Geheimnisvolle Brandserie in Pürten: Rätsel um den Wochenend-Feuerteufel

Wieder lodern freitags die Flammen: Vor drei Tagen brannte ein Hof in Rausching Fib/Eß
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Wieder lodern freitags die Flammen: Vor drei Tagen brannte ein Hof in Rausching 
  • Michael Weiser
    vonMichael Weiser
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Keine Zeugenaussagen, offenbar noch keine zielführenden Erkenntnisse aus den Ermittlungen heraus, noch keine Hinweise auf den mutmaßlichen Brandstifter: Auch gut zehn Monate nach dem Beginn der Pürtener Serie mit sieben Bränden tappt die Polizei im Dunkeln. Was auffällt: Es brennt meist am Wochenende.

Waldkraiburg – Am vergangenen Freitagabend im Waldkraiburger Ortsteil Rausching. Meterhohe Flammen schlugen aus dem Dachstuhl eines 400 Jahre alten Bauernhauses. Zum Glück ist es unbewohnt. Rund 150 Feuerwehrleute aus dem gesamten Umkreis tun dennoch alles, um das alte Haus zu retten. Unter anderem legen sie mühselig eine lange Schlauchleitung zum nächstgelegenen Hydranten – in einer Entfernung von 500 Metern.

Weiterhin keine Ergebnisse bei Ermittlungen

„Es gibt keine heiße Spur“, teilte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Süd auf Anfrage der OVB-Heimatzeitungen mit. Eine Ermittlungsgruppe sei nicht eingerichtet worden, doch drei Beamte seien mit den Ermittlungen befasst. Leider seien aber auch wiederholte Zeugenaufrufe auf kein Echo gestoßen.

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Die Gemeinsamkeiten der Brände - unbewohnte, wenn nicht gar abgelegene Gebäude, Brandausbruch an einem Abend eines Wochenendes, der zeitliche Zusammenhang, vor allem aber die auffallende Nähe zu Pürten – drängen jedem Betrachter den Gedanken an eine Serie auf. Vielleicht sogar an Brandstiftung in Serie: In drei Fällen sehen die Ermittler sogar offenbar deutliche Hinweise auf ein vorsätzlich gelegtes Feuer.

Schwierige Ermittlungen

Vor allem bei Vollbränden gestaltet sich die Untersuchung der Brandfahnder jedoch nicht einfach. Man gehe erst einmal von dem Punkt aus, an dem die höchsten Temperaturen geherrscht hatten, nachweisbar etwa durch Verrußung. Indizien auf eine Brandstiftung wären etwa Aufbruchsspuren oder mehrere Brandherde. Als sicherer Hinweis gelten auch sogenannte Brandbeschleuniger. Sie sind beispielsweise in Materialproben nachweisbar, durch Detektionsgeräte oder durch Brandmittelspürhunde. Bei Bränden wie zuletzt in Rausching oder in einer Schreinerei in Riedering schließt die anschließende Einsturzgefahr den Einsatz der Hunde aus.

Das Muster der Serie

Ein Muster: Von 29. März 2019 bis 17. Januar 2020 brachen im Umkreis weniger hundert Meter um Pürten herum acht Brände aus. Von diesen acht Bränden innerhalb eines Dreivierteljahres brachen sechs an einem Wochenende aus. Die Flammen lodern aus Gartenhütten, Scheunen, Hallen, Menschen sind nicht anwesend. Ob’s Brandstiftung in Serie war? Erwiesen ist noch nichts. Merkwürdig ist diese Serie auf jeden Fall.

Der einzige Brand eines bewohnten Gebäudes – der am 10. Januar in Gänsberg – ist mittlerweile auf einen technischen Defekt zurückgeführt werden.

Brenzlige Gerüchte und emotionaler Aufruf des Feuerwehrkommandanten

Steckt ein Feuerwehrmann dahinter? Das Gerücht macht die Runde. Michael Heindl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Pürten kann das wie alle seine Kollegen nie ganz ausschließen. „Solange da nichts geklärt ist, flackern bei so was immer Gerüchte auf. Es nervt! So lange es keine Anhaltspunkte gibt, sind das alles Spekulationen, und daran beteilige ich mich nicht.“ 

Einen Verdacht habe er nicht, er befürchte aber, dass die ganze Angelegenheit auch die Stimmung in seiner Truppe drückt. „Wir haben eine so gute Mannschaft aufgebaut, eine wirklich schlagkräftige Truppe, hoffentlich wirf das keinen Schatten auf uns“, sagt er. „Mich belastet das.“ Er wiederholt seinen Aufruf vom vergangenen Jahr, den er auf Facebook postete.

