Ganz Kraiburg rätselt über 30 zerstochene Lkw-Reifen: Polizei hat noch keine heiße Spur

„Das schafft man nicht mit einem Messer“, sagt Rainer Stangl. Da waren Leute am Werk, die sich auskennen, glaubt der Fuhrunternehmer, der nach einer Nacht-und-Nebel-Aktion unbekannter Täter 30 kaputte Lkw-Reifen ersetzen musste und einen Schaden von weit über 15000 Euro beklagt.
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„Das schafft man nicht mit einem Messer“, sagt Rainer Stangl. Da waren Leute am Werk, die sich auskennen, glaubt der Fuhrunternehmer, der nach einer Nacht-und-Nebel-Aktion unbekannter Täter 30 kaputte Lkw-Reifen ersetzen musste und einen Schaden von weit über 15000 Euro beklagt.
  • Hans Grundner
    vonHans Grundner
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Seit Monaten tobt ein erbitterter Streit zwischen einem Fuhrunternehmer und Anliegern eines Wohngebiets in Kraiburg, die gegen dessen Ansiedlung auf die Barrikaden gehen. Jetzt wurden 30 Lkw-Reifen zerstochen. Und die Vermutung liegt nahe, dass es einen Zusammenhang zwischen Tat und Konflikt gibt.

Update 3. September

Kraiburg – Bei der Suche nach den Tätern, die in der Nacht auf Donnerstag, 20. August, im Gewerbegebiet von Kraiburg 30 Lkw-Reifen zerstochen haben, hat die Polizei bislang keine heiße Spur. Das teilt Franz Lohr, stellvertretender Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg, auf Anfrage der Heimatzeitung mit. Die Lastwagen waren auf dem Gelände der Firma Stangl an der Jennerstraße abgestellt.


Trotz etlicher Vernehmungen und Auswertungen der sozialen Medien, wo die Tat für „Aufruhr“ gesorgt habe, gebe es keine konkreten Hinweise auf die Verursacher. Das Spurenbild, das vor Ort genommen wurde, sei noch nicht ausgewertet, so Lohr weiter, der betonte: „Die Ermittlungen laufen weiter in alle Richtungen.“


Für besondere Brisanz des Vorfalls hatte die Tatsache gesorgt, dass der betroffene Fuhrunternehmer seit Monaten mit Anliegern eines benachbarten Wohnviertels im Streit liegt, die die Ansiedlung des Betriebs verhindern wollen. Ein Sprecher der Anlieger hatte sich ausdrücklich von der Tat distanziert.

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Die Erstmeldung vom 28. August

Kraiburg – Der Schaden ist enorm. Gut und gerne 15 000 Euro muss Fuhrunternehmer Rainer Stangl nach eigenen Worten aufwenden, um 30 neue Reifen für seine Lastwagen anzuschaffen. Unbekannte Täter hatten die Reifen der Lkws, die im Gewerbegebiet Kraiburg standen, zerstochen. Doch nicht deshalb redet der halbe Ort über die kriminelle Nacht- und Nebel-Aktion. Brisanz bekommt der Vorfall aus einem anderen Grund. Alle stellen nur die Frage: Steht die Tat im Zusammenhang mit dem heftigen Streit zwischen dem Unternehmer und Anwohnern der nahen Wohnsiedlung?

Polizei ermittelt in alle Richtungen

Erwiesen ist das keineswegs. Georg Deibl, Leiter der Polizeiinspektion Waldkraiburg, will die Gerüchte nicht bewerten. Er verweist auf laufende Ermittlungen der Polizei, die in jede Richtung ergebnisoffen seien. Doch auch Bürgermeisterin Petra Jackl macht sich Sorgen, dass die Auseinandersetzungen zwischen Unternehmer und Anliegern weiter eskalieren.

Es geschah Mitte der vergangenen Woche. Irgendwann zwischen Mittwoch, 15 Uhr, und Donnerstag, 8 Uhr, müssen ein oder mehrere Unbekannte sich an zwei Zugmaschinen und drei Lkw-Aufliegern zu schaffen gemacht haben, die auf einem Grundstück an der Jennerstraße abgestellt waren. Am nächsten Morgen stellte ein Mitarbeiter von Stangl Cargo fest, dass an zahlreichen Reifen die Luft raus war.

„Da ist ein Metallgewebe drin. Das schafft man nicht mit dem Messer“, sagt Rainer Stangl, der vor einem platten Reifen kniet und den Kopf schüttelt. Da war jemand unterwegs, der sich auskennt. Vermutlich mit einer Bohrmaschine seien die Seitenflanken der Reifen beschädigt worden.

