Verdächtige Anrufe

Gesundes Misstrauen schützt vor Betrügern: Die Polizei Mühldorf rät zur Zusammenarbeit

Die Polizeiinspektion Mühldorf steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn Bürger die Sorge haben, dass bei Trickbetrügereien um ihr Geld gebracht werden sollen.
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Die Polizeiinspektion Mühldorf steht mit Rat und Tat zur Seite, wenn Bürger die Sorge haben, dass bei Trickbetrügereien um ihr Geld gebracht werden sollen.
  • Hans Rath
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Es gibt mittlerweile viele Möglichkeiten, mit denen Trickbetrüger versuchen, an Geld oder Wertsachen von unbescholtenen Bürgern zu kommen. Bei entsprechenden Telefonaten am besten: Auflegen. Anschließend sollten sich mögliche Opfer an das örtliche Polizeirevier wenden.

Mühldorf – Viele Menschen kennen den Enkel-Trick: Ältere Menschen werden – meist telefonisch – informiert, dass sich ihr Enkel oder ihre Enkelin in Schwierigkeiten befindet. Um ihn oder sie daraus zu befreien, ist eine größere Summe Geldes notwendig, das die Großeltern besorgen müssen. Das Geld wird anschließend abgeholt und ist weg.

Auch ein Gewinnspiel am Telefon sollte einem verdächtig vorkommen: Man habe eine größere Summe gewonnen, es seien Gebühren für einen Notar oder Steuern zu bezahlen. Diese überweise man am besten. Auch dieses Geld ist unwiederbringlich verloren.

Liebe darf nicht blind machen

Eine ebenso einträgliche Masche der Ganoven ist das sogenannte „love scamming“: Oft trifft es alleinstehende und wohlhabende Frauen, aber auch Männer: Über soziale Netzwerke oder eine Dating-Plattform lernt man eine neue Liebe kennen, die einem innerhalb kürzester Zeit die Welt zu Füßen legt. Das passiert ab einem gewissen Alter nicht mehr so oft. Umso empfänglicher reagiert das Gegenüber und kann sein (spätes) Glück kaum fassen. Es dauert nicht lange, da werden bereits Zukunftspläne geschmiedet und ein erstes Treffen wird vereinbart.

Doch zu dem kommt es vorerst nicht. Überraschend muss der virtuelle Galan oder die neue Flamme beruflich ins Ausland reisen – oder lebt bereits dort.

Und: Das Schicksal meint es nicht gut mit ihm beziehungsweise ihr. Völlig unverschuldet gerät er oder sie in eine Notsituation. Mal ist es die Kreditkarte, die gestohlen wurde, mal ein Verwandter, der schwer erkrankt ist. In der Regel benötigt der/die in der Ferne weilende Angebetete vor allem eines: die finanzielle Unterstützung des neuen Partners. Weil Liebe bekanntlich blind macht, erfolgt eine umgehende Überweisung.

Wie die Geschichte weitergeht, kann man sich vorstellen: Das Geld ist weg, den Mann respektive die Frau hat es nie gegeben.

Falsche Polizisten zocken Bürger ab

Jetzt haben sich Betrüger eine noch perfidere Masche ausgedacht, sie geben sich als Polizisten aus. Uwe Schindler, stellvertretender Dienststellenleiter der Polizeiinspektion Mühldorf, berichtet, dass sie erst vor Kurzem elf Anrufe innerhalb von eineinhalb Stunden hatten, in denen von angeblichen Einbrüchen in der Nachbarschaft berichtet worden war. „Die Betroffenen“, so Uwe Schindler, „haben aber richtig reagiert und bei der Polizei angerufen.“ Die angeblichen Einbrüche hat es nie gegeben.

In Burghausen gab es einen Fall, der im Oktober vor dem Amtsgericht Mühldorf verhandelt worden war. Eine ältere Dame bekam einen Anruf der örtlichen Polizei (in Wirklichkeit kam der Anruf aus einem Callcenter in der Türkei), dass ihre Wertsachen in Gefahr seien. Ein betrügerischer Angestellter ihrer Bank tausche Geld in Falschgeld um und ersetze Goldbarren und wertvolle Münzen durch wertlose Plagiate. Sie solle alles aus ihrem Schließfach abholen und einem Polizeibeamten übergeben.

Zudem könne sie die Wertsachen zu Hause nicht aufbewahren, weil in der Salzachstadt eine räuberische Einbrecherbande ihr Unwesen treibe. Ein „Polizist“ in Zivil mit gefälschtem Polizeiausweis übernahm das Geld und die Wertsachen – über 175 000 Euro – waren auf Nimmerwiedersehen verschwunden.

Erschreckend hohe Zahl an Straftaten

Rudi Cerne meldete in der ZDF-Sendung „Vorsicht Falle“, dass im vergangenen Jahr alleine in Baden-Württemberg sieben Millionen Euro von falschen Polizisten ergaunert wurden.

Oberstaatsanwalt Björn Pfeifer von der Staatsanwaltschaft Traunstein sagt, dass es in ihrem Zuständigkeitsbereich immer wieder Ermittlungsverfahren in Sachen falsche Polizeibeamte gebe. Dabei gehe es regelmäßig um Betrugsdelikte, aber auch um Amtsanmaßung. „Derartige Ermittlungen führte unsere für grenzüberschreitende Sachverhalte und organisierte Kriminalität zuständige Abteilung im Jahr 2019 in jedenfalls sechs Fällen und 2020 in zumindest fünf Fällen durch. Dabei wurden meist mehrere Betrugstaten (teilweise mit im Bundesgebiet verteilten Tatorten) abgearbeitet. Regelmäßig wird in den einzelnen Komplexen auch gegen mehrere Beschuldigte ermittelt“.

Das Verbrechen schläft nicht

Zusammenfassend ist festzustellen: Organisierte Verbrecherbanden entwickeln immer wieder neue Methoden, um an das Vermögen leichtgläubiger Zeitgenossen zu kommen. Ein gesundes Misstrauen kann hier schützen.

Wie kann man sich schützen?

Die Polizei würde niemals von Bürgern Geld verlangen. Ebenso wenig verlangt sie Auskünfte über Wertsachen oder verwahrt diese. Betroffene sollten mit Angehörigen oder vertrauten Personen über solche Anrufe sprechen. Unbekannten Personen darf man niemals Geld oder Wertsachen aushändigen, nichts überweisen. Bei entsprechenden Telefonaten am besten: Auflegen. Anschließend sollten sich mögliche Opfer an das örtliche Polizeirevier wenden und dabei die Nummer von diesem selbst heraussuchen. Auch sollte man auf keinen Fall die Rückruftaste benützen.

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