Michael Heindl richtet sich in einem offenen Brief via Facebook an den mutmaßlichen Brandstifter. Es seien glücklicherweise noch keine Menschen zu Schaden gekommen, schreibt Heindl. Und weiter: Was darin nicht berücksichtigt sei, „ist der emotionale Schaden, den Sie damit beim Geschädigten anrichten“, die vielen Stunden Arbeit, die in die Gartenhütten oder die landwirtschaftliche Scheune vom Eigentümer investiert wurden, das Herzblut, das in die abgebrannten Objekte investiert worden sei, „wenn z.B.alte Sammlerstücke, Familienerbstücke oder ähnliches unwiderruflich zerstört“ werden. Vor allem aber mahnt Heindl eindringlich an den seelische Schaden der Geschädigten zu denken, „die mit der Angst leben, dass ihr Eigentum nicht mehr sicher ist und sie in ihren eigenen vier Wänden künftig kein Wochenende mehr ruhig schlafen werden“.

Die Chronik der ungeklärten Brände: 

Brand 1 - Freitag, 29. März 2019: 200.000 Euro Schaden richtet ein Feuer an, das in von Freitag auf Samstag eine landwirtschaftliche Halle in der Nähe des Innkanals zerstört. Trotz des schnellen Einsatzes der Wehren wird eine landwirtschaftliche Halle, in der neben Bau- und Heizmaterialien auch landwirtschaftliche Maschinen und Geräte eingestellt sind, weitestgehend zerstört. Die Feuerwehren können ein Übergreifen der Flammen auf eine angrenzende Scheune verhindern, doch auch sie wird in Mitleidenschaft gezogen.

Brand 2 - Samstag, 6. April 2019: Es brennt eine Gartenhütte, auf 10.000 Euro wird der Schaden geschätzt.

Brand 3 - Sonntag, 14. April 2019: Sonntagabend kurz nach 22.30 Uhr. Die Feuerwehren aus St. Erasmus und Pürten werden alarmiert, um einen Brand zu löschen. In Pürten steht ein Holzschuppen in Flammen – nicht weit entfernt von der Innkanalbrücke. Fahnder gehen „sehr sicher“ von vorsätzlicher Brandstiftung aus. Schaden: 5000 bis 10 000 Euro.

Brand 4 - Donnerstag, 4. Juli 2019: In den frühen Morgenstunden bricht ein Brand aus, der 60.000 Euro Sachschaden verursacht. Die Lagerhalle eines Entsorgungsunternehmens, in der Sperrmüll und andere Gegenstände, die bei Entrümpelungen anfallen, brennt teilweise nieder, die Flammen haben außerdem den gesamten Dachstuhl erfasst. Ist es Brandstiftung? Die Polizei ermittelt.

Brand 5 - Mittwoch, 14. August 2019: Ein 19-Jähriger sieht an diesem Mittwoch gegen 22.50 Uhr Rauch aus dem Gartenhäuschen eines Anwesens in Pürten aufsteigen. Die sofort alarmierte Feuerwehr kann die Flammen schnell löschen und somit einen größeren Schaden verhindern. Vorsätzliche Brandstiftung ist nicht auszuschließen.

Brand 6 - Sonntag, 29. September 2019: Rund 40 000 Euro Schaden. Auf diese Summe schätzt die Polizei den Schaden durch ein Feuer nahe Pürten, dem an einem Freitagabend ein landwirtschaftlicher Unterstand zum Opfer fällt. Zerstört werden dabei landwirtschaftliche Anhänger. Die Polizei legt sich fest: „Vieles deutet in diesem Fall auf ein Brandstiftungsdelikt hin.“

Brand 7 - Freitag, 17. Januar 2020: Ein Feuer bricht in einem 400 Jahre alten Bauernhaus im Waldkraiburger Ortsteil Rausching aus. Schaden: Rund 150 000 Euro. Wieder ist es ein Freitag, wieder lodern die Flammen aus einem unbewohnten Gebäude, wieder in der Nähe von Pürten. Anwohner und zunehmend auch die Männer und Frauen der Feuerwehr wollen nicht mehr an einen Zufall glauben.

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