Nicht bei allen sei die Luft ausgegangen. Durch ersetzen muss er trotzdem alle 30 Reifen. Wenn die Seitenflanke einmal versehrt sei, dann seien die Dinger nicht mehr zu reparieren. „Wenn einer platzt und es gibt einen Unfall, wäre ich dran.“

Weit über 15.000 Euro Sachschaden

15.000 Euro kosten ihn die Reifen, die Arbeitszeit, die er am Samstag mit sieben Mitarbeitern fürs Wechseln aufgebracht habe, sei da nicht mit drin, ebenso wenig der Verlust, der durch die Ausfallzeiten der Fahrzeuge entstanden ist. Ob die Versicherung zahlt, sei noch nicht geklärt, sagt der Geschädigte.

„Was da alles hätte passieren können!“ Cornelia Tittel, Stangls Verlobte, mag sich das gar nicht vorstellen. Kriminell sei so was, „kriminell und gefährlich.“ Für einen Dummen-Jungen-Streich sei das Kaliber eine Nummer zu groß.

Und gegen einen vandalistischen Akt, der zufällig Fahrzeuge der Firma Stangl betroffen hat, spricht die Tatsache, dass das Betriebsgelände nicht exponiert an der Staatsstraße, sondern eher abgelegen ist.

Erbitterter Streit um Firmenprojekt

Wer oder was steckt dann hinter dieser Tat? Rainer Stangl, der 5000 Euro Belohnung für sachdienliche Hinweise ausgesetzt hat, die zur Aufklärung der Tat führen, äußert keinen konkreten Verdacht. Das muss er auch gar nicht. Denn ganz Kraiburg weiß um den erbitterten Streit mit den Anliegern um das 3000 Quadratmeter große Grundstück an der Jennerstraße.

Facebook-Posts sorgen für böses Blut

Gegenseitig bezichtigen sich die Parteien der Falschinformation und Lüge. Für böses Blut haben nicht zuletzt Facebook-Posts aus dem Lager der Gegner gesorgt. Ihr Tenor: Wir werden schon dafür sorgen, dass der Stangl die Schnauze von Kraiburg voll hat. Daran erinnert der Unternehmer jetzt.

Anlieger distanzieren sich von Attentat

Franz Oberbacher, einer der Sprecher der Bürgerinitiative gegen das Vorhaben, bestreitet nicht, dass es solche Posts gab. Gleichzeitig distanziert er sich im Namen der Gruppe „entschieden von diesem Attentat. Solche Methoden lehnen wir ab. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das jemand von uns war.“

Von der Gemeinde fordert er eine Lösung des Konflikts. „Ein Unding“ sei es gewesen, Stangl so nahe ans Wohngebiet zu lassen. Jetzt müsse die Kommune ein Grundstück beibringen, um mit dem Unternehmer zu tauschen, so Oberbacher.

Doch der denkt nicht dran, das Grundstück aufzugeben, nach der jüngsten Entwicklung erst recht nicht. „Die schaffen es nicht, mich wegzukriegen. Ich lasse mich auch davon nicht beeindrucken.“

„Ich hoffe, dass da niemand Selbstjustiz betreiben möchte“, sagt Bürgermeisterin Petra Jackl, die weiß, dass die Fronten total verhärtet sind. Sie appelliert eindringlich an alle Beteiligten, den Streit nicht eskalieren zu lassen und das Klima nicht weiter zu vergiften.

Darum geht es im Streit zwischen Anliegern und Fuhrunternehmer

Ein Wohnhaus, samt Büro und Halle mit Reifenlager und einer Werkstatt, in der er kleinere Reparaturen an seinen 18 Lastwagen vornehmen und deren Reifen wechseln kann, wolle er bauen, sagt Unternehmer Rainer Stangl. „Das wird kein Speditionsgelände, meine Fahrzeuge sind bei der Kundschaft und auf der Straße“, wird er nicht müde, seit über einem Jahr immer wieder zu beteuern. Obwohl Stangl die Einhaltung der Schallschutzvorgaben gutachterlich nachweisen muss, gehen die Anlieger gegen das Projekt auf die Barrikaden.

Sie glauben dem Unternehmer nicht und fürchten starke Belastungen durch Lärm und durch zusätzlichen Lkw-Verkehr Gefahren für ihre Kinder. Massiv haben sie bei der Gemeinde protestiert, die die Entwicklung durch eine Änderung des Bebauungsplanes möglich machte. Mit einer Normenkontrollklage gegen das Bauleitplanverfahren wollen sie die Planung zu Fall bringen. Vorläufig ruhen deshalb die Arbeiten. hg

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