Betrugs-Mail: Der Traum vom leichten Geld mit Bitcoins ist für einen Mühldorfer geplatzt

  • Markus Honervogt
    vonMarkus Honervogt
    schließen

Es ist der Wunsch vieler: Ohne viel Aufwand sehr viel Geld verdienen. Natürlich ohne Risiko. Ein Mühldorfer hat es gewagt. Er wollte Bitcoins verdienen - und hat sein Geld verloren. Trotzdem ist er mit einem blauen Auge davon gekommen.

Mühldorf – Die E-Mail, die in Hans Meiers Postfach landet, sieht nicht nur sehr echt aus. Sie verspricht vor allem einen Riesengewinn, für den nicht viel zu tun ist. Meier macht mit, doch schon bald dämmert ihm, dass er Betrügern aufgesessen ist.

Der Artikel, den Meier per E-Mail erhalten hat, stammt angeblich von Bild online und berichtet über eine Sendung der Reihe „Höhle der Löwen“, die nicht hätte ausgestrahlt werden dürfen. Denn dort hätten Zuschauer einen einfachen aber totsicheren Weg aufgezeigt bekommen, wie sie mit geringem Einsatz und noch geringerem Zutun Tausende Bitcoins verdienen konnten. Beides ist falsch: Die Mail kommt weder aus der Redaktion von „Bild Online“, noch gab es eine entsprechende TV-Folge der Reihe „Höhle der Löwen“.

Der Anruf der Betrüger kam prompt

Hans Meier (Name von der Redaktion geändert) schlägt schnell zu. Über einen Button auf der Internetseite nimmt er Kontakt mit Grandfex auf, der Firma, die die sagenhaften Gewinne verspricht. Er macht es wie der angebliche Bild-Redakteur in dem Online-Artikel, der nach drei Tagen jubelt: „So viel Geld verdiene ich nicht mal im Monat.“

Auch interessant: Was tun bei Identitätsdiebstahl?

Meier meldet sich an. Nach kurzer Zeit erhält er einen Anruf. Dem Anrufer sagt Meier, dass er gerne 250 Euro investieren möchte, die Minimalsumme, so wie im angeblichen Bildartikel empfohlen. Sein Gegenüber, der sich Johan Greiter nennt, insistiert, rät dazu, mehr anzulegen, doch Meier bleibt standhaft. 250 Euro, mehr nicht. „Mit 250 Euro darf man zwar nicht so viel erwarten, aber ich wollte es auch erst mal ausprobieren“, sagt er.

Überweisung auf ein Konto auf Zypern

Der Anrufer – er spricht Deutsch mit mutmaßlich holländischem Akzent – lässt den 75-jährigen pensionierten Arzt ein Programm auf seinen Rechner laden, mit dessen Hilfe er die 250 Euro überweisen kann. Als Sofortüberweisung, das Geld geht also auf Knopfdruck direkt von seinem Konto weg. Meier sagt: „Der Anrufer ist offensichtlich in meinem Computer gewesen.“ Das Konto ist auf Zypern.

Lesen Sie auch:
Spektakulärer Fall: Internet-Betrüger erbeuten eine halbe Million Euro

Schon am Tag danach dämmert Meier, dass er das Geld wohl nie wiedersehen wird. „Ich habe das sehenden Auges gemacht.“ Und „Die bequatschen einen, dass dir schwindlig wird.“ Mit mehreren Emails kündigt er sein Konto, verlangt das Geld zurück. Bis heute ist nichts gekommen. Wenn er sich bei seinem Konto einwählt, sieht er statt der versprochenen Steigerung auf über 7000 Euro nur etwa 25 Euro Zugewinn. 25 Euro, an die er genauso wenig kommt, wie an die eingezahlten 250.

Anruf bei Herrn Greiter von Grandfex

Seine Bank bestätigt Meiers Vermutung. Er könne die Überweisung zwar zurückrufen, der Empfänger müsse aber zustimmen und das sei sehr unwahrscheinlich.

Ein Anruf bei Herrn Greiter von Grandfex bleibt ohne Erfolg. Die Nummer ist in England registriert, auf englisch werden Anrufer aufgefordert, sich für eine Sprache zu entscheiden: Englisch, Deutsch, Dänisch. Wer die eins drückt, landet im englischen Menü und hört Musik. Für die zwei – angeblich die deutsche Fassung – gibt es hektische Besetzttöne. Herr Greiter geht jedenfalls nicht dran.

Zur Polizei geht Meier zunächst nicht. Das sollte er aber dringend tun, rät Alexander Huber vom Polizeipräsidium. Ob es Ermittlungen gegen die Betrüger gibt, das der Polizeisprecher nicht sagen, ein auffällige Häufung dieses Falls in der Region ist ihm aber nicht bekannt.

PC-Fachleute warnen vor Virus

Infos über die Betrugsmasche gibt es im Internet. Das Fachportal chip.de berichtet im März über den Betrugstrick, der seit 2018 im Umlauf sein soll. Die Computerspezialisten sind entsetzt: „Wird die Software installiert, ist der PC mit einem Virus verseucht.“ Und bestätigen, was Meier vermutet hat: „Wer seine Bankdaten eingibt, leitet sensible Daten an Kriminelle weiter. Denn die Betrüger haben über Malware und das Programm Zugriff auf den PC erhalten und können alle Eingaben mitverfolgen.“

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare