenfalls war zufrieden über den Neustart und letztlich auch über das positive Feedback der Gruppe aus der Schweiz. Und wer weiß: Vielleicht war es ja nicht der letzte Besuch aus Helvetien, wenn in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft dann auch wieder Sandbahnrennen stattfinden dürfen.

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