Großfeuer in Waldkraiburger Ladenzeile: Jetzt geht auch die Polizei von Brandstiftung aus

Die Fahndung der Brandermittler läuft auf vollen Touren. Gestern Vormittag wurde auch ein Hund zur Spurensicherung eingesetzt. Fib/eß
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Die Fahndung der Brandermittler läuft auf vollen Touren. Am Montagvormittag wurde auch ein Hund zur Spurensicherung eingesetzt. Fib/eß
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    vonHans Grundner
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Der Großbrand in der Nacht zum Montag am Waldkraiburger Sartrouville-Platz wurde vermutlich gelegt. Auch die Polizei geht jetzt davon aus.

Waldkraiburg– Wie ein Sprecher des Präsidiums jetzt auf Anfrage bestätigte, hat die Kriminalpolizeiinspektion Traunstein eine Sonderkommission eingerichtet, um die Hintergründe des Brands zu klären, der in einem türkischen Lebensmittelladen ausgebrochen war.

Soko „Prager“ eingerichtet

Die Soko „Prager“ ermittelt wegen Brandstiftung – und möglichen versuchten Tötungsdelikten. Denn durch das verheerende Feuer, das einen Schaden jenseits der Millionengrenze verursachte, waren auch die Bewohner des Wohnhauses gefährdet, das hinter der Ladenzeile liegt.

Bewohner mussten in Hotels übernachten

Sechs Personen erlitten durch die starke Rauchentwicklung leichte Verletzungen, eine Frau musste die Feuerwehr mit der Drehleiter retten. 22 Wohnungen und Büros befinden sich laut Angaben des Hausverwalters Jürgen Abrahamfi in dem Gebäude, das auch am Dienstag noch niemand betreten durfte. Die Bewohner mussten in Hotels und bei Freunden übernachten. Die Polizei hatte den Brandort noch nicht freigegeben. Am Nachmittag wurde zudem ein Gutachter erwartet, um Proben zu nehmen und zu untersuchen, ob der Feinstaub, der sich in den Wohnungen ausgebreitet hatte, gesundheitsgefährdend ist.

Polizei prüft Zusammenhang mit zwei Straftaten in türkischen Geschäften

Die polizeiliche Fahndung läuft derweil auf vollen Touren. In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde der Brandort von Beamten überwacht, damit niemand das Gelände betreten konnte. Am Dienstagvormittag nahmen erneut Brandermittler der Kripo und ein Sachverständiger des Landeskriminalamtes ihre Arbeit auf. Diesmal setzten sie auch einen Hund zur Spurensuche ein. Zu aktuellen Erkenntnissen der Brandfahnder macht die Polizei aus ermittlungstaktischen Gründen keine Angaben.

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Nach wie vor werde in alle Richtungen ermittelt, betont ein Sprecher, setzt aber ausdrücklich hinzu: Die Soko prüfe ein Zusammenhang des Großbrandes mit zwei Straftaten, die sich gegen türkische Geschäfte richteten. Am Samstag, 18. April, war eine Gaststätte am Annabergplatz betroffen. Wie der Betreiber berichtet, wurde ein Stein ins Schaufenster geworfen und „eine schmierige Flüssigkeit, wahrscheinlich Schweinekot“ verteilt. „Es hat fürchterlich gestunken, die Wände waren bespritzt, Ich musste die ganze Pizzeria neu streichen“, sagt Erkan Artuk.

Türkische Community ist aufgewühlt

Besteht ein Zusammenhang zum Großbrand? Haben die Taten einen fremdenfeindlichen Hintergrund? Während der Inhaber des ausgebrannten Lebensmittelgeschäfts diesen Verdacht noch in der Brandnacht äußerte, glaubt Özlem Orhan „nicht, dass es Nazis waren“. „Ich kann mir das in Waldkraiburg nicht vorstellen“, sagt die Inhaberin eines Friseurgeschäfts am Sartrouville-Platz, das in der vergangenen Woche ebenfalls beschädigt und „mit Öl und Dreck verunreinigt“ wurde. An den Tatorten fanden sich laut Aussagen der Betroffenen keine rassistischen oder rechtsradikalen Schmierereien.

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Die türkische Community in Waldkraiburg ist durch die drei Vorfälle innerhalb weniger Tagen aufgewühlt. „Viele fürchten, dass mehr dahinter steckt“, sagt Ahmed Baskent, Vorsitzender der muslimischen Gemeinde, der gleichzeitig zur Besonnenheit mahnt. Es gebe keinen konkreten Verdacht. „Man muss abwarten. Die Polizei braucht Zeit, um ihre Arbeit zu tun.“

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