Großveranstaltungen bis 31. August abgesagt – kein Volksfest in Mühldorf?

Ob im Mühldorfer Volksfest noch gefeiert werden kann, ist noch völlig offen. Stuffer
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Ob im Mühldorfer Volksfest noch gefeiert werden kann, ist noch völlig offen. Stuffer
  • Josef Enzinger
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Wirte, Brauereien und Schausteller würden eine Absage sehr bedauern, Bedienungen sprechen schon jetzt von einem katastrophalen Jahr. Doch noch besteht etwas Hoffnung für das Volksfest.

Mühldorf – Bis zum 31. August dürfen keine Großveranstaltungen stattfinden. Rudi Stey ist einer, den die Absagen gleich mehrfach trifft. Der Schausteller aus Mühldorf ist traditionell mit seinem Süßwarenstand in Waldkraiburg und in Mühldorf vertreten, sorgt mit Zuckerwatte, kandierten Früchten und gebrannten Mandeln für Gaumenfreuden – nicht nur bei den Kindern. „Wir haben schon befürchtet, dass es zu weiteren Einschränkungen kommen wird. Aber diese Gewissheit trifft uns alle jetzt schon wie ein Hammer“, verrät der 56-Jährige.

Alternativen im kleinen Rahmen

Man habe unter den Schaustellern bereits Konzepte erstellt, Alternativlösungen im kleineren Rahmen. „Doch wir wurden nicht gehört, sondern vor vollendete Tatsachen gestellt“, bedauert Stey. Dass man die Einschränkungen gleich auf über vier Monate erstreckt, „das ist schon weit vorgegriffen!“. Stey hätte sich da mehr Fingerspitzengefühl erwartet.

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Fingerspitzengefühl, das nun Mühldorfs Volksfestmanager Walter Gruber ins Spiel bringt. Er kann sich durchaus vorstellen, dass Wirte und Schausteller auch mit einer reduzierten Variante über acht Tage leben könnten. Eine Verschiebung des Volksfestes sei aber schwierig, weil es dann zu Überschneidungen kommen könnte. Dennoch wäre ein neuer Termin auch für Spatenfestwirt Manfred Werner eine Option. „Dagegen hätte ich nichts einzuwenden“, sagt er. Denn die Absage aller Großveranstaltungen bis zum 31. August treffe ihn hart. „Bei uns sind alle Gautrachtenfeste, Feuerwehrfeste und sonstige Jubiläen abgesagt worden. Natürlich wäre eine Absage des Mühldorfer Volksfestes ein weiterer großer Verlust“, sagt er.

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Die Gesundheit gehe aber vor. Das wisse er nicht erst, seitdem sich in seinem Bekanntenkreis einige Menschen mit dem Virus infiziert haben. „Ich habe die Saison bereits abgeschlossen.“ Und so tendierten seine Hoffnungen, dass das Mühldorfer Volksfest noch stattfindet, gegen Null, erklärt Werner.

„Wenn das Mühldorfer Volksfest abgesagt würde, wäre das ein schwerer Schlag“, findet Weißbräu-Chef Wolfgang Unertl. Die Gastronomie bleibe weiter geschlossen – da träfen die Absagen der Feste die kleinen Brauerein besonders hart.

Die Lager der Brauereien sind voll

„Bei mir sind die Lager voll. Ich müsste bis Ende Juli definitiv wissen, ob das Fest stattfindet oder nicht. Es hängen ja nicht nur wir dran, sondern auch die Bedienungen, die Schankmannschaften und die Menschen, die in der Küche erarbeiten“, erklärt der Weißbräu. Auch für Schausteller sei das Jahr 2020 kein Honiglecken. „Wir können daran aber nichts ändern. Wir müssen es nehmen, wie es kommt.“

Und der Sommerkeller? Öffnung ebenso fraglich

Für Amelie Röhrl, Chefin der Brauerei Erharting, ist das Mühldorfer Volksfest der Treffpunkt für die ganze Region. „Es wäre sehr schade, wenn es ganz abgesagt würde.“ Ohnehin würden bereits die Sommer- und Vereinsfeste wegfallen, „ob wir den Sommerkeller öffnen dürfen, ist noch offen“. Das alles sei mit Einbußen verbunden, die verkraftet werden müssen. Und so hofft auch sie, „dass zumindest das Mühldorfer Volksfest noch stattfinden kann“.

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Definitiv ausgeschlossen ist das in Waldkraiburg. Festwirt Jochen Mörz bedauert die Absage des Waldkraiburger Volksfestes sehr: „Natürlich ist das für uns ein großer Verlust, aber das kann man bei der Situation nicht ändern. Ich glaube auch nicht, dass sich da noch kurzfristig etwas bewegt, und die Regierung sich doch noch entschließt, diese Feste zu gestatten.“ Mörz hofft, dass sich vielleicht im Herbst noch die Möglichkeit ergebe, ein Fest in Waldkraiburg abzuhalten. „Da müssen wir aber erst Gespräche mit der Stadt führen“, kündigt er an.

Christine und Chris Schwannberger arbeiten während des Volksfestes im Spatenfestzelt in Mühldorf als Bedienungen. Ihnen würde eine große Einnahmequelle flöten gehen: „Für viele Kolleginnen und Kollegen, die das Bedienen im Haupterwerb machen, ist dieses Jahr eine echte Katastrophe, denn sie sind 2020 noch ohne Verdienst. Das Volksfest ist immer etwas Besonderes für uns“, sagt Chris Schwannberger.

Für Stey bricht auch das zweite Standbein weg: die Bühne

Für den 56-jährigen Rudi Stey fallen nicht nur sämtliche Volksfeste aus. Auch das zweite Standbein, die Bühne, leidet unter den Einschränkungen, „weil ja auch die Gastronomie geschlossen bleibt. Wir können unsere Dinnershows nicht durchführen“. Die Nothilfe habe er bereits beantragt.

Für den Veranstalter Rudi Stey fallen mit der Coronakrise gleich mehrere seiner wirtschaftlichen Standbeine weg.

Auch er klammert sich an die Hoffnung, dass es in Mühldorf vielleicht eine reduzierte Volksfest-Variante geben könnte. Damit würde sich ein Teil der Instandsetzung seiner Süßigkeitenwagen refinanzieren. Mit Schrauben und Streichen vertreibt er sich nämlich gerade die Zeit: „Ich kann ja sonst nichts anderes machen, als rumzubasteln!“

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