Heldensteiner Jäger in Sorge: Biber macht immer größere Probleme

Der Biber macht den Landwirten auch am Hartinger Bach in Heldenstein Sorgen. dpa

Das Programm der Versammlung der Jagdgenossenschaft Heldenstein, die noch vor der Corona-Krise stattfand, beinhaltete viele Problemfälle, die sowohl für die Jäger als auch für die Landwirte und Waldbauern große Herausforderungen darstellen.

Heldenstein – Der Zusammenhalt von Jäger, Landwirten und Waldbauern sei ein großes Plus, wenn man sich den Herausforderungen stell, so Vorsitzender Georg Kamhuber. Den Themen entsprach auch der von Bildern begleitete Vortrag von Jagdpächter Wilfried Portisch.

Abschussplan und Kitzrettung

In der letzten Jagdversammlung war der dreijährige Abschussplan festgelegt worden mit 150 Stück Rehwild für die Jagdjahre 2019 bis 2021. Die aktuellen Abschusszahlen liegen bei 46, davon waren 13 Tiere Opfer von Verkehrsunfällen. Über die Verwendung des Jagdpacht-Schillings ist noch nichts entschieden. In Sachen Tierschutz wurde mit den Jägern angeregt, zum einen nach Kibitznestern Ausschau zu halten und sie entsprechend zu markieren, zum anderen die Anschaffung von weiteren Beobachtungsgeräten zur Kitzrettung zu bezuschussen. Diese haben sich bewährt und können bei einer Wiesenmahd von den Landwirten ausgeliehen werden.

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Der Klimawandel und derBorkenkäfer setzt den Wäldern zu. Daher müsse bei Neubepflanzungen umgedacht werden. Brotbaum für die Waldbesitzer werden zwar weiterhin Fichte und Tanne bleiben, zum Erhalt des Waldes aber seien Mischwälder zum Beispiel aus Lärche, Douglasie, Buche, Eiche und Bergahorn notwendig. „Das Biberproblem nimmt immer größere Ausmaße an“, sagte Kamhuber. Entlang des Hartinger Baches bis zur Isen seien Schäden sichtbar, wobei die nicht sichtbaren durch das Unterminieren entlang der Bäche und der Isen mit dem Einbrechen der Uferregionen bei Ernten meist noch gefährlicher sind. Auf Initiative von Anliegern, Gemeinde und Jägern konnte bei einer Vor-Ort-Besichtigung mit dem Biberbeauftragten und dem Landratsamt, wobei auch entstandene Schäden aufgenommen wurden, eine Abschussgenehmigung erzielt werden. „Zur Entschädigungsfrage gibt es bislang keine konkrete Antwort“, sagte Kamhuber.

Jagdwertminderung entlang der A94

Die Situation „Afrikanische Schweinepest“ und Schwarzwild habe sich seit vorigem Jahr kaum geändert. Das Einschlepp-Risiko sei nach wie vor hoch. Im Landkreis Mühldorf wurden im Jagdjahr 2019, vorwiegend im westlichen und nördlichen Bereich, 17 Tiere erlegt, ein Überläufer hatte es bis nach Lauterbach geschafft. Schlussfolgerung zu diesem Problem ist, dass das höchste Einschlepp-Risiko der Mensch ist mit illegaler Verbringung und Entsorgung von belastetem Material wie Rohwurst, Rohfleisch und ähnlichem, besonders entlang von Fernstraßen.

Auch durchaus Positives gab es zu vermerken: Wer durch die Landschaft fahre, sehe das Greening und den starken Winterzwischenfruchtanbau, den die Bauern mittlerweile betreiben, von denen auch das Wild stark profitiere, dazu Blühflächen die Bienen und anderen Insekten bis in Oktober hinein Versorgung sichern.

Gutachter besichtigt Revierbereiche an der Autobahn

Nachdem im Jahr 2012 im ersten Streckenabschnitt der A 94 Jagdwertminderung festgestellt und mit 445 Euro entschädigt wurde, folgte im März 2019 ein erneuter Antrag. In Abstimmung mit der Autobahndirektion hat dieses Mal ein neuer Gutachter die relevanten Revierbereiche entlang der A 94 besichtigt. Die Jagdgenossenschaft hofft nun, ein deutlich wertigeres Gutachten zu erreichen. six

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