Große Erwartungen und Hoffnungen an Bischof Georg Bätzing: „Es darf keinen Rückschritt geben!“

Frühjahr, Zeit des Neubeginns, den Aufbruchs in der Natur, wie hier die Palmkätzchen vor der Pfarrkirche St. Nikolaus in Mühldorf. Gilt das auch für die Kirche mit dem neuen Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz Georg Bätzing? Enzinger
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    vonJosef Enzinger
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Kirchenvertreter aus Mühldorf und Waldkraiburg beziehen Stellung zum neuen Vorsitzenden der Bischofskonferenz, der als Reformer gilt und als liberaler Hirte – auch ohne Kollar

Mühldorf/Waldkraiburg – Die Deutsche Bischofskonferenz hat überraschenderweise den Limburger Bischof Georg Bätzing zu ihrem neuen Vorsitzenden gewählt. Er tritt damit die Nachfolge von Reinhard Kardinal Marx an und gilt als Reformer der Kirche. Auch im Landkreis Mühldorf haben Katholiken und Protestanten große Erwartungenan den neuen Chef der Bischöfe.

Aufgeschlossen für den synodalen Weg

„Er gilt als Vermittler und ist wohl auch aufgeschlossen für den synodalen Weg“, sagt Beate Moser, Vertrauensfrau des Kirchenvorstands der evangelischen Kirchengemeinde in Waldkraiburg. Sie wünscht den katholischen Geschwistern, dass der Vorsitzende der Bischofskonferenz, diesen synodalen Weg auf Augenhöhe mit Zähigkeit weiter vorantreibt. „Ich hoffe, dass es weitergeht, langfristig zum Diakonat der Frauen.“ In der ökumenischen Zusammenarbeit setzt sie darauf, dass die offensichtlich gute Zusammenarbeit zwischen dem Ratsvorsitzenden der EKD, Heinrich Bedford-Strohm, und Kardinal Marx nun auch mit dessen Nachfolger Georg Bätzing weitergeht. „Da darf es keinen Rückschritt geben.“ Moser hofft, dass nun endlich offiziell evangelische Ehepartner zur Kommunion zugelassen werden.

Großer Handlungsbedarf im Umgang mit Missbrauchsopfern

„Ich habe mich über die Wahl von Bischof Bätzing sehr gefreut. Er wirkt sympathisch“, sagt Maria Regler. Als positiv wertet die Vorsitzende des Pfarrgemeinderats der katholischen Pfarrei Maria Schutz, Waldkraiburg, dass Bätzing bei den Interviews kein Kollar (weißer Stehkragen, Anm. d. Red.) getragen habe. Das sieht sie als Ausdruck für eine liberale Position. „Ich hoffe sehr, dass er sehr offen sein wird, was die Stärkung der Rolle der Frau und die Abschaffung des Pflichtzölibats angeht. Wie weit er diese Anliegen gegen die Widerstände von Konservativen wie Kardinal Müller nach oben, in der Weltkirche, durchsetzen kann, ist ein anderes Thema“, so Regler, die sich klar für das Diakonat der Frauen ausspricht und eine weitere Klärung im Umgang mit Missbrauchsopfern fordert. „Da besteht noch großer Handlungsbedarf.“

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Claudia Stadler, Pastoralreferentin der Stadtkirche Mühldorf: „Als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz lässt Georg Bätzing sicherlich zu, dass in verschiedene Richtungen gedacht und überlegt wird. Ob das die Frage des Pflichtzölibats betrifft oder die Frauenordination.“ Er habe es geschafft, das Bistum Limburg nach einer schwierigen Zeit zu beruhigen.

Auch die Kirche stecke in einer schwierigen Zeit. Nicht zuletzt durch die Missbrauchsfälle hätten viele Menschen das Vertrauen in die Kirche verloren. „Da tut es gut, wenn Georg Bätzing ankündigt, er will zuhören.“ Hinhören, was die anderen bewegt, verletzt hat. Zuhören, um die Position des anderen zu verstehen.

„Genau hinschauen, was leisten Männer und Frauen, Hauptamtliche und Ehrenamtliche bereits jetzt in unseren Pfarreien und Pfarrverbänden.“ Das wertzuschätzen und abzuwägen, was brauchen die, was braucht unser Glaube, um weiterhin auszustrahlen und anziehen zu können, „Das ist meiner Meinung nach ein Weg, der in die Zukunft führen kann. Und das lässt mich hoffen!“

Interview mit Mühldorfs Stadtpfarrer Roland Haimerl: Vertrauen in der Gesellschaft ist wichtig

In innerkirchlichen Debatten positionierte sich Bätzing als Reformer, er regte auch eine Aufhebung des Pflichtzölibats an. Sehen Sie mit ihm an der Spitze eine Zeitenwende?

Haimerl: Schwer zu sagen, da er nicht alleine für die Aufhebung des Pflichtzölibats zuständig ist, sondern eine Synode mit dem Papst.

Welche Erwartungen für die Kirche verbinden Sie mit dem neuen Ratsvorsitzenden?

Haimerl: Er wird den synodalen Weg, den Kardinal Marx mit vielen anderen begonnen hat, fortsetzen.

Den Ausschluss von Frauen von Weiheämtern sieht Bätzing kritisch. Bietet sich jetzt die Chance, Frauen den Zugang zur Kirche zu vereinfachen und damit auch Seelsorger-Engpässe zu reduzieren?

Haimerl: Es gibt bereits heute viele Frauen, die in der Seelsorge tätig sind und hervorragende und überaus wichtige Tätigkeiten verrichten. Auch hier sind aber Fragen berührt, die nur auf weltkirchlicher Ebene beantwortet werden können.

Welche Bedeutung für die Kirche der Gegenwart, deren drängendstes Problem nach wie vor die vielen Kirchenaustritte sind, hat die Bischofskonferenz unter Bischof Bätzing?

Haimerl: Zunächst ist es wichtig, dass der neue Vorsitzende die Gesprächskultur in der Deutschen Bischofskonferenz verbessert und versucht, wieder Vertrauen in der Gesellschaft zu gewinnen; dazu sind aber viele engagierte Christen notwendig.

Sehen Sie mit Bätzing eine Chance, die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche, konsequenter aufzuarbeiten?

Haimerl: Ja. Allerdings ist da vor allem jeder Bischof für sein eigenes Bistum besonders in der Verantwortung.

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