Gummihandschuhe statt Tomatenabfall - Firma entsorgt unzulässiges Material bei Polling

In der Morgendämmerung nahm der Jagdpächter das Foto von den Entsorgungsarbeiten auf dem Feld auf. Privat
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In der Morgendämmerung nahm der Jagdpächter das Foto von den Entsorgungsarbeiten auf dem Feld auf. Privat

Die Firma Reichenspurner muss sich auf ein Ordnungswidrigkeitsverfahren einstellen, weil sie unzulässiges Material auf einem Feld bei Polling entsorgt hat. Das Landratsamt Mühldorf bestätigte jetzt entsprechende Hinweise von Pollingern. Der Gemüsebauer spricht von einem Versehen.

Polling – Jetzt haben sich die Beobachtungen eines Jagdpächters offiziell bestätigt, nach denen die Firma Reichenspurner auf einem Feld im Hirschbachtal bei Bergham Material unzulässigerweise abgelagert hat. Im Juli noch hatte das Landratsamt Mühldorf keinen Grund zum Handeln gesehen, jetzt ist es doch tätig geworden und hat ein Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Verbotenes Material wieder entsorgt

Der Jagdpächter hatte auf dem Feld Einweghandschuhe und Wickelmaterial gefunden, das zusammen mit Produktionsresten aus der Gemüseplantage der Firma Reichenspurner durch ein Entsorgungsunternehmen abgelagert worden war. Der Jagdpächter informierte damals nach eigenen Angaben die Firma Reichenspurner, die nach seiner Aussage Einweghandschuhe und Wickelfolien wieder entfernen ließ. Später seien erneut Bindematerial und Drahtbügel auf das Feld geworfen worden.

Gehäckseltes Anbindematerial, Einweghandschuhe und Drahtbügel hat der Jagdpächter nach eigenen Angaben auf dem Feld im Hirschbachtal gesammelt.

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Auch ein Landwirt stellte bei einer Begehung Material fest, das keineswegs biologisch abbaubar war. Bei einer Begehung mit dem Landratsamt dann Entwarnung: Die Vertreter der Behörde sahen keinen Anlass, gegen die Ablagerung vorzugehen. Auf Anfrage der Heimatzeitung erklärte eine Sprecherin des Landratsamts damals, dass „die Ablagerung von Art und Menge unbedenklich“ und „überwiegend biologisch abbaubar“ sei. Das Landratsamt berief sich auf die Erlaubnis des Landwirtschaftsamts, nach der biologisch abbaubare Abfälle aus der Gemüseproduktion entsorgt und in den Boden eingearbeitet werden durften.

Landratsamt prüft Verfahren

Jetzt muss sich der Betreiber der Gewächshäuser, aus denen der Abfall stammt, laut Landratsamt trotzdem auf ein Ordnungwidrigkeits verfahren einstellen. Die Behörde wirft der Firma nämlich knapp vier Wochen nach der ersten Begehung vor, Steinwolle und Plastikhandschuhe auf dem Feld entsorgt zu haben. Reichenspurner hat laut Landratsamt „neben geringen Mengen an Karton, kleinen Metallklammern, nachweislich als biologisch abbaubar zertifizierten Tomatenschnüren und -klammern auch Steinwolle ausgebracht wurde. Ebenfalls mitausgebrachte Teile von Einweghandschuhen waren zu diesem Zeitpunkt bereits vom Feld abgesammelt worden“, hieß es auf Anfrage in dieser Woche.

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Hinweise auf die Steinwolle habe es erst nach der Begehung durch den Bund Naturschutz und das Amt für Landwirtschaft gegeben. „Die Reste von Gummihandschuhen wurden von Mitarbeitern der Firma Reichenspurner nach dem gemeinsamen Ortstermin abgesammelt, jedoch bevor uns bekannt wurde, dass auch noch Steinwolle aufgebracht worden war“, rechtfertigt das Landratsamt seine damalige Entscheidung, den Müll für unbedenklich zu erklären.

„Wir sind keine Ganovenfirma“

Nach Aufforderung durch das Landratsamt habe die Firma Reichenspurner die Abfälle am 13. August entsorgt. Unternehmer Peter Reichenspurner will von entsorgtem Müll nichts hören. „Das war kein Müll“, betont er. Reichenspurner gibt zu, dass „vielleicht mal ein Gummihandschuh reingefallen“, das aber aus Versehen und keinesfalls vorsätzlich geschehen sei. „Das kann bei so großen Mengen immer mal vorkommen. Wir sind keine Ganoven.“

Das Hauptproblem sei, dass sein Unternehmen den Abfall nicht zunächst zwei oder drei Monate kompostiert und erst danach auf dem Feld ausgebracht habe. Dann würden nämlich zum Beispiel auch die sehr feinen Stahlklammern zerfallen.

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