„Globalisierung verlangt Regeln“: Jakob Opperer zu Gast bei der Frühjahrssonderschau in Ampfing

Zum Endeder Frühlingssonderschau hielt Jakob Opperer (rechts) einen Vortrag, mit ihm auf dem Aufstellungsgelände waren Prokurist Siegfried Höpfinger (von links), Bürgermeister Josef Grundner, Firmeninhaber Thomas Gruber und Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber. Jaensch

Zum Endspurt der traditionellen Frühjahrssonderschau bei Landtechnik Gruber kündete Prokurist Siegfried Höpfinger noch zwei interessante Referate an. Beide betrachteten das Verhältnis der Bevölkerung zu ihren Lebensmittelerzeugern.

Ampfing – Zuerst verkündete Landtagsabgeordneter Dr. Marcel Huber, dass er beunruhigt sei über die Entwicklung der Landwirtschaft. Der Landwirt hätte seltsamerweise an Ansehen verloren, je mehr Menschen er mit seiner Hände Fleiß ernähren könne. Er belegte das an Zahlen, die besonders in den vergangenen Jahren negativ für die Landwirtschaft aussehen. Und dies, obwohl die Bauern so preiswert und gesund wie noch nie produzieren würden. Das Verhalten der Menschen sei unverständlich, wenn sie auf teure Grills Billigwürstel legen und wegen 100 Gramm Aufschnitt kilometerweit fahren. Sein Anliegen und Plan sei es, der Bevölkerung die Wichtigkeit der Landwirte zu verdeutlichen und die beiden zusammenzubringen.

Das Grundsatzreferat hielt Jakob Opperer, Präsident des Landesamtes für Landwirtschaft (LfL). Beim Thema „Wo weniger mehr bringt! Vorzüge und Grenzen der Kreislaufwirtschaft im Agrarbereich“, sah er die Ursachen vieler Missstände und Unbill in der unkontrollierten Globalisierung.

Unverständliches Verhalten der Verbraucher

In Zeiten der Eigenversorgung, wodurch die Landwirtschaft wohl entstand, seien durch den großen Wandel im Verhältnis von Nutz- und Wildtieren nicht mehr möglich. Die Menschheit, die in wenigen Jahren von einer Milliarde auf sieben Milliarden angestiegen sei, habe auch die große Vermehrung von Nutztieren verursacht. Nun sei das Problem aufgetreten, dass Lebensumstände zu gestalten sind, die umwelt- und klimaschonend sind.

Die entstandene Kreislaufwirtschaft habe die vier Dimensionen „Soziale Perspektive“, „Ökonomisches Fundament“, „Rücksichtsnahme auf natürliche Lebensgrundlagen“ und die „persönliche Kompetenz“, wobei die Nachhaltigkeit zu beachten ist. Diese Probleme habe der „handwerkliche“ Bauer früher gelöst. Die jetzigen Spezialisten sehen sie nicht.

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Opperer sieht einerseits in dem globalen Warenaustausch die Ursache vieler Fehlentwicklungen. Er belegte das nicht nur an dem weltweiten Hin- und Hergeschiebe von Soja und Sojaartikeln. Dabei betonte er, dass Isolierung oder Nationalismus auf keinen Fall zu einer Lösung führen würden. Der weltweite Austausch von Nahrungsmitteln und bestimmter Pflanzen, ja die Globalisierung, alles sei einfach notwendig. Aber es sollte geregelt und kontrolliert geschehen. „Globalisierung verlangt Regeln, Werte, Normen und Gesetze.“, forderte er.

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Dazu gehöre auch, dass die Welt sich um die Kriegsgebiete kümmere, Hunger bekämpfe und die Grundbedürfnisse der Menschen überall sicherstelle. Der handwerkliche bäuerliche Betrieb ohne lange Handelswege und der gesellschaftliche Zusammenhalt seien sein Wunsch für die nahe Zukunft.

Entscheidungen nicht von landwirtschaftlichen Fachleuten getroffen

Die Fragen der anwesenden Bauern an den Referenten betrafen hauptsächlich die Auflagen, die von Staats wegen der Landwirtschaft aufgezwungen werden. Gerade die Güllegesetze würden von den Anrainerstaaten nicht eingehalten, klagten sie. Anderes werde zu schnell geändert oder widerrufen.

Hier empfahl Opperer, dass man in Deutschland den Ermessensspielraum besser beachte, andererseits anderswo Bestimmungen befolge. Betriebe mit 200 bis 300 Kühen halte er für nicht erstrebenswert. Die Änderungen und Widerrufe bei Anordnungen würden geschehen, weil „manche staatliche Entscheidungen nicht von landwirtschaftlichen Fachleuten getroffen werden“.

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