Fünf Millionen fürs Miteinander von Behinderten und Nichtbehinderten in Mühldorf

Einer der ersten Gäste: Stiftungsvorstand Stefan Reiter kauft bei Lea Bauer (links) und Monika Hiltmann frische Brezln. Honervogt
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Einer der ersten Gäste: Stiftungsvorstand Stefan Reiter kauft bei Lea Bauer (links) und Monika Hiltmann frische Brezln. Honervogt

Die Stiftung Ecksberg in Mühldorf hat den letzten Teil ihres alten, denkmalgeschützten Guthofs saniert. Dort eröffnen Bäckerei und Café, die mehr als frische Brezn und kleine Speisen bringen sollen.

Mühldorf - Mit einem Café und einer Bäckerei will die Stiftung Ecksberg in Mühldorf das Zusammenleben von Behinderten und Nichtbehinderten fördern und ihrem Betrieb Eib ein zweites Standbein verschaffen. Am Montag eröffnen Bäckerei und Café im ehemaligen Kuhstall des Gutshofes.

Der große Vierseithof in Ecksberg wird schon seit Langem nicht mehr für Landwirtschaft der Stiftung gebraucht. Nach und nach wurde er umgebaut und für die Arbeit mit Behinderten genutzt. Um den Kuhstall nutzen zu können, hat die katholische Stiftung jetzt fünf Millionen Euro investiert, und in dem denkmalgeschützten Bau den „Ecksbäcker“ und in einem Anbau das „Café Inneitn“ untergebracht. 15 neue Arbeitsplätze für Behinderte und Nichtbehinderte sind dort entstanden und dazu ein Ort, an dem sich Menschen treffen sollen.

Aus dem Kuhstall wird eine Bäckerei

Dabei denkt die Stiftung nicht nur an diejenigen, die in Ecksberg leben, betont Vorstand Stefan Reiter. Er hofft, dass Touristen die auf dem Innradweg fahren, vorbei kommen, Mühldorfer, die Brot und Brezn kaufen oder Kaffee trinken, Angehörige von Bewohnern, Mitarbeiter: „ein Treffpunkt und Begegnungsort für Menschen mit und ohne Behinderung“. Laut Reiter hat sich der Stiftungsvorstand für die Kombination aus Bäckerei und Café entschieden, um Produkte aus der eigenen, biologischen Landwirt verarbeiten zu können.

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Wer im Café sitzt, kann auf die Felder der Stiftung schauen, von denen die Rohstoffe stammen, die Bäcker Georg Auer, im Zweitberuf Bürgermeisterin in Zangberg, zusammen mit seinen Mitarbeiter verarbeitet. In dem über 100 Jahre alten Gewölbe des ehemaligen Stalls ist ein moderner Betrieb eingebaut worden, der die Bewohner Ecksbergs und der 30 Außenstellen mit Backwaren versorgt. Angela Niedermeier, Geschäftsführerin der Ecksberger Integrationsbetriebe Eib betont, dass in den nächsten Monaten auch Kunden außerhalb der Stiftung gewonnen werden sollen.

Damit wird die Bäckerei zu einem weiteren Geschäftsfeld der Eib, die bislang vor allem im Bereich der Gebäudereinigung tätig is. Die 70 Mitarbeiter bei Eib werden - anders als in den Ecksberger Werkstätten - nach Tarif bezahlt.

Kneippbecken nicht nur für Rollstuhlfahrer

Im hinteren Teil des ehemaligen Kuhstalls baut die Stiftung derzeit 20 Plätze in einer sogenannten Förderstätte. Dort werden tagsüber schwerstbehinderte Menschen betreut. „Die Plätze sind stark nachgefragt“, betonte Stiftungsvorstand Reiter, derzeit kann Ecksberg den Bedarf nicht mehr decken. Das soll sich mit der Fertigstellung ändern, dann kann Ecksberg sogar freie Plätze melden.

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Unterstützung erhielt die Einrichtung in Altmühldorf vor allem von der Aktion Mensch, die den Umbau stark förderte, Geld kam auch von der EU durch Leader. So entstand rund um das Café eine Infrastruktur, die von einer Ladestation für E-Bikes über ein rollstuhlgerechtes Kneippbecken bis zu Parkplätzen für Mitarbeiter und Kunden.

Die Stiftung Ecksberg in Zahlen

Bewohner: 700, davon einige in Außenwohngruppen im gesamten Landkreis: 1200

Werkstätten: 500 Mitarbeiter, die Hälfte davon wohnt nicht in der Stiftung.

Förderstätte: 163 Plätze

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