Ministerin enttäuscht nach Kritik um Aus der Töginger Landwirtschaftsschule

Eine enttäuschte Ministerin: Michaela Kaniber rechnet vor, dass die Schülerzahlen rückläufig sind und deswegen ein Festhalten am Standort Töging nicht rechtzufertigen wäre.
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Eine enttäuschte Ministerin: Michaela Kaniber rechnet vor, dass die Schülerzahlen rückläufig sind und deswegen ein Festhalten am Standort Töging nicht rechtzufertigen wäre.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber reagiert enttäuscht auf die Kritik der heimischen Mandatsträger. So sieht ihr Fahrplan für die Schule aus – und der klingt endgültig

Mühldorf/Töging – Jetzt hat Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber persönlich Stellung bezogen zu den Vorwürfen der politischen Mandatsträger ihrer eigenen Partei in Bezug auf die Fortführung der Landwirtschaftsschule in Töging. Die Landräte Maximilian Heimerl (Mühldorf) und Erwin Schneider (Altötting) sowie der Bundestagsabgeordnete Stephan Mayer und die beiden Landtagsabgeordneten der CSU, Dr. Marcel Huber und Dr. Martin Huber, hatten am Mittwoch in einem gemeinsamen Schreiben der Ministerin vorgeworfen, dass sie Zusagen nicht eingehalten habe.

Ein Rückgang von 30,7 Prozent

Die Mandatsträger kritisierten, dass die Ministerin nicht zwischen Kalenderjahr und Semester unterscheiden könne, weil es plötzlich hieß, dass die Schule anstatt der am Montag offenbar kommunizierten drei Jahre Fortbestand nur noch für die Dauer von drei Semestern geöffnet haben werde.

Entscheidung des Ministerrats angeblich mehrfach und breit kommuniziert

Kaniber zeigte sich über die Vorgehensweise „sehr enttäuscht“, wie ihre Presseabteilung am Donnerstagnachmittag mitteilte. Kaniber betont, „dass ich meine Überlegungen vor der Entscheidung des Ministerrats mehrfach und breit kommuniziert habe, mit allen Stimmkreisabgeordneten und in zahlreichen Einzelgesprächen.“ Es habe in den Aussprachen keine Widersprüche gegeben.

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Kaniber: „Mindestzahl war schon 2018/2019 unterschritten!“

Die Abteilung Landwirtschaft an der Landwirtschaftsschule Töging hatte laut Kaniber im Wintersemester 2018/2019 nur 15 Studierende im 1. Semester. „Die Mindestzahl von 16 war damit schon damals unterschritten. Geöffnet wurde mit einer Sondergenehmigung“, hält sie den Mandatsträger entgegen. 2019 seien es 17 Studierende gewesen, und damit nur knapp über der Mindestzahl 16. Im Herbst 2019 – lange vor der nun stattfindenden Neuausrichtung – sei vom dortigen Schulleiter freiwillig bekannt gegeben worden, dass aufgrund des geringen Potenzials 2020 kein 1. Semester möglich sein werde. „Diese Entwicklung der vergangenen drei Jahre ist der beste Beweis, dass Töging dauerhaft nicht jedes Jahr öffnen und damit dauerhaft nicht eigenständig gesichert werden kann.“

30,7 Prozent Rückgang alleine in Töging

Kaniber beruft sich auf die Zahlen im Berufsgrundschuljahr (BGJ) am Berufsschulstandort Mühldorf. Diese würden zeigen, dass für die nächsten Jahre nicht genügend Potenzial für die dauerhafte Öffnung einer Landwirtschaftsschule vorhanden sei: 2015 waren es demnach 26 BGJ-Schüler mit Berufsziel Landwirt, 2018 nur noch 15, im folgenden Jahr 18 und 2020, Stand jetzt, 15 Anmeldungen – ein Rückgang von 30,7 Prozent. In ganz Oberbayern seien es lediglich 15,6 Prozent. Da nach Angaben Kanibers nur 70 Prozent der Berufsschüler später die Landwirtschaftsschule besuchen, bliebe laut Kaniber bei 15 bis 18 BGJ-Schülern noch ein Potenzial von circa 10 bis 13 Studierenden für die Landwirtschaftsschule.

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Möglichst gute Abdeckung in Bayern angestrebt

Als weiteren Grund für alle Standortentscheidungen nennt Kaniber die regionale Verteilung und eine möglichst gute Abdeckung in ganz Bayern. „Die Entscheidung für Erding als Zukunftsstandort deckt den zentralen Bereich von Oberbayern wesentlich besser ab, in dem gerade auch durch den Wegfall von Fürstenfeldbruck als Standort eine große Lücke entsteht.“ Sie verweist auch darauf, dass Ebersberg-Erding künftig das größte Amt mit 5100 Betrieben (in Bereich Töging 3100). „Die relative Nähe von Töging zum Standort Pfarrkirchen war zudem ein weiteres Entscheidungskriterium. Und ohne Pfarrkirchen würde eine große Lücke im restlichen zentralen Niederbayern entstehen.“

„Digitale Schule“ als Pilotprojekt

Mit ihrem Vorschlag, dass Töging 2020 mit 16 Studierenden letztmalig öffnen und damit für die drei Jahre – 2020 (1. Semester), 2021 (2. Semester) und 2022 (Ende 3. Semester) – einen Schuldurchgang vorweisen kann, habe sie versucht, den Mandatsträgern vor Ort „trotz der bereits vor Ort festgelegten Nichteröffnung im Jahr 2020 bestmöglich entgegenzukommen“. Sie stehe zu ihrem Angebot, bis 2023 im Bereich „Digitale Schule“ ein Pilotprojekt zu starten, um Studierenden an wegfallenden Standorten ein modernes, ortsungebundenes Angebot zu bieten.

Durchaus könne sie verstehen, dass jeder Mandatsträger für seine Region kämpft. „Aber als Staatsministerin muss ich orientiert an Fakten und Realitäten Entscheidungen treffen, die für ganz Bayern ausgewogen und fair und in die Zukunft gerichtet sind. Ihr Schlusssatz klingt endgültig: „Ich bitte, die Entscheidung zu akzeptieren.“

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