Heimat ist unverwechselbar

Die Schlacht bei Mühldorf im Jahr 1322 hat den Heimatbund schon beschäftigt und wird ihn weiter beschäftigen.
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Die Schlacht bei Mühldorf im Jahr 1322 hat den Heimatbund schon beschäftigt und wird ihn weiter beschäftigen.

Der Geschichtsverein Heimatbund Mühldorf e. V. hat rind 1.000 Mitglieder und zählt damit zu den größten Vereinen im Landkreis. In seiner beinahe 100-jährigen Geschichte hat der Heimatbund Mühldorf stets das Ziel verfolgt, Geschichte und Kultur im Raum Mühldorf zu erforschen, Verständnis dafür zu entwickeln sowie regionales Brauchtum zu erhalten und zu pflegen.

In diesem Jahr blickt der Heimatbund auf eine 100-jährige Tradition zurück. Wir sprachen mit dem Vorsitzenden des Heimatbundes Dr. Marc Stegherr über die heutigen Aufgaben die Ziele und die Zukunft des Heimatbunds.

Mühldorf¨–

Wie sehen Sie die Aufgabe des Heimatbundes im Wandel der 100 Jahre?

Dr. Marc Stegherr: Es waren wohl in erster Linie die Themen und die Art der Darstellung, die sich in der Regionalforschung im Laufe der Jahre gewandelt haben, und parallel auch die Interessen und Erwartungen der Mitglieder und Leser. Hatte im „Mühlrad“, dem Jahrbuch des Heimatbundes, anfangs mancher Autor aus reiner Passion, wie es ihm das Erlebte, die Erinnerung eingab, und manchmal auch launig erzählt, wurde der Stil im Laufe der Jahre nicht unbedingt ernster und trockener, aber wissenschaftlicher. Auch die Regional- bzw. Heimatgeschichte muss sich nicht vor der sogenannten „großen Geschichte“ verstecken. Dass ein so bedeutender bayerischer Historiker wie Benno Hubensteiner auch für das „Mühlrad“ geschrieben hat, mit einer Reihe anderer versierter Persönlichkeiten, belegt das in meinen Augen. Anfangs, in den ersten beiden Jahrzehnten, lag der Schwerpunkt wohl auch eher auf der Kulturgeschichte, auf dem Sammeln und Bewahren. Daher war der Heimatbund auch bis 1973 Träger des städtischen Heimatbundes im Naglschmiedturm. In der jüngeren Vergangenheit des Heimatbundes hat dann auch die Zeitgeschichte ein größeres Gewicht erhalten. Neben dem Förderverein Kreisheimatmuseum hat sich der Heimatbund für die Gedenkorte im Mühldorfer Hart schon sehr früh eingesetzt.

Welche Definition verbinden Sie mit dem Begriff Heimat und Heimatgeschichte?

Stegherr: Die Heimat ist der Raum, in dem die Dinge selbstverständlich erscheinen, dort wo die eigene Familie lebt, ihre Vorfahren lebten, wo Namen und Orte vertraut sind, wo man damit Geschichten und Geschichte verbindet. Da ich selbst zugezogen bin, wie viele andere Neu-Mühldorfer, gehört zur Heimat sicher auch, dass man sich dort wohl und nicht fremd fühlt. Mir wurde Mühldorf rasch Heimat, wegen seiner schönen Altstadt, den herzlichen, offenen Menschen, mit denen man beim Steer oder anderswo eine Halbe trinken und die Zeit verratschen kann, wegen der vielen interessanten Vereine. Heimatgeschichte ist mir wichtig, weil sie vermittelt, was die Heimat an kulturellem, geistigem Reichtum zu bieten hat, der nur vergangen ist, wenn wir uns nicht mehr daran erinnern. Den Eingesessenen mit langer Familiengeschichte gibt sie genauso wie den Neubürgern ein Gefühl der Identität, ein Gefühl dafür, dass ihre alte wie neue Heimat, der Ort, wo sie wohnen, eine reiche Geschichte hat, die den Ort unverwechselbar macht.

Welche Schwerpunkte setzt der Heimatbund bei seinem runden Geburtstag?

