Heimstudium statt Fjorde

Ein Selfieaus der Studentenbude in Trondheim: Erasmus-Student Matthias Brunner.

Mühldorf. – Der Sinn eines „Erasmus-Semesters“ ist es nicht, möglichst viele Punkte zu sammeln, sondern ein neues Land kennenzulernen, sich in einer ungewohnten Umgebung zurechtzufinden, neue Bekanntschaften zu machen.

Ich studiere Elektrotechnik an der TU München im fünften Semester und habe entschieden, das Erasmus-Programm zu nutzen, um ein Semester lang Norwegen kennenzulernen und in Trondheim zu studieren. Glücklicherweise haben meine neuen Freunde dort und ich bereits im Februar Ausflüge zu den Lofoten und nach Tromsø gemacht.

Der 12. März war der Wendepunkt. Ab diesem Tag waren die Universität, die Fitnessstudios, die Bücherei, die Gemeinschaftsräume wegen Corona geschlossen. Veranstaltungen und geplante Reisen wurden abgesagt. Man soll zu Hause bleiben und soziale Kontakte vermeiden. Der Campus ist geschlossen, alle Vorlesungen wurden in Online-Vorlesungen umgewandelt. Zunächst dachte ich, so tragisch ist das nicht, Lernen und Sport treiben kann ich genauso im eigenen Zimmer. Aber wie es scheint, bin ich es zu sehr gewohnt an der Universität zu lernen, Sport im Fitnessstudio zu machen und abends irgendwas mit Freunden zu unternehmen. Den ganzen Tag im Zimmer zu sitzen und nichts unternehmen zu können, drückt extrem auf die Stimmung.

Jeden Tag reisen mehr meiner Freunde ab. Einige Länder haben die Austauschprogramme beendet. Meine Universität lässt uns selbst entscheiden. Prüfungen werden weiter anerkannt. Ich werde bis nach den Prüfungen bleiben und hoffe, dass sich die Lage entspannt – damit wir im Sommer zusammen feiern und Reisen nachholen können.

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