Corona verhindert Eröffnung

Heilige Katharina steht wieder stabil – Mühldorfer müssen weiter auf ihre Kirche verzichten

Die Katharinenkirche in Mühldorf: Über zehn Jahre war sie geschlossen, jetzt ist sie saniert und darf wieder genutzt werden. Zumindest theoretisch. Denn Corona macht die festliche Einweihung unmöglich.
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Die Katharinenkirche in Mühldorf: Über zehn Jahre war sie geschlossen, jetzt ist sie saniert und darf wieder genutzt werden. Zumindest theoretisch. Denn Corona macht die festliche Einweihung unmöglich.
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Seit 14 Jahren ist die Mühldorfer Katharinenkirche gesperrt. Einsturzgefahr hieß es. Jetzt steht sie wieder stabil, ist frisch renoviert – und bleibt trotzdem geschlossen. Denn das Coronavirus lässt die feierliche Wiedereröffnung nicht zu. Wer sie künftig nutzen kann, steht aber schon fest

Mühldorf – Es ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass die Orgel wieder den Kirchenraum von St. Katharina in Mühldorf füllt. Michael Bachmann darf ihr die ersten Töne entlocken, seit sie die Orgelbaufirma Weishaupt aufgestellt hat. Ihre Rückkehr ist nicht nur der letzte Akt der unendlich lange wirkenden Sanierungsgeschichte der Mühldorfer Katharinenkirche. Sie könnte auch der Hinweis auf die Zukunft des Gotteshauses sein.

Für Dr. Ludwig Waldmann vom Förderverein Katharinenkirche mischt sich in all die Freude über den Abschluss der Sanierung Trauer. Denn die feierliche Eröffnung am Tag der Namensgeberin, dem 25. November, fiel natürlich dem Corona-Virus zum Opfer. Waldmann steht im leeren Kirchenraum und zuckt mit den Schultern. „Dann warten wir halt noch ein wenig.“

Seit 2007 war die Kirche geschlossen

Denn wenn er und seine Mitstreiter eines gelernt habe,. dann ist es Warten. So recht wollte sich niemand um das barocke Kirchlein in der nach ihm benannten Katharinenvorstadt kümmern. Viele Jahrzehnte blieb sie ungenutzt, ein grauer, unansehnlicher Klotz, der vor sich hin verfiel. Im Besitz des Freistaats, von der Pfarrei nicht geliebt, von der Stadt unbeachtet stand sie halt so darum, kurz vor der Einfahrt zum prächtigen Stadtplatz.

Erst als es ihr wirklich an den Kragen ging, als klar wurde, dass der Riss im Triumphbogen nur der Vorbote des Auseinanderbrechens des ganzen Gotteshauses sein würde, kam Bewegung in die Sache – und das staatliche Bauamt sperrte die Kirche endgültig zu. Das war 2007 und damals hieß es: Jetzt kümmern wir uns drum. Betreten verboten, akute Einsturzgefahr.

Ewig lange Diskussionen übers Geld

Es dauerte zehn Jahre bevor die Diskussionen über Sicherungsmaßnahmen, den Umfang der Sanierung und vor allem die Kosten vorüber waren. Über die genauen Gründe, warum es bis zur Einigung so lange dauerte, kann man nur spekulieren. Das Bauamt äußert sich nicht konkret dazu. 2,9 Millionen Euro stecken jetzt zwischen den alten Mauern, finanziert vom Freistaat. Der Förderverein hat sich der kleineren Dinge angenommen, die in der Sanierung nicht vorgesehen waren: der Restaurierung der Orgel, dem Kauf einer neuen Glocke und von Sitzbankheizungen, schließlich soll die Kirche genutzt werden.

Ludwig Waldmann kennt wohl jeden Winkel, jeden Stein, jede Figur der Kirche. Er weiß auch, dass der Standort den Kirchenleuten seit jeher Probleme bereitete. Ehemals Schwemmland des Inns, ist das Fundament auf Lehm gebaut.

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Vor allem in den Jahren, in denen geänderte Baumoden aufs Gotteshaus durchschlugen, wurde es kritisch. Seit dem 13. Jahrhundert steht an dieser Stelle eine romanische Kirche, deren dicke Mauern und kleine Fenster den Freunden den Gotik im 16. Jahrhundert ein arger Dorn im Auge waren. Die Seitenwände wurden aufgestockt, die Fenster vergrößert, und – glaubt man Waldmann –, etwas dilettantische Dienste als Stützen vor die Wände gesetzt. Unter der neuen Last wichen die Mauern des Fundaments im weichen Innlehm ein erstes Mal aus.

Kirche wurde oft umgebaut und nahm regelmäßig Schaden

Auch im Barock wurde es nicht besser, als die gotischen und für die Statik sehr wichtigen Kreuzrippen einfach abgeschlagen wurden. Sie passten nicht ins barocke Bild, also weg damit. Vor die Dienste wurden Pfeiler gemauert, das Mauerwerk litt weiter und kippte langsam auseinander.

