Wasserwacht: Jüngere Kinder zu 100 Prozent vor dem Ertrinken zu schützen ist schwierig

Ein Bild aus dem Jahr 2016, als die Wasserwacht am Tachinger See nach einem Asylbewerber gesucht hatte, diesen aber nur tot bergen konnte.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Am 13. Juli ist ein 4-Jähriger nach einem Sturz in einen Bach in Tüßling verstorben. Die Kreiswasserwacht Altötting erklärt, wie schwer es ist, jüngere Kinder auf die Gefahren des Wassers vorzubereiten.

Tüßling/Altötting – Auf tragische Weise kam ein vierjähriger Bub am Sonntagvormittag in Tüßling ums Leben, weil er in den Mörnbach gefallen war. Was können Eltern tun, um das Kind vor den Gefahren des Wassers zu bewahren? Martin Wiedenmannott, Pressesprecher der Wasserwacht des Kreises Altötting, sagt, es sei eine schwierige Aufgabe.

Schwimmkurse für Kinder ab fünf Jahren

Er sagt, dass es grundsätzlich sehr schwierig sei, ein Kleinkind in diesem Alter vor den Gefahren des Wassers zu schützen. „Es ist sehr selten der Fall, aus deinem Vierjährigen einen Schwimmer zu machen. Das sind absolute Ausnahmefälle!“ Wiedenmannott empfiehlt aber allen Eltern, Kinder im Vorschulalter, ab fünf Jahre, in einen Schwimmkurs zu schicken. „Wenn das Kind in die Schule kommt, sollte es schwimmen können“, sagt er.

Was Eltern immer tun können, ganz unabhängig vom Alter: Das Kind an das Wasser zu gewöhnen, es für das Element Wasser zu sensibilisieren. „Es kann lernen, im Wasser zu gleiten. Auch schon Taucherfahrung machen und dabei merken, dass dies nicht gefährlich ist. Man kann damit grundsätzlich die Angst vor dem Wasser mindern.“

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Auch ältere Kinder im Blick haben

Doch stets sei die Aufmerksamkeit der Eltern erforderlich. Diese Warnung richtet Wiedenmannott nicht nur an Eltern von Kindern im Kindergartenalter. Gerade jetzt, in Zeiten von Corona, da an vielen Seen geschulte Aufsichtspersonen der Wasserwacht fehlten, müsse man das Auge auf die Kinder haben.

Hitze als Gefahr am Wasser

Denn auch ein Krampf in den Beinen könne bereits zu einer gefährlichen Situation führen – übrigens in jedem Alter. Auch hitzebedingt können sich lebensbedrohliche Situationen entwickeln. „Man sollte die Kinder auch dann beobachten, wenn ein Bademeister anwesend ist. Der kann schließlich auch nicht alles überblicken“, empfiehlt Wiedenmannott bei Besuchen in Freibädern.

Mit „Plitsch-Platsch„ die Kinder sensibilisieren

Um die Kinder zu sensibilisieren, leistet auch die Wasserwacht ihren Teil. Mit ihrem Projekt „Plitsch-Platsch“ besuchen die ehrenamtlichen Helfer die Kindergärten und klären die Kinder spielerisch über die Gefahren des Wassers auf. Die Handpuppe „Plitsch-Platsch“ erklärt den Kindern dann, dass man sich zum Beispiel von Fließgewässern fernzuhalten habe.

20 Rettungseinsätze für die Wasserwacht pro Jahr

Wenn die Wasserwacht, in diesem Fall im Landkreis Altötting, ausrücken muss, dann handle es sich in den meisten Situationen um Unfälle, berichtet Wiedenmannott. Tatsächlich sind es dann Fließgewässer der Inn, der Innkanal, die Alz und die Salzach zu denen die Wasserwacht gerufen werde. Von 20 Einsätzen pro Jahr spricht Wiedenmannott. In den allermeisten Fällen sind es keine lebensbedrohlichen Situationen.

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