Wirte in und um Mühldorf freuen sich über Lockerung der Corona-Regeln, haben aber neue Sorgen

Zeit für den Umbau genutzt: Die Bastei ist frisch renoviert, Geschäftsführerin Stephanie Nömeier im noch leeren Gastraum, der sich frühestens in drei Wochen wieder füllen darf. Damit das möglich wird, müssen die Wirte strenge Hygieneauflagen einhalten. Honervogt
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Zeit für den Umbau genutzt: Die Bastei ist frisch renoviert, Geschäftsführerin Stephanie Nömeier im noch leeren Gastraum, der sich frühestens in drei Wochen wieder füllen darf. Damit das möglich wird, müssen die Wirte strenge Hygieneauflagen einhalten. Honervogt
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Nach der Lockerung der Corona-Ausgangsbeschränkungen haben Wirte in der Region begonnen, die Wiedereröffnung vorzubereiten. Im Zentrum steht die Erfüllung der Auflagen zur Sicherheit von Gästen und Mitarbeitern.

Mühldorf – Trotz der Lockerungen der Corona-Ausgangsbeschränkungen bleiben die Wirte in der Region skeptisch, ob die neuen Bestimmungen ihre wirtschaftliche Not lindern können. Derzeit sind sie dabei, ihre Wirtshäuser für die Wiedereröffnung vorzubereiten.

Manche, wie die Grillstube in Starkheim, haben in den letzten Wochen versucht, sich mit Essen „to go“ über Wasser zu halten. Ein Vorhaben, das laut Werner Kellner für sein Ausflugslokal abseits der Stadt Mühldorf nur mühsam gelaufen ist und kein Ersatz zum normalen Geschäft gewesen sei.

Zwangsschließung für Umbauten genutzt

Andere haben umgebaut: Beim Kreuzerwirt in Mettenheim dürfen sich Gäste über eine neue Heizung freuen. „Das war allerdings schon vor Corona geplant“, erklärt Senior-Chef Michael Gebler. Die Bastei in Mühldorf hat das ganze Restaurant renoviert. Neue Böden, Möbel, Tresen, die Nebenräume anders gestaltet. Jetzt ist alles fertig, die Gäste könnten kommen, sagt Geschäftsführerin Stephanie Nömeier.

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Ob sie es tun, darüber gehen die Meinungen auseinander. Holger Nagl, Wirt in Hammer und Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbands fürchtet, dass den Gäste durch Abstandsregeln und Mundschutzpflicht des Personals den Spaß am Wirtshausbesuch verlitten wird. Bastei-Chefin Nömeier blickt eher mit Sorge auf die wirtschaftliche Lage vieler Menschen. „An die Masken haben sich die Leute gewöhnt.“

Müssen sie auch, wollen sie ab 18. Mai im Biergarten sitzen. „Das Personal wird auf jeden Fall immer mit Masken arbeiten“, versichert Georg Mosser. Im Biergarten seines Jettenbacher Hofs in Mühldorf hat er infolge der Ankündigungen die Anzahl der Sitzplätze drastisch von rund 120 auf etwa 30 bis 40 reduziert. „Die großen Biertische lasse ich weg und stattdessen Tische für vier Personen aufgestellt. Die sind etwa zwei Meter auseinander.“ Wirklich rentieren würde sich ein Betrieb so zwar nicht, aber auf jeden Fall möchte der Gastronom für seine vielen Stammgäste auch jetzt in der Krise da sein.

Was, wenn ein Mitarbeiter an Corona erkrankt?

Die Wirte treibt noch eine weitere Sorge um: „Was ist, wenn tatsächlich bei einem Mitarbeiter Corona festgestellt wird?“, fragt Hammerwirt Nagl. Wer würde dann die möglicherweise anrückende Desinfektionskolonne des Gesundheitsamtes bezahlen? Müsste dann das ganze Wirtshaus desinfiziert werden. Stephanie Nömeier überlegt, in der Bastei in zwei Schichten zu arbeiten, damit sich die Mitarbeiter nicht begegnen. So müsste nur eine Schicht in Quarantäne, sollte der Ernstfall eintreten.

Für die Gäste sieht sie dagegen keine Gefahr. „Die ist sehr gering.“ Jeder Gastronom gewährleiste ohnehin Hygienevorschriften und garantiere die Abstandsregeln.

Völlig perspektivlos, sind dagegen Betriebe, die von den neuen Regeln nicht profitieren. Der Inhaber der Sportsbar Fortuna in Mühldorf, Michael Rötzer, sagt: „Das betrifft uns ja gar nicht, für uns ist die Lage weiter unklar!“. Er überlegt Rötzer, den Außenbereich seiner Billiard-Bar aufzuwerten, damit er ab 18. Mai wenigstens einige Gäste bewirten kann.

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Noch weiter geht Armin Mühlauser, gelernter Elektriker, der die Bowlingbahn im Mühldorfer Kino betreibt und die Kioske im Mühldorfer und Töginger Freibad. Wegen des vermutlichen Totalausfalls der Badesaisonüberlegt er, wieder in seinem alten Beruf tätig zu werden und als Wirt oder Kiosbetreiber nur noch nebenbei zu arbeiten: „Wenn jemand bowlen will, dann kann man das ja auch für nach 18 Uhr ausmachen!“, sagt Mühlhauser.

So sieht der Fahrplan für die Wirtshäuser aus

Für die Gastronomie hat das bayerische Kabinett eine schrittweise Öffnung beschlossen. Ab 18. Mai wird Außengastronomie bis 20 Uhr wieder erlaubt. Speiselokale dürfen unter strengen Auflagen am 25. Mai öffnen, ab 30. Mai können Hotels wieder Gäste beherbergen.

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