Neue Einrichtungsgegenstände wurden hereingebracht. Der Georgsaltar vermutlich aus St. Nikolaus, gestiftet von der Brauerfamilie Franz Heindl eine anrührende Anna-Selbstdritt, oder ein Heiliger Sebastian aus der Spätrenaissance, über den Waldmann sagt: „Keiner weiß, woher er kommt“. Wiederentdeckt wurde die Figur des Märtyrers bei der Renovierung. Er lag verdreckt und auch ein wenig vergessen hinter dem Hochaltar. Die Deckenfresken erzählen jetzt in strahlenden Farben vom Leben der Patronin.

Versuch, die Kirche zu stabilisieren, misslang meist

„Bei allen Sanierungen der letzten Jahrzehnte wurde versucht, die Kirche zu stabilisieren“, erzählt Waldmann. Gelungen dürfte dies aber erst jetzt, im 21. Jahrhundert sein. Statiker mussten ihr ganzes Können zeigen, um St. Katharina neuen Halt geben.

Der Projektleiter beim Staatlichen Bauamt, Bert Windhör, hofft, das mit der Sanierung das jahrhunderte alte statische Problem der Kirche gelöst ist. „Zur Wiederherstellung der Standsicherheit wurde das Gewölbe mit stählernen Zugbändern verschraubt“, beschreibt er die Arbeiten. „Das verhindert das Auseinanderdriften.“ Das Mauerwerk sei mit eingebohrten Zugankern soweit stabilisiert worden, dass die Last gleichmäßig auf das Fundament übertragen werde. „Dadurch konnten weitere Eingriffe in den Boden weitgehend vermieden werden.“

Anker stören den Gesamteindruck, sind aber statisch unvermeidbar

Die Anker findet Waldmann jetzt nicht ganz so schön, als dünne weiße Metallstäbe durchziehen sie den lichten Raum. Um so besser gefällt ihm die Orgelempore, die von hässlichen Einbauten befreit als filigrane Holz-Konstruktion der ganzen Kirche eine neue Raumwirkung gibt.

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Dort steht die Orgel, das vermutlich späteste Ausstattungsstück der Kirche. Wohl ein Werk der Österreichischen Orgelbauer Mauracher, ein kleines Instrument irgendwann zwischen 1850 und 1860 gebaut. Spielbar war sie schon lange nicht mehr, Holzwurm und Rost hatten ganze Arbeit geleistet.

Verein ließ Orgel restaurieren

Sie hat nur vier Register mit und ein Basswerk, 243 Pfeifen, ein Manual und das Pedal zum Spielen. 35 000 Euro hat die Sanierung den Förderverein gekostet. Organist Bachmann freut sich über den alten Klang, der wieder so klar ertönt. Die Orgel, Streicher oder Chöre, sie sollen die Kirche in den nächsten Jahren zum Leben erwecken, ein Zentrum für Musik. „Ich könnte mir auch vorstellen, dass es eine beliebte Hochzeitskirche wird“, sagt Waldmann vom Förderverein. „So schön, wie sie jetzt ist.“

Michael Bachmann durfte der neuen alten Orgel die ersten Töne entlocken. Orgelbauer Andreas Kiss ist mit seiner Arbeit zufrieden.

Und dann lächelt er wieder, wie er es oft tut, wenn er durch St. Katharinen geht, und ausgiebig erklärt, warum die Heilige der Zahnleidenden links oben auf dem Altar steht oder in einem Eckchen noch ein Teil des alten romanischen Kircheneingangs durchspitzt.

Ambo, Kerzentisch werden neu gemacht

Zeichen, für die lange Geschichte der Kirche, wie Projektleiter Windhör sagt. „An kaum einer anderen Kirche lässt sich die bauhistorische Entwicklung des Sakralbaus, im Kulturraum des südostbayerischen Voralpenlandes, so gut ablesen: Insgesamt hat das Bauwerk etwa acht wesentliche Umbau- und Erweiterungsphasen erlebt.“

Neue Ausstattungselement von zeitgenössischem Künstler

Die betrafen diesmal nicht nur das Innere. An der Außenfassade mussten die Sanierungsarbeiten besonders vorsichtig ausgeführt werden, um die teilweise noch intakte Substanz zu erhalten. Im Dach und Dachstuhl wurden schadhafte Balkenteile entfernt und ersetzt, anschließend das Dach neu gedeckt. „Dabei konnten einige der fast 550 Jahre alten, Holzbalken erhalten werden“, sagt Windhör.

Mit der Sanierung geht die Baugeschichte der Katharinenkirche aber nicht zu Ende, denn das Gottenshaus bekommt ganz neu die Ausstattungsteile, die ihm derzeit fehlen: Der Bildhauer Matthias Larasser-Bergmeister aus Ebersberg bringt Ambo, Priestersitze und Opferkerzentisch neu in die Kirche.

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