Aus dem Gerichtssaal

Lkw-Fahrer angeklagt: Kollege starb bei Rettungsaktion in Maitenbeth

  • Karlheinz Jaensch
    vonKarlheinz Jaensch
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Ein Lkw-Fahrer steht wegen fahrlässiger Tötung vor dem Mühldorfer Amtsgericht: Eine direkte Schuld ist aber nicht nachweisbar, auch der Gutachter kann kein Licht ins Dunkel bringen. Am Ende des Prozesses herrschte allerdings Einigkeit.

Mühldorf – Mit einem tragischen Fall kameradschaftlicher Hilfeleistung hatte sich das Mühldorfer Amtsgericht unter Leitung von Richter Florian Greifenstein zu Wochenbeginn zu befassen. Die Aufklärung des Sachverhalts wurde dadurch nicht erleichtert, dass der Angeklagte zu dem Vorfall keinerlei Angaben machte.

Kipper war in einer Mulde steckengeblieben – das Unglück nahm seinen Lauf

Das Unglück ereignete sich am Montag, 20. Mai, 2019 gegen halb neun Uhr Vormittag in einer Kiesgrube in Maitenbeth. Ein schwerer LKW war beim Entladen seines Kippers in einer Mulde steckengeblieben und konnte sich selbstständig nicht mehr aus der misslichen Lage befreien. Da kam, ebenfalls mit einem Lastwagen, der Angeklagte Karl S. (Name von der Redaktion geändert) in die Grube und die beiden Fahrer beschlossen, mit dem LKW des Angeklagten das andere Fahrzeug zu bergen.

Beide Fahrzeuglenker galten als Profis

Beide Kollegen derselben Firma waren langjährige Fahrer. „Profis“, wie sie Rechtsanwalt Martin Koppe mehrmals bezeichnete. „Und diese Profis wussten genau, dass man so eine Aktion nur gewissenhaft mit genauen Einweisungen ausführen kann“, versicherte der Verteidiger. Dennoch kam es dann bei diesen Profis zu einem tödlichen Unfall, was Staatsanwältin Renate Gaßner dazu veranlasste, gegen Karl S. wegen fahrlässiger Tötung zu ermitteln und ihn anzuklagen.

Auf matschigem Boden ausgerutscht?

Aus den Berichten und dem Bildmaterial von Polizei und Ärzten wurde das Unglück im Saal 116 des Mühldorfer Amtsgerichts noch einmal aufgerollt. Mit einer nur etwa zwei Meter langen Schlaufe beabsichtigte S., mit seinem LKW den havarierten LKW aus der Mulde ziehen. Dazu drehte er um und fuhr rückwärts an das Fahrzeug des Kollegen.

Angeklagter soll sich strikt an die Signale des Einweisers gehalten haben

Der Rechtsbeistand versicherte, dass Karl S. zum Fahren den „weichen“ Rückwärtsgang eingeschoben hatte und auf die Signale des Einweisers achtete.

Dennoch geriet das Opfer so zwischen die beiden LKWs, dass er praktisch erdrückt wurde. Rechtsanwalt Koppe betonte wiederholt, sein Mandant habe auf die Einweisungen geachtet.

Auch Gutachter konnte Ursache des Unfalls nur mutmaßen

Der Gutachter für Verkehrsunfälle, Diplom-Ingenieur Frank Schmidinger, der den Unglücksfall untersucht und reichlich dokumentiert hatte, konnte in dem weichen Erdboden die Anhaltestellen und Fahrstrecken des „Helferfahrzeuges“ während des Bergevorgangs exakt bestimmen. Auch welche Autoteile zur tödlichen Verletzung geführt hatten, nannte er. Aber wie genau der Verunfallte zwischen die LKWs geraten war – das konnte auch er nur mutmaßen.

Richter schließt nicht aus, dass das Opfer gestolpert sein könnte

Rechtsanwalt Koppe schloss nicht aus, dass das Opfer plötzlich spontan und mutwillig die Schlaufe einhängen wollte, bevor er es dem Fahrer signalisierte.

Richter Florian Greifenstein wollte nicht ausschließen, dass der vom Gutachter erwähnte „finale Sprung“ des Opfers auch ein Stolpern gewesen sein könnte, da der Boden am Ort sehr matschig gewesen sein soll.

Auf Einstellung des Verfahrens geeinigt

Staatsanwaltschaft und Verteidigung einigten sich auf Vorschlag des Richters auf eine Einstellung des Verfahrens, die nach Zahlung einer Geldauflage von 2000 Euro rechtskräftig werden soll. In den vorausgegangenen oft hitzigen Debatten war dem Angeklagten eine Schuld nicht direkt nachgewiesen worden.

Rubriklistenbild: © Karl-Josef Hildenbrand/dpa

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