„Traurig für Eltern und Kinder“: Konrektor der Mühldorfer Grundschule spricht über Schulstart

Christian Mannel, Konrektor der Grundschule Mühldorf. Foto Petzi
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Christian Mannel, Konrektor der Grundschule Mühldorf. Foto Petzi

Was erwartet Kinder, Eltern und Lehrer zu, Schulstart mitten in der Pandemie? Der Mühldorfer Konrektor Christian Mannel ist sich trotz aller Unsicherheiten schon vor dem ersten Schultag in einer Sache sicher: Dieser neue Alltag wird Kinder und Erwachsene nachhaltig verändern.

Mühldorf – Konrektor Christian Mannel schmerzt es schon vor Schulbeginn, die kleinen Kinder noch mehr auf Abstand zu halten. „Unsere Schüler machen das, was gefordert wird, mit einer unheimlichen Disziplin“, beteuert der Pädagoge, der in der Leitung der Grundschule Mühldorf arbeitet und die Vorbereitungen für einen Schulstart in der Corona-Krise getroffen hat. Leicht fallen wird es aber niemandem: Schülern nicht und Lehrern auch nicht.

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Umarmungen sind nicht erwünscht

Während die Viertklässler die Situation und die Einschränkungen durch die Coronakrise nach Einschätzung Mannels begreifen, sieht die Lage jedoch bei den Schulanfängern anders aus. „Das könnte schwierig werden, kommen die Kinder aus Kitas, wo es wieder ganz andere Regeln wie beispielsweise Spielgruppen gab.“ Sie seien aus den Kindergärten sehr viel Nähe gewohnt.

Anstatt allen Anfängern zusammen, mit Eltern und Großeltern werden die Erstklässler Klasse für Klasse begrüßt; dann gehen die Erstklässler der Grundschule, die dieses Mal lediglich von zwei Personen begleitet werden dürfen, alleine in ihre Räume. „Traurig für Eltern und Kinder. Sonst war das immer ein toller Event mit Kaffee und Kuchen.“

Mehr Laptops für Kinder

Einstellen müssen sich Eltern und Kinder auch auf eine weitere Digitalisierung des Unterrichts, die vor allem in Notfällen wie Schulschließungen weiter fortschreiten werde. 30 Notebooks habe seine Schule erhalten, die nun an Kinder verliehen würden, die selbst keine Rechner haben. Vorbereitungen auf den Online-Unterricht, der vielleicht den Schulunterricht ergänzen muss.

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Denn wie der konkret aussehen wird, das weiß noch niemand. Die Staatsregierung diskutiert mit Lehrern und Eltern, wie der Schulstart ab Dienstag gelingen und Normalität in die Klassen einziehen kann.

Das ‚Neue Normal‘? Konrektor Mannel wirkt nachdenklich. Dass bei Groß und Klein das Bewusstsein für Hygiene gewachsen sei, sei schon positiv, sagt er. Dazu komme, dass die Schüler nach den langen Corona-Ferien den Wert von Schule erkannt haben. „Die Kids haben sich auf den Unterricht gefreut!“, sagt er. Aber was ist mit den sozialen Kontakten, dem gemeinsamen Spiel, Umarmungen – auch in der Schule? „Vermutlich werden unsere Kinder mit dieser Situation aufwachsen.“

Sicherheit ist das wichtigste Anliegen

Die Vorbereitungen vor der Entscheidung am Mittwoch sind in der Grundschule Mühldorf abgeschlossen und sehen noch genauso aus wie vor den Ferien. 13 Einzelsitzplätze in jeder Klasse. Bänke und Stühle warten gestapelt in den Gängen darauf, wieder in den Dienst genommen zu werden. Er wünscht sich die Wiederaufnahme eines ‚geregelteren‘ Schulbetriebs. Aber: „Mit Blick auf die Erfahrungen aus den anderen Bundesländern werden wir sehen, was möglich sein wird.“

Lehrer als Risikopatienten

Denn so gern der 52-jährige Mühldorfer wieder mit den Kindern arbeiten würde: die Gesundheit der 420 Schüler an den beiden Schulen in Mühldorf und in Altmühldorf geht freilich vor. Auch die der Lehrer, Mannel selbst zählt nach einem Herzinfarkt im vergangenen Jahr zu den Risikopatienten. „Natürlich müssen wir so gut es geht ‚entzerren‘. Mit mehreren Eingängen und zwei Pausenhöfen klappt das ganz gut“, betont der Konrektor.

Für Schulamtsleiter Hans Wax gilt eine Regel: „Wir wollen nicht nur den ersten Schultag schaffen, sondern ein durchgängiges Prozedere erarbeiten. Deshalb müssen wir sehr aufpassen.“ Bis dieses Prozedere und die Entscheidung der Staatsregierung feststeht, werden noch einige Stunden vorüber gehen. Schulamtsleiter Wax rechnet damit, dass es weitere ein oder zwei Tage dauern wird, bis genaue Anweisungen aus dem Kultusministerium vorliegen.

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