Gemeinsame Champions-League-Feier

Mühldorfs Bürgermeister feiert Bayernsieg mit AfD-Leuten: Fanclub spricht von manipuliertem Foto

Feierten zusammen den Bayernsieg: Bürgermeister Michael Hetzl (UM, links) und Bezirksrat Martin Wieser (AfD).
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Feierten zusammen den Bayernsieg: Bürgermeister Michael Hetzl (UM, links) und Bezirksrat Martin Wieser (AfD).
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl hat das Champions League-Finale beim Mühldorfer Bayern-Fanclub angeschaut. Dabei entstand ein Foto, das ihn zusammen mit AfD-Kreisvorsitzenden Multusch und AfD-Bezirksrat Wieser zeigt. Das Foto löste eine Kontroverse aus – und hat möglicherweise ein Nachspiel.

Update 27. August

Foto verfälscht? Bayern-Fanclub droht mit Klagen

Der Bayern-Fanclub „De rodn Muidoafa“ hat den Besuch von Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl während des Finales der Fußball-Champions-League verteidigt. Es sei die dritte Einladung an den Bürgermeister gewesen, diesmal habe er Zeit gehabt, sagte Vorsitzender Franz Springer. Als Vorsitzender des Fanclubs habe er entschieden, Hetzl zum Ehrenmitglied zu ernennen. Springer betonte, der Fanclub habe das Fest ausgerichtet, es sei keine Veranstaltung der AfD gewesen.

Der Fanclub hatte das heftig diskutierte Foto von der Facebookseite des Vereins genommen, das Bürgermeister Hetzl unter anderem mit den AfD-Mitgliedern Martin Wieser und Oliver Multusch zeigt. Springer sprach von „Fälschungen“, die auf Facebook verbreitet würden. „Wir haben es runtergenommen, weil es manipuliert wurde.“ So seien nur Hetzl, Wieser und Multusch auf dem Foto zu sehen, er und eine weitere Besucherin rausgeschnitten worden.

Kritik: Mühldorfer Bürgermeister hat zu wenig Distanz zur AfD

Dagegen werde der Fanclub Anzeige erstatten, andere hätten das bearbeitete Foto von ihren Seiten wieder entfernt. Fanclub-Vorsitzender Springer hatte zunächst auf die Anfrage der OVB-Heimatzeitungen über Facebook-Messanger nicht geantwortet.

Die Heimatzeitung darf das Foto aus rechtlichen Gründen nicht veröffentlichen. Er erklärte, dass er die Nachricht weder am Dienstag noch am Mittwoch gelesen habe. Kritiker hatten Hetzl vorgeworfen, das Foto zeige, dass Mühldorfs Bürgermeister zu wenig Distanz zur AfD habe.

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Die Erstmeldung vom 26. August

Mühldorf – Für heftige Diskussionen auf Facebook sorgt ein Foto, das Mühldorfs Bürgermeister Michael Hetzl (UM) zusammen mit führenden AfD-Mitgliedern aus dem Landkreis zeigt. Aufgenommen wurde es auf dem Hof von AfD-Bezirksrat Martin Wieser in Oberneukirchen, wo die Mitglieder des Bayern-Fan-Clubs „De rodn muidoafa“ am Sonntag das Finale der Fußball-Champion-League zwischen Bayern München und Paris Saint Germain verfolgten.

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Hetzl war dabei – auf der Internetseite des Fanclubs als „Überraschungsgast“ angekündigt – und wurde zum Ehrenmitglied ernannt. Dabei entstand ein Selfie, das den Bürgermeister zusammen mit dem Clubvorsitzenden Franz Springer, AfD-Kreisvorsitzendem Oliver Multusch, Gastgeber Wieser und dessen Frau zeigt.

Der Fanclub veröffentlichte das Foto auf seiner Internetseite, von dort verbreitete es sich schnell im Netz. Er wurde dutzende Male geteilt, hundertfach kommentiert und löste eine heftige Diskussion aus.

Mühldorfer Bürgermeister hat Kritiker, aber auch Verteidiger

Dabei trafen sich Kritiker und Verteidiger des Bürgermeisters: „Jungs, lasst doch mal die Kirche im Dorf. Da ging es um Fußball und nicht um Politik“, schreibt einer. „Der Verein hat viele prominente Mitglieder. Müssen die jetzt austreten, weil Multusch und Co. dabei sind? Was soll der Käse“, meint ein anderer.

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Auch die Kritiker finden klare Worte: „Der Freie Wähler Bürgermeister mit seinen AfD-Freunden. Hat Mühldorf nicht verdient. Eine eindeutige Abgrenzung von der AfD sieht anders aus.“ Oder: „Best Buddy mit der AfD, hoffentlich schämen sich grad ein paar Wähler. Er tut’s ja offensichtlich nicht.“

Auch „Die Partei“ teilte es auf ihrer Facebook-Seite und kommentierte unter der Überschrift „Hetzer und Hetzl“: „Wird aus verstecktem Opportunismus nun endlich Sympathie?“ Hetzl reagierte nur wenige Minuten nach Veröffentlichung des Posts und drohte den Vertretern der Satirepartei eine Klage an, sollte sie das Foto nicht löschen. Das tat „Die Partei“ nur 15 Minuten später, wie Kreisvorsitzender Bernhard Maurer bestätigt.

Hetzl droht mit Klage gegen „Die Partei“

Das Foto von Hetzl, Multusch, Wieser und Springer verschwand aber nicht nur von der Seite der „Die Partei“.

Hetzl sagt dagegen: „Als Bürgermeister einer Stadt ist es normal, dass man Vereine in der eigenen Stadt unterstützt.“ Der Fanclub, der ihn eingeladen habe, sei ein engagierter Verein, der auch im sozialen Bereich nicht zuletzt durch Spendenaktionen tätig sei. Deshalb sieht Hetzl trotz des Fotos keine Gefahr der Vereinnahmung durch die AfD: „Es handelte sich um eine Veranstaltung des Fanclubs.“

Partei prüft neuen Post des Hetzl-Fotos

Mit der Klagedrohung gegen „Die Partei“ will er sich von „der Nazisprache in deren Post“ distanzieren. „Ich lasse mich nicht so verunglimpfen“, erklärte er.Vom Tisch ist der Post damit aber noch nicht, „Die Partei“ will ihn prüfen und gegebenenfalls wieder online stellen.

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