Grundschullehrermangel: Noch kein Notstand im Landkreis Mühldorf

Noch zu früh für Prognosen: Gabriele Rottmüller und Hans Wax. Bauer
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Noch zu früh für Prognosen: Gabriele Rottmüller und Hans Wax. Bauer

Die Mitte Januar verordnete Mehrarbeit für Grundschullehrer provoziert Protest: Die Lehrer haben am heutigen Freitag einen bayernweiten Aktionstag geplant. Während man im Landkreis Mühldorf für das kommende Schuljahr noch keine Prognosen abgeben kann, zeigt ein Schreiben aus dem Schulamtsbezirk Rosenheim, wie gravierend der Lehrermangel mancherorten bereits ist.

Mühldorf/Altötting/Rosenheim – Dass es an den Grundschulen Lehrermangel gibt, ist kein Geheimnis. Schließlich hat das Kultusministerium schon mehrere hundert Gymnasiallehrer zu einer Umschulung animiert: Sie werden mit einer Zweitqualifikation zu Grundschul-Pädagogen ausgebildet. Und trotzdem ist der Bedarf an Lehrern so groß, dass Kultusminister Michael Piazolo (FW) Mitte Januar mehrere Zwangsmaßnahmen verordnet hat. Unter anderem soll zunächst ein Fünftel der Grundschullehrer eine Stunde mehr arbeiten.

Schriftlicher Hilferuf in Rosenheim

Im Landkreis Rosenheim erhalten pensionierte Lehrkräfte jetzt Post ihres ehemaligen Schulamts mit der Aufforderung, sich aushilfsweise zu melden. Schulamtsdirektor Edgar Müller sucht händeringend Lehrer. Zum generellen Lehrermangel kommt jetzt noch die Krankheitswelle – die Grippe schlägt Lücken im Lehrkörper. „Wir haben massive Ausfälle“, sagte Müller unserer Zeitung. Die Mobile Reserve – Lehrer, die als „Springer“ aushelfen – reiche nicht aus. In dem Schreiben heißt es: „Wir wenden uns heute an Sie, weil wir im Schulamtsbezirk dringenden Personalbedarf haben und immer häufiger Klassen nicht versorgen können“, heißt es darin. Nun bitte man um Aushilfe – Dauer und Umfang könne man selbst bestimmen, es müssen jedoch mindestens vier Wochen sein. Er habe auch Lehrerinnen im Erziehungsurlaub angeschrieben, sagt Müller. Insgesamt neun Personen hätten schon zugesagt. „Lehrer sind solidarisch“, sagt Müller, der keinen Hehl daraus macht, dass er die Maßnahmen des Kultusministeriums nicht so gut findet. Vor allem ältere Lehrer würden belastet, etwa weil ein Ruhestand jetzt erst mit 65 statt 64 möglich sei und die von vielen älteren Lehrern bevorzugte Teilzeitarbeit jetzt mindestens 24 (statt bisher 21) Stunden umfassen müsse.

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Im Landkreis Mühldorf ist man von derartigen Maßnahmen noch weit entfernt. Zwar hinterlasse die Krankheitswelle auch hier Spuren, doch „Notstand“ bestehe bei den Grundschullehrern im Landkreis nicht. „Grippefälle bei Lehren und Kinder wesentlich höher als in den letzten Jahren“, sagt Schulamtsdirektor Hans Wax. „Derzeit können durch die Mobile Reserve alle Klassen besetzt werden. Klassen oder Schulen müssen derzeit hier nicht geschlossen werden.“

Wie sich die Situation im kommenden Schuljahr darstellt, lasse sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht sagen. „Dafür ist es viel zu früh, da wir weder die Personalzuteilung des Ministeriums noch die Klassenstärken kennen“, sagt Schulamtsdirektorin Gabriele Rottmüller. „Und dazu kommen ja noch die Faktoren, die sich heute gar nicht abschätzen lassen wie Krankheitsfälle oder Schwangerschaften.“

Zu früh für Prognosen

Genauso sieht es Altöttings Schulamtsdirektor Harald Kronthaler: „Auch deshalb, weil ja niemand weiß, wie sich die angekündigten Maßnahmen des Ministeriums auf die Personalsituation auswirken.“ Zudem würden im Landkreis Altötting bereits seit mehreren Jahren pensionierte Lehrkräfte aushelfen. „Einen Brief wie in Rosenheim mussten wir aktuell zum Glück noch nicht verschicken.“ Heute will Kultusminister Piazolo seine Anordnungen vor der Presse noch einmal erläutern – und auch auf Entlastungsmaßnahmen hinweisen. So sollen 2000 Lehrer zusätzlich befördert werden. Auch mehr Stellen für Verwaltungsangestellte und Schulpsychologen sind vorgesehen, um Lehrer zu entlasten.

Protesttagder Lehrer

Ob das den Zorn der Lehrer mildern kann, ist eher fraglich. Der Bayerische Lehrer- und Lehrerinnenverband (BLLV) hat den heutigen Protesttag unter dem Motto „Lehrermangel: So nicht!“ angesetzt. Nach Schulschluss sollen die Lehrer ein „cooles Gruppenfoto“ (so der BLLV) machen und zusammen mit Protest-Postkarten und Plakaten an ihren Kreisverband schicken. Alle Botschaften werden dem Kultusminister übergeben, verspricht BLLV-Präsidentin Simone Fleischmann. Sie sagt, es gelte ein Zeichen zu setzen. „Wir sind viele, wir sind laut, wir sind stark!“

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