Corona-Lockdown

Friseure auf im Februar! Forderung der Mühldorfer Innung sehen einige aus der Branche kritisch

„Ich bin da hin- und hergerissen“, sagt Heike Zepter, die einen Friseursalon in Mühldorf betreibt, zu der Forderung der Kreishandwerkerschaft, die Läden wieder aufzumachen. Zepter, hier mit der kleinen Hannah Spiller bei einem Termin vor dem Lockdown, fürchtet, dass viele Kunden auch dann wegblieben.
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„Ich bin da hin- und hergerissen“, sagt Heike Zepter, die einen Friseursalon in Mühldorf betreibt, zu der Forderung der Kreishandwerkerschaft, die Läden wieder aufzumachen. Zepter, hier mit der kleinen Hannah Spiller bei einem Termin vor dem Lockdown, fürchtet, dass viele Kunden auch dann wegblieben.
  • vonUrsula Huckemeyer
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Die Haare der Kunden werden immer länger, die finanziellen Sorgen der Friseure auch. Die Innung Mühldorf- Altötting fordert deshalb die schnelle Öffnung der Frisier-Salons im Februar. Nicht alle Friseure teilen diese Forderung uneingeschränkt.

Mühldorf/Waldkraiburg – Nicht nur den Kunden, auch den Friseuren stehen mittlerweile die Haare zu Berge. Die heimische Kreishandwerkerschaft macht daher mobil. Sie schickte eine Pressemitteilung los in der unter anderem Folgendes zu lesen ist: Der zweite Lockdown und die damit verbundenen Umsatzeinbrüche vor allem auch im Weihnachtsgeschäft führen endgültig zu einer Existenzbedrohung vieler Friseurbetriebe. Ein Infektionsfall, der seinen Ausgangspunkt in einem heimischen Friseursalon genommen hat, sei bis heute nicht bekannt.

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Die einen fordern schnelle Öffnungen...

Viele Friseure verstehen die Welt nicht mehr. Auch Helga Wimmer, Kreishandwerksmeisterin und Obermeisterin der Friseurinnung Altötting-Mühldorf, geht es nicht anders. Sie spricht zudem von einer blühenden Schattenwirtschaft durch Reisegewerbe und Schwarzarbeit. Es werde in Kellern und Hinterzimmern wie wahnsinnig geschnitten, gefärbt und frisiert. Da sei nicht hinnehmbar. Ebenso würde es an Corona-Hilfen haken, die gar nicht oder nur spät greifen würden. „Wir leben vom Eingemachten“, sagt Wimmer.

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Die Kreishandwerkerschaft fordert daher für die ihr angeschlossene Friseurinnung die Corona-Maßnahmen so schnell wie möglich zu korrigieren. Nach Vorstellung der Obermeisterin sollen im Februar die Scheren wieder klingen. Obwohl es nicht Vorschrift sei, würden bestimmt viele Kolleginnen und Kollegen mit FFP 2 Masken arbeiten.

Heike Zepter, die in Mühldorf ein Friseurgeschäft betreibt, sieht zu frühe Öffnungen dagegen skeptisch. „Ich bin da hin und hergerissen, denn die Kunden sind aufgrund der Krise sowieso zurückhaltender geworden Meine Kollegin musste ich bereits im November in Kurzarbeit schicken, weil immer wieder Termine abgesagt wurden“.

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...die anderen sind skeptisch

Die Friseurmeisterin orientiert sich an der Inzidenz und betont: „Wenn die Zahlen tatsächlich deutlich abnehmen dann könnte ich mir eine Öffnung im kommenden Monat vorstellen“. Schwarzarbeit ist für die Geschäftsinhaberin hingegen völlig inakzeptabel. „Diese Leute nehmen uns die Arbeit weg“. Zepter wundert sich darüber mit welch frischer Haarpracht manche Sportler und Politiker daher kommen.

Mit den Corona-Hilfen steht die Salonchefin ebenfalls auf Kriegsfuß. Sie beklagt: „Die Dezemberhilfe konnte mein Steuerberater erst letzte Woche beantragen, da es vorher kein entsprechendes Programm gab. Da läuft das Geschäftskonto schnell ins Minus hinein“.

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Pierina Savo, Inhaberin eines Friseursalons in Waldkraiburg meint, ihre Branche habe doch alles menschenmögliche für ein gut funktionierendes Hygienekonzept getan. „Wir haben unsere Kunden und uns selber geschützt. Trotzdem mussten wir Mitte Dezember zusperren, das ist schwer zu begreifen.“

Viele sind trotzdem gut frisiert

Die Friseurmeisterin steht einer Öffnung im Februar positiv gegenüber. Sie glaubt ihre Kunden warten sehnlichst auf einen Termin. „Wir schneiden oder färben ja nicht nur die Haare. Friseure sind auch Therapeuten. Uns wird viel anvertraut. Wir sind gut für die Seele der Menschen die zu uns kommen“, sagt Savo, die sich ärgert, dass es unter den Friseuren schwarze Schafe gibt, die die momentane Lage ausnützen und verbotenerweise Dienstleistungen anbieten würden. Was der Geschäftsfrau noch sauer aufstößt: Top gestylte Sportler im Fernsehen. „Wenn ich einen akkurat geschnittenen Hinterkopf sehe dann weiß ich, das können Mann oder Frau nicht selbst gemacht haben“.

Berufsschule lernt voraus

An der Berufsschule in Altötting lernen derzeit 61 Jugendliche aus den Landkreisen Mühldorf und Altötting die Grundlagen, um als Frisörinnen und Frisöre tätig sein zu können. Trotz der derzeitigen allgemeinen Schulschließungen läuft der Unterricht nach Angaben von Schulleiter Carlo Dirschedl weiter: „Seit Ende März 2020 fiel kein einziger Berufsschultag bei den Friseuren aus“, betont er. Je nach den jeweils geltenden Regeln im Wechsel-, im Hybrid- oder im Distanzunterricht, streng nach Stundenplan, bis zu neuen Stunden am Tag.

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Alle Friseurlehrlinge können laut Dirschedl dank des Landkreises Altötting die Microsoft-Office Produkte kostenlos nutzen, zur Kommunikation stünde MS Teams zur Verfügung. „Friseurlehrline, die kein eigenes Notebook haben, bekommen kostenlos und unkompliziert Leihgeräte, beschafft vom Landkreis und gefördert aus Bundesmitteln.“

Derzeit arbeite die Schule voraus, sagt Dirschedl: „Aktuell holen wir Berufsschultage vor, damit wir den Friseurbetrieben entgegenkommen können, wenn sie wieder öffnen dürfen und ihre Auszubildenden im Betrieb noch mehr brauchen als sonst.“ Das bedeute für alle einen großen Zusatzaufwand. hon

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