Gumattenkirchen wächst – wie weiter? Gemeinde reagiert auf Vorwürfe fehlender Transparenz

Das Herz von Gumattenkirchen schlägt im Zentrum, wo sich das Gasthaus Erich Spirkl, das Lebensmittelgeschäft Elfi Multerer (beide links) und die Kirche St. Rupert befinden. Kretschko
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Das Herz von Gumattenkirchen schlägt im Zentrum, wo sich das Gasthaus Erich Spirkl, das Lebensmittelgeschäft Elfi Multerer (beide links) und die Kirche St. Rupert befinden. Kretschko

Über 100 Besucher bei der Infoveranstaltung: Krämer, Gasthaus, Vereinsheim – was den Bürger zur Zukunft des Ortsteils am meisten bewegt.

Gumattenkirchen – In einem Brief, in deren Namen sich Anton Sabold und Alexander Nolli Anfang Juli dieses Jahres an Mettenheims Bürgermeister Stefan Schalk gewandt hatten, kritisierten die Autoren die von der Gemeinde in die Wege geleitete bauliche Entwicklung ihres Dorfes. Mangelhafte Information werfen sie der Gemeinde vor und die fehlende Einbeziehung der ortsansässigen Bevölkerung. 160 Gumattenkirchener haben dieses Schreiben unterzeichnet.

Und Bürgermeister Stefan Schalk hat reagiert: Neben einer detaillierten Antwort des Gemeindeoberhauptes an die Urheber des Briefes wurde nun zu einer Infoveranstaltung ins Gasthaus „Kreuzer“-Wirt eingeladen. 100 Teilnehmer – in der Mehrzahl „Gumaringer“, alle Mettenheimer Gemeinderäte inklusive der drei Bürgermeister – sind gekommen, um zweieinhalb Stunden lang die Entwicklung des Ortsteils zu diskutieren.

Nicht immer gelang das mit sachlichen Argumenten, mitunter uferten Dialoge aus oder die Diskussion drehte sich im Kreis. Trotzdem schien die Auseinandersetzung notwendig. Denn zeigte sie auch, mit wieviel Herzblut die Bürger für die Zukunft ihres Heimatorts kämpfen.

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Mitspracherecht bei Zentrumsbebauung

Gerade auf die Erhaltung der ländlichen Struktur des Ortskerns von Gumattenkirchen legte der Gemeinderat bei der Aufstellung des Bebauungsplanes für den Gilnhammerhof (Girmer Hof) im Juni 2019 besonderen Wert. Er breitete sogar noch eine zwei Jahre gültige Veränderungssperre über das Gebiet, damit die Bebauung gut durchdacht und nicht etwa durch einen Bauträger mit großen Häusern oder Blocks zugebaut werden kann.

Wie Bürgermeister Schalk dazu informierte, verhandelte die Gemeinde mit verschiedenen Ämtern, etwa wegen des inzwischen genehmigten Stadlabrisses, beriet mit Grundstückseigentümern, Bauträgern und Architekten die Bebauung des künftigen Wohngebiets „Zentrum“ mit seinen sieben bis acht Bauparzellen. Mit drei von der Buchbacher Architektin Christa Schwarzmoser stammenden Planungsvarianten im Gepäck trat der Bürgermeister an diesem Abend den Kritikern an der Infopolitik der Gemeinde entgegen und versicherte: „Mit dem Bebauungsplan ist noch nichts bebaut oder verkauft!“ Erst nach der Verbriefung des Grunds werde die Bevölkerung üblicherweise informiert, legten die Gemeinderäte nach.

„Isner Feld“ nicht überdimensioniert

Um trotzdem den guten Willen zu mehr Transparenz zu beweisen und künftig die Meinung der Bürgerschaft verstärkt zu berücksichtigen, schlug das Gemeindeoberhaupt eine konstruktive Zusammenarbeit in Form eines bis Ende Oktober zu bildenden Ideen-Workshops oder Arbeitskreises vor.

Bei dem einerseits als „zu überdimensioniert“ und andererseits als „zu eng“ von mehreren Gumaringern kritisierten Baugebiet 17 „Isner Feld“, bei dem die Erschließungsarbeiten für 22 Wohnhäuser laufen, ging es gleichfalls um die angeblich mangelnde aktive Einbindung der örtlichen Bevölkerung im Vorfeld.

Einsicht verweigert?

Dabei stellte die Gemeinde das Bauvorhaben auf den Bürgerversammlungen 2017/2018 gesondert vor, machte den Beschluss des Gemeinderats über die Aufstellung des Bebauungsplans und die Satzung wie sonst auch auf Anschlagtafeln, im Mitteilungsblatt der Gemeinde, auf ihrer Webseite und in der Lokalpresse öffentlich. Zudem bot sie den Bürgern die Möglichkeit für Einwendungen und Anregungen, allerdings ergebnislos.

Im Raum stehen bleiben musste der nicht mehr nachprüfbare Vorwurf der Gumattenkirchener Bürgerinitiative, ihr sei seinerzeit die Einsicht in Pläne durch einen Gemeindemitarbeiter verweigert und die für April 2018 geplante Bürgerversammlung zu diesem Thema abgesagt worden.

Der Kritik einer Überdimensioniertheit widersprach Schalk, der den ungebremsten Ansturm auf bezahlbare Baugrundstücke vor allem seitens junger Familien erst jüngst bei der Vergabe für das Mettenheimer „Künstlerviertel“ miterlebte. Die Grundstücke in Gumattenkirchen hätten mit circa 550 Quadratmeter eine gängige Größe, erklärte er, und unterschieden sich in ihrer Straßenanbindung nicht von anderen Baugebieten.

Kläranlage reicht trotz Neuzuzug

Bei Fragen nach dem Verkaufspreis der Grundstücke und Vergabemodus hielt sich Schalk bedeckt, wollte er doch nicht den Beschlüssen des Gemeinderates vorgreifen. Im Interesse eines guten Miteinanders regten die Bürger an, ähnlich wie bei der Kramer-Siedlung, die Grundstücke an eine „gesunde Mischung“ von Einheimischen und Auswärtigen zu vergeben.

Die Befürchtung, dass die derzeit von 133 Leuten genutzte örtliche Kläranlage mit der in den kommenden Jahren auf circa 223 Einwohnern anwachsenden Bevölkerung überfordert sein könnte, zerstreute der Bürgermeister. Nach seinen Angaben ist die Anlage für 330 Einwohner gleichwertig ausgelegt.

Heimat für Vereine und Nahversorger

Ginge es nach den jetzt rund 300 Gumattenkirchner Einwohnern sollte neben der Planung neuer Neubaugebiete dringend neuer Raum für ortsansässige Vereine und Gruppen geschaffen werden. Die treffen sich gegenwärtig noch im Gasthaus „Spirkl“, das donnerstags und sonntags zwei Stunden sowie zu besonderen Anlässen öffnet. Die schon früher angedachte Ausweichmöglichkeit „Feuerwehrhaus“ kommt ohne Um- und Anbau unter anderem schon wegen der Auerhahn- Schützen nicht in Frage, weiß der Bürgermeister. Der scheut die hohen Kosten und den schwierig zu organisierenden ehrenamtlichen Betrieb (siehe Dorfladen) für ein neu zu errichtendes Bürgerhaus nach Rattenkirchener Modell.

Bald Probleme mit Nahversorgung?

Probleme ergäben sich über kurz oder lang auch bei der Nahversorgung, klagten die Gumattenkirchner, die derzeit im Lebensmittelgeschäft der 71-jährigen Elfi Multerer gut versorgt werden. Müsste jedoch einmal ein Nachfolger Pacht und Verkäufer bezahlen, rechnet sich das nicht mehr. Mit Blick auf die zu erwartende, stark anwachsende Einwohnerzahl sieht Anton Sabold die Lösung in der Neuansiedlung eines Bäckers, wie das anderswo schon praktiziert wird.

Ableitung des Niederschlagswassers

Grundsätzliche Befürchtungen hegten die Gumattenkirchener Versammlungsteilnehmer, was die ausreichende Ableitung des Niederschlagswassers – besonders bei Starkregen – betrifft. Mit den neuen Wohngebieten könnte sich ihrer Meinung nach die Situation verschärfen.

Robert Behringer vom gleichnamigen Mühldorfer Ingenieurbüro mühte sich, die Bewohner durch detaillierte Erklärung des Entwässerungsplans für das Baugebiet 17 „Isner Feld“ zu beruhigen. So erklärte er, dass der Niederschlag durch einen Regenwasserkanal in ein ausreichend großes, bis 300 Kubikmeter fassendes Rückhaltebecken eingespeist und darüber hinaus ein kontrollierter Übergang auf die Straße nach Au erfolgen werde.

Das Thema wurde schier endlos diskutiert, weshalb der Fachplaner eine kleine Gruppe der Bürgerinitiative zur erneuten Einsicht in die Planungsunterlagen in sein Büro einlud.

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