Günther Starzengruber gibt sein Amt als Feuerwehrkommandant in Mühldorf auf

Abschied vom Komando-Fahrzeug: Feuerwehrchef Günther Starzengruber gibt sein Amt Ende Februar auf. Honervogt

Nach 21 Jahren an der Spitze der Freiwilligen Feuerwehr Mühldorf gibt Günther Starzengruber sein Amt auf. Er will zwar weiter als Feuerwehrmann aktiv sein, die Verantwortung für die ganze Wehr aber in jüngere Hände legen. Denn mit über 50 steckt man nicht mehr alles so einfach weg.

Mühldorf – Es ist ruhig auf dem Gelände der Freiwilligen Feuerwehr Mühldorf, Kommandant Günther Starzengruber ratscht im offenen Hallentor stehend mit Gerätewart Klaus Penzenstadler. Nur wenige Stunden zuvor ging es hier wesentlichhektischer zu, ein Rauchmelder in einer Altstadtwohnung hatte angeschlagen, eine Meldung die die Mühldorfer Wehr stets in Höchstalarm versetzt.

Denn der Einsatz am Vormittag zeigt: Die Altstadt ist und bleibt das größte Sorgenkind der Mühldorfer Feuerwehr. Die alte Bausubstanz, das enge Aufeinander der Häuser, viel Holz, Brandmauern, über deren Zustand niemand etwas weiß: Ein Brand am Stadtplatz könnte verheernde Folgen haben.

Viel Rauch, wenig passiert

An diesem Morgen aber handelt es sich nur um ein verkohltes Essen auf einem nicht ausgeschalteten Herd in einer verschlossenen und leeren Wohnung. Die Feuerwehr birgt das Essen, schaltet den Herd ab, bläst den Rauch aus der Wohnung. Viel Rauch – wenig passiert, folgert Starzengruber erleichtert.

Einen Teil dieser Sorge um die Stadt will Starzengruber Ende des Monats abgeben, wenn er sein Amt als Kommandant niederlegt. Nach 21 Jahren ist es für den XXX jährigen Zeit, die Führung der Wehr in jüngere Hände zu legen. Die lange Amtszeit, das fortgeschrittene Feuerwehralter – „mit über 50 steckt man nicht mehr alles so weg“ –, die Hochzeit im vergangenen Jahr: Das sind Starzengrubers Gründe, aus der ersten Reihe zurückzutreten.

Dort stand er beim Hochwasser 2005 in Mühldorf oder der Hochwasserkatastrophe in Simbach. Bei schweren Bahnunfällen oder dem großen Wohnungsbrand in der Mühldorfer Innenstadt vor einigen Jahren. „Einsätze, nach denen man etwas Erholung braucht.“ Körperlich, aber oft auch seelisch.

Dazu kam die Verantwortung für derzeit 53 Aktive und 17 Jugendliche, für deren Sicherheit und Ausbildung, für die Motivation der Ehrenamtlichen. Deren Zahl hat sich seit den 1990er Jahren halbiert, der hohe zeitliche Aufwand schreckt heute viele ab, weiß Starzengruber. „Das System der Freiwilligkeit stößt immer wieder an ihre Grenzen.“

Keine Alternative zum Ehrenamt

Zwei Abendübungen in der Woche, manchmal auch am Wochenende, dazu Einsätze, die Belastung ist hoch. Auch für die Familien und die Arbeitgeber im Landkreis. Mit denen ist Starzengruber sehr zufrieden, nicht nur mit den Vorzeigefirmen wie ODU, wo die meisten der Feuerwehrler arbeiten. Auch kleinere Betriebe und Selbstständige stellten Feuerwehrleute ohne Probleme frei. Mit derzeit 17 Jugendlichen will die Mühldorfer Wehr dem Nachwuchsmangel beikommen.

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Eine Alternative zum ehrenamtlichen Feuerwehrdienst sieht der scheidende Kommandant nicht. Die Kosten für die Gemeinden seien schon jetzt sehr hoch, eine Berufswehr könnten sich die Kommunen auf dem Land nicht leisten. Es sei auch nicht sicher, dass mit zentralen Feuerwehren die vorgeschriebene Rettungszeit von zehn Minuten eingehalten werden können.

Dem Stress der Einsätze setzt Starzengruber die Kameradschaft bei der Feuerwehr entgegen, das gemeinsame Feiern, das Miteinander. Das fällt ihm sogar als Erstes ein, wenn man ihn nach der Feuerwehr fragt: „Die Fokussierung auf die schönen Seiten.“

Weiter im Feuerwehrdienst

Daran und an der Verantwortung für die Stadt und die Menschen in ihr, will Starzengruber auch nach dem Verzicht auf das Komandantenamt nachkommen, denn für den Feuerwehrruhestand ist er noch zu jung. Welche Rolle der Ex-Kommandant dann spielen wird? „Das soll die neue Führung festlegen“, sagt er.

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Und bringt damit Martin Strasser (47) ins Spiel. Der soll am 28. Februar bei der Jahreshauptversammlung der Mühldorfer Feuerwehr neuer Chef werden. Bislang war er Starzengrubers Stellvertreter.

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