Stegherr: Der Heimatbund kann momentan nicht ganz so planen wie er das gerne möchte. Es wird auf jeden Fall eine Festveranstaltung mit einem herausragenden Festredner und einer Ehrung verdienter Mitglieder geben. Wir wollen die großen Ereignisse in der Vereinsgeschichte Revue passieren lassen, die bedeutenden Vorsitzenden, Autoren und natürlich auch einen Blick darauf werfen, was sich im Laufe der Jahre verändert hat, was die Regionalforscher damals interessiert hat und was sie heute interessiert. Ein Benno Hubensteiner oder Josef Steinbichler schrieb anders, sah die Dinge anders, empfand andere Themen interessant als ein Reinhard Wanka oder Norbert Stellner, und sicher auch als die Nachwuchsgeneration, die sich heute für Regionalforschung interessiert. Wir werden die schöne, interessante, reiche Vergangenheit des Heimatbundes überblicken und feiern, und einen hoffnungsvollen Blick in die Zukunft werfen.

Wie sehen Sie die Aufgaben des Heimatbundes in Zukunft?

Stegherr:Ich sehe die Aufgaben des Heimatbundes natürlich einerseits so wie sie auch meine Vorgänger gesehen haben, als Bewahrung des Überlieferten, als Ausleuchtung und Erklärung dessen, was uns trägt, was unsere Vorfahren, unsere Mütter und Väter geschaffen und geleistet haben, was sich in der Region an Interessantem und Erinnerungswertem ereignet hat.

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Damit all das nicht der Vergessenheit anheimfällt, sobald diejenigen, die all das erlebt haben, nicht mehr unter uns sind. Andererseits muss sich auch der Heimatbund, angesichts des Wandels der Interessen und der Altersstruktur seiner Mitglieder, Gedanken darüber machen, was uns in Zukunft leiten soll, wie wir unser Jahrbuch gestalten, wie die Beiträge aussehen sollen. In der jüngeren Generation gibt es viele Talente, die manches neu, anders sehen, die andere Ansätze und Themen wählen, aber auch wieder auf Bewährtes zurückgreifen. Da sollten wir anregend wirken, fördern und fordern. Dann kann es auch für die Regionalforschung, ob für den Heimatbund oder jede andere ähnliche Initiative eine Zukunft geben. Wir sind aber, wie jeder Verein, auf die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt angewiesen, auf das Bewusstsein, dass der Verein für die Gemeinschaft etwas Nützliches und Wichtiges tut.

Gibt es Angebote an die junge Generation, Heimat näher zu erleben?

Stegherr: Die Beiträge unseres Jahrbuches, genauso wie unsere Vorträge richten sich natürlich an alle Generationen. Wenn es keinen Nachwuchs gibt, der sich für die Geschichte der eigenen Heimat interessiert, wird auch die Regionalforschung und mit ihr der Heimatbund nicht mehr so dynamisch sein wie er sein sollte oder sein könnte. Daher ist uns natürlich das Angebot an die junge Generation sehr wichtig. Helene Sondermeier hat immer wieder Geschichtsrallyes für junge Mühldorfer angeboten. Es gab Führungen durch die Ausstellungen des Mühldorfer Geschichtsmuseums, die sich besonders an Kinder und Jugendliche wenden, auch historische Forschungsprojekte, die zum Beispiel mein Kollege Edwin Hamberger an Mühldorfer Schulen durchgeführt hat.

Wird das Mühlrad weiter fester Bestandteil der Arbeit des Heimatbundes bleiben?

Stegherr: Auf jeden Fall! Unser Jahrbuch ist für die Mitglieder wie auch für jeden, der sich für die Geschichte Mühldorfs und seiner Umgebung interessiert, Bezugspunkt, Quelle und für Regional- und Heimatforscher der Ort, wo sie ihre Arbeiten präsentieren können. Wer (noch) nicht Mitglied ist, der bekommt beim Durchblättern sofort einen Eindruck davon, was der Heimatbund tut, was gerade diskutiert wird, welche Themen die Autoren interessieren. Außerdem wird der Heimatbund bald ein reichbebildertes Buch über die Brauereien und Bierwirtschaften in Mühldorf herausbringen, von denen es die meisten ja leider nicht mehr gibt. Das ist für mich auch ein interessanter Punkt an der Heimatgeschichte, dass sie uns zeigt, dass die Vergangenheit nicht unbedingt besser als die Gegenwart war, aber auch nicht immer schlechter. Man konnte, wie das „Bierbuch“ der geneigten Leserin, dem geneigten Leser zeigen wird, am Mühldorfer Stadtplatz von einer Wirtschaft in die andere „fallen“, wie mir mein Kollege und absoluter Regionalexperte Meinrad Scholl erzählt hat. Das hatte schon was! Interview: Josef Bauer

Dr. Marc Stegherr ist Vorsitzender des Mühldorfer Heimatbundes.
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