Im Gespräch mit Thomas Einwang

Bürgermeister befürchtet: Buchbach wird den Gürtel enger schnallen müssen

Er sieht die weitere wirtschaftliche Entwicklung mit Sorge. Bürgermeister Thomas Einwang hat Zweifel, ob die Marktgemeinde im Jahr 2022 einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen kann.
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Er sieht die weitere wirtschaftliche Entwicklung mit Sorge. Bürgermeister Thomas Einwang hat Zweifel, ob die Marktgemeinde im Jahr 2022 einen genehmigungsfähigen Haushalt aufstellen kann.
  • Harald Schwarz
    vonHarald Schwarz
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Buchbach – Seit einem Jahr ist der Covid-Virus das alles beherrschende Thema. Bürgermeister Thomas Einwang äußert sich zum Jahr 2020 und den Plänen der Marktgemeinde für dieses Jahr.

Seit einem Jahr ist der Covid-19-Virus das alles beherrschende Thema. Buchbachs Bürgermeister Thomas Einwang äußert sich zum Jahr 2020 und den Plänen der Marktgemeinde für dieses Jahr.

Wie nehmen Sie das als Bürgermeister wahr?

Thomas Einwang: „Corona bestimmt tatsächlich unser aller Leben. Sei es privat, beruflich und auch gesellschaftlich. Nachdem der Virus nicht nur unsere persönliche Gesundheit, sondern unser Gesundheitssystem bedroht, ist das in gewisser Weise aber auch nachvollziehbar.“

Wie hat sich ihre Arbeit durch den Virus verändert?

Einwang: „Das Virus wirkt sich vor allem auf meinen Terminkalender aus. Vor Corona waren die Abende oft für Versammlungen und Veranstaltungen der zahlreichen Vereine und Institutionen belegt. Lediglich im September nutzten einige Vereine noch die Möglichkeit, um im Rahmen der Hygienekonzepte ihre Versammlungen durchzuführen. Um physische Kontakte zu reduzieren, greife ich auf die Möglichkeit von Video-Konferenzen zurück. Diese virtuellen Möglichkeiten werden aber nie die persönlichen Kontakte ersetzen können.“

Wie wirkt er sich auf die Arbeit im Rathaus aus?

Einwang: „Auch hier zeigt das Virus erhebliche Auswirkungen. Neben dem Schutz der Mitarbeiter vor Ansteckung gilt es, die Behörde am Laufen zu halten und die Dienstleistung sowie die Abarbeitung der Aufgaben sicherzustellen. Um Kontakte zu reduzieren, haben wir mittlerweile für alle Mitarbeiter in der Verwaltung die Möglichkeit des mobilen Arbeitens geschaffen. Mit einem Wechsel zwischen Homeoffice und Präsenz im Rathaus sowie durch Terminvereinbarungen mit den Bürgern verringern wir die Kontakte zwischen den Mitarbeitern und den Bürgern und stellen die Dienstleistung der Behörde sicher.“

Welches Feedback bekommen sie aus der Buchbacher Geschäftswelt?

Einwang: „Die örtlichen Dienstleistungsbetriebe und vor allem der Einzelhandel haben die Beschränkungen massiv zu spüren bekommen. Auch wenn mittlerweile durch „Call&Collect“ etwas an Umsatz generiert werden kann, ist dies nur der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Ein massives Problem haben natürlich auch die Gastwirtschaften und Speiselokale. Auch hier kann man mit „To Go“-Angeboten nur einen kleinen Teil der notwendigen Einnahmen erzielen. Bei den Handwerksbetrieben zeigen sich aktuell noch keine Umsatzeinbußen, sie sehen der Zukunft aber auch mit gewisser Sorge entgegen.“

Bereiten Ihnen die negativen wirtschaftlichen Prognosen Sorge?

Einwang: „Klar bereiten mir die Prognosen Sorgen. Ich bin sogar der Meinung, dass wir uns noch gar nicht ausmalen können, welche gravierenden Folgen ein noch längerer Lockdown nach sich ziehen wird.“

Wirkt sich die Coronapandemie auch negativ auf die Gemeindefinanzen aus?

Einwang: „Selbstverständlich wird sich die Pandemie negativ auf die Finanzen der Kommunen auswirken. Neben der Gewerbesteuer werden wir in Buchbach in den nächsten Jahren vor allem Einbrüche bei der Einkommensteuerbeteiligung verkraften müssen. Ergänzt um die steigenden Umlagen an den Landkreis werden wir somit deutlich weniger Geld für unsere Aufgaben zur Verfügung haben.“

Können Sie schon abschätzen, wie schlimm das aussehen wird?

