Bauausschuss Mühldorf

Zu groß, zu hoch: Wohnblock erneut abgelehnt

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Geht es nach Anwohnern und Stadt, bleibt die Bebauung auf dem Eckgrundstück kleinteilig. Geht es nach dem Investor, entsteht dort ein Sechs-Familienhaus. 
  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
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Einstimmig lehnte der Mühldorfer Bauausschuss die Pläne für einen Wohnblock in der Colloredostraße ab. Für Kritik sorgte die Größe des Bauvorhabens und die fehlende Tiefgarage.

Mühldorf – Mal wieder war der Sitzungssaal im Rathaus gut gefüllt, zahlreiche Zuhörer wollten der Diskussion im Bauausschuss folgen. Das Thema: Die Bebauung eines großen Grundstücks an der Colloredostraße, auf dem derzeit ein Einfamilienhaus steht, kurz vor dem Abriss. Sie erlebten die einstimmige Ablehnung des Bauvorhabens, weil es zu groß ist, sich nicht in die Umgebung einfügt und in Ermangelung einer Tiefgarage zusätzliche Parkbelastung auf der Straße bringt. 

Großes Interesse in der Sitzung

Das große Interesse spiegelt die Ablehnung des Bauvorhabens durch die Nachbarschaft wieder, die 60 Unterschriften vorgelegt hat, in denen sie sich gegen die Bebauung aussprach (wir berichteten). Sieben Wohneinheiten, waren es laut Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner, die der Investor in der ersten Bauvoranfrage vorgestellt hat. Jetzt, im zweiten Versuch, sind es noch sechs. Nach ihren Angaben ist in den neuen Plänen ein südlicher Anbau weggefallen. „Die Änderung ist von de Straße aus kaum wahrnehmbar“, urteilte Weichselgartner. 

Geplante Änderungen kaum wahrnehmbar

Nicht geändert hat sich die Wandhöhe, sie liegt mit 6,83 Metern um zum Teil mehr als drei Metern über den Nachbarhäusern mit 3,65 oder vier Metern Wandhöhe. Ein Fachbüro, das derzeit ein Leerstandskataster für die Stadt erstellt, hält die Bebauung nach wie vor für „zu massiv“ und empfiehlt eine Ablehnung. Weil keine Tiefgarage geplant sei, sei eine höhere Zahl von parkenden Autos in der der Nachbarschaft zu befürchten, sagte Weichselgartner. 

Kontroverse Diskussion um mehrere Bauvorhaben

Der Neubau in der Colloredostraße ist einer von mehreren, über die derzeit in der Stadt kontrovers diskutiert wird. Das Problem ist das immer gleiche: In Siedlungen werden Grundstücke frei, Investoren kaufen das Gelände und wollen es möglichst dicht bebauen, oft höher und größer als die Häuser in der unmittelbaren Nachbarschaft. Nachbar Oskar Sponfeldner weist auf die Konsequenz hin, die der Bau seiner Meinung nach hätte: „Durch den Neubau ist die gesamte Kriegersiedlung betroffen, da der Charakter des Viertels unwiederbringlich zerstört würde.“ 

Keinen Präzedenzfall schaffen

Wie manche Stadträte (siehe Zitate am Textende), fürchtet er ein Problem für die ganze Stadt: „Schafft man hier einen Präzedenzfall, wie wird es dann in eineigen Jahren auch anderswo in Mühldorf aussehen?“ Tatsächlich treibt die Mischung aus hoher Nachfrage und geringem Grundstücksangebot Investoren dazu, möglichst dicht zu bauen. Auch aus Sicht der Stadt ist die sogenannte Nachverdichtung notwendig, will man den Flächenverbrauch auf bislang unbebauten landwirtschaftlichen Grundstücken vermeiden. „Es besteht die Notwendigkeit, Baulücken zu schließen und Wohnraum zu schaffen“, sagte Bürgermeisterin Zollner (SPD) während der Bauausschusssitzung. Darauf hat auch der Investor, das Bauunternehmen Konrad Galneder aus Taufkirchen, hingewiesen. „Aus Perspektive der Stadt dient hier die Nachverdichtung der Innenentwicklung, der städtebaulichen Aufwertung sowie der besseren Auslastung von Infrastrukturen.“ Die Stadt gibt den Versuch noch nicht auf, eine Bebauung zu ermöglichen. „Ich hoffe, dass wir eine Kompromisslösung für das Grundstück an der Colloredostraße finden“, sagte Bürgermeisterin Zollner. 

Zollner hofft auf Kompromisslösung

Denkbar, so Stadtbaumeisterin Weichselgartner, sei eine Bebauung mit zwei kleineren Häusern. Die Stadt kann die Größe von Häusern über die Bauleitplanung steuern. So legt sie in neuen Baugebieten fest, wo welche Häuser entstehen sollen. Schwieriger wird es in Gegenden wie der Colloredostraße, wo es keinen Bebauungsplan gibt und sich Veränderungen laut Bauordnung in die Umgebung einfügen müssen und die Nachbarn nicht beeinträchtigen dürfen. Damit ist die Abwägung rechtlich komplizierter und vor Gericht eher anfechtbar. 

Letztes Wort hat das Landratsamt

Das letzte Wort hat immer das Landratsamt als Genehmigungsbehörde. Anwohner Sponfeldner weist auf ein weiteres Problem der Grundstücksknappheit hin: „Mehrere junge Familien waren ebenfalls an dem Haus mit Garten interessiert und wurden von dem Investor überboten.“

Die Diskussion im Bauausschuss im Überblick:

Im Bauausschuss herrschte Einigkeit darüber, das Bauvorhaben abzulehnen. Unterschiedliche Ansichten gab es aber darüber, wie künftig mit solchen Anfragen umzugehen sei.

Bürgermeisterin Marianne Zollner (SPD): „In die Umgebungsbebauung fügt es sich nach unserer Ansicht nicht ein.“ 

Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner: „Die Änderungen sind eher marginal und überschaubar.“ Oskar Stoiber (CSU): „Das Gebäude würde den Charakter der Siedlung sprengen.“ 

Franz Essl (FM): „Es gibt viele große Grundstücke in der Stadt, die im Rahmen der Erbfolge auf den Markt kommen und an Bauträger verkauft werden. Wir brauchen eine grundsätzliche Linie, vor vor allem für gewachsene Siedlungsgebiete. Und ohne die Zustimmung der Nachbarn geht nichts.“ 

Stadtbaumeisterin Birgit Weichselgartner: „Es gibt aber auch Fälle, in denen die Nachbarschaft einer Verdichtung zugestimmt hat. Dann können auch wir einer Verdichtung zustimmen.“ 

Oskar Rau (Grüne): „Ich bin empört, weil der Investor erneut gefordert hat, auf eine Beteiligung der Nachbarn zu verzichten. Das geht nicht. Dazu kommt: Bei dieser Nachverdichtung und vielen anderen fällt jedes Grün weg, ein Vorgehen, das die Stadt in keinem Neubaugebiet zulassen würde. Es scheint Methode zu haben, übergroße Bauanträge zu stellen und später eine etwas reduzierte Version erneut einzureichen. 

Stadtbaumeisterin Weichselgartner: „Wir sollten nicht alles über einen Kamm scheren, nicht jeder mehrstöckige Neubau fügt sich nicht ein. Viele Investoren nehmen tatsächlich substanzielle Änderungen vor.“

Der Kommentar

Chefreporter Markus Honervogt kommentiert die Entscheidung des Mühldorfer Bauausschusses zur Colloredostraße und  fordert Fingerspitzengefühl und Einzelfallentscheidungen.

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