Einwang: „Gott sei Dank haben wir in Buchbach bislang noch keinen gravierenden Rückgang der Gewerbesteuer zu verzeichnen, sodass wir in 2020 noch mit einem blauen Auge davongekommen sind. Das wird sich 2021 meiner Meinung nach aber ändern. Neben der Erhöhung der Kreisumlage gehen wir heuer auch von einem Rückgang der Einkommensteuerbeteiligung aus. Im Jahr 2022 werden wir die Auswirkungen noch deutlicher spüren. Neben einer weiteren Erhöhung der Kreisumlage wird sich auch die Einkommensteuerbeteiligung vermutlich nicht erholen. Zu hoffen bleibt, dass der Staat die zugesagten Zuschüsse auch zeitnah auszahlen kann. Ansonsten werden wir große Probleme bekommen, ab 2022 einen genehmigungsfähigen Haushalt erstellen zu können.“

Müssen Investitionen möglicherweise verschoben werden?

Einwang: „Das wird sich aus meiner Sicht nicht vermeiden lassen. Welche das sind? Darüber wird sich der Marktgemeinderat intensive Gedanken machen müssen.“

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Worauf wird in diesem Jahr der Fokus bei den Investitionen liegen?

Einwang: „Was die Höhe der Investitionen betrifft, liegt der Fokus in diesem Jahr auf der Sanierung und dem Umbau des Schulgebäudes Ranoldsberg, dem kommunalen Wohnungsbau mit dem Neubau des Wohngebäudes Marktplatz 7 sowie dem Breitbandausbau im Außenbereich. Darüber hinaus werden sich aber auch der beschlossene Neubau eines Bauhofs, die Wärmeversorgung in der Schulstraße, Investitionen in die Kläranlage und die Wasserversorgung sowie verschiedene Ersatzbeschaffungen auf die Investitionen auswirken.“

Ist die Finanzierung gesichert?

Einwang: „Für die bereits auf den Weg gebrachten und begonnenen Maßnahmen ist die Finanzierung auf alle Fälle gesichert. Welche Projekte neu begonnen werden können, wird sich in den nächsten Wochen zeigen.“

Im Mai 2020 hat der neugewählte Marktgemeinderat seine Arbeit aufgenommen. Wie ist die Zusammenarbeit?

Einwang: „Nachdem sich ja in Buchbach das halbe Gremium quasi „erneuert“ hat, ist es nachvollziehbar, dass am Anfang nicht gleich alles „rund“ läuft. Mit Beginn der neuen Wahlperiode wurden zudem einige organisatorische Änderungen bei der Sitzungsvorbereitung beschlossen. So wurden die Fristen so angepasst, dass die Mitglieder bereits fünf Tage vor der Sitzung die Sachvorträge und Unterlagen zur Verfügung gestellt bekommen, um sich entsprechend vorbereiten zu können. Zudem werden alle Unterlagen nur noch digital zur Verfügung gestellt. Die Zusammenarbeit möchte ich insgesamt als gut bezeichnen, auch wenn es bei der einen oder anderen Diskussion und Entscheidung möglicherweise einen anderen Eindruck vermittelt hat. So hat sich das Gremium im Oktober bereits zu einer zweitägigen Klausur zurückgezogen um die gemeinsamen Ziele für Buchbach zu diskutieren.“

Welche Entscheidung hat sie im Jahr 2020 viel Energie gekostet?

Einwang: „Das war sicherlich die Entscheidung über die Zukunft des gemeindlichen Bauhofs. Hier konnte der „alte“ Marktgemeinderat unter anderem wegen Corona leider keine Entscheidung mehr treffen, sodass sich das „neue“ Gremium erst über Monate einarbeiten musste, was auch in der Verwaltung zu Mehrarbeit geführt hat.“

Was bedeutet dies für ihre weitere Arbeit?

Einwang: „Sie meinen vermutlich die Entscheidung gegen eine Zweckverbandslösung. Die Entscheidung ist in einem demokratischen Prozess gefallen und ist zu akzeptieren und auch zu respektieren. Auch wenn ich es mir anders gewünscht hätte, was ja kein Geheimnis ist, hat diese Entscheidung keine Auswirkung auf meine Arbeit. Ich wurde von den Bürgern dafür gewählt, das Beste für die Gemeinde zu erreichen.“

Über welche Nachricht würden Sie sich in diesem Jahr freuen?

Einwang: „Dass der Corona-Virus mit all seinen Mutationen keine Gefahr mehr für unser Leben und unser Gesundheitssystem darstellt!“

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