Frontalcrash bei Neumarkt-St. Veit – Doch die Feuerwehr findet die Unfallstelle nicht sofort

Sechs Kilometer weiter als gemeldet, die Einsatzkräfte waren drei Minuten länger unterwegs als geplant, aber für die Verletzten bestand keine Lebensgefahr. Der Unfallwagen ließe anderes vermuten. denn durch die Wucht des Aufpralls wurde beim Skoda der Motorblock herausgerissen. Zwei Personen wurden verletzt und kamen in Krankenhäuser.
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Sechs Kilometer weiter als gemeldet, die Einsatzkräfte waren drei Minuten länger unterwegs als geplant, aber für die Verletzten bestand keine Lebensgefahr. Der Unfallwagen ließe anderes vermuten. denn durch die Wucht des Aufpralls wurde beim Skoda der Motorblock herausgerissen. Zwei Personen wurden verletzt und kamen in Krankenhäuser.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Nicht Niederbayern, sondern Oberbayern: Unfallstelle befindet sechs Kilometer weiter als gemeldet und damit auch im Zuständigkeitsbereich einer anderen Feuerwehr. So verhalten sich Unfallmelder richtig, damit Unfallbeteiligten noch schneller geholfen werden kann und nicht wertvolle Zeit verloren geht.

Neumarkt-St. Veit/Massing – Ratlosigkeit gestern Vormittag bei der Freiwilligen Feuerwehr aus Massing. Um 5.45 Uhr wurde sie alarmiert, weil sich auf der Staatsstraße ein schwerer Unfall ereignet hatte. Allerdings: Die Angaben des Melders waren unpräzise, die Massinger fanden keinen Unfall vor, suchten auf der Staatsstraße 2086 mit Martinshorn und Blaulicht bis unmittelbar an der Stadtgrenze von Neumarkt-St. Veit, wo dann tatsächlich zwei Verletzte nach einem Frontalzusammenstoß versorgt werden mussten – sechs Kilometer weiter westlich als gemeldet. Wie kann das sein?

Schwierigkeiten an der Landkreisgrenze

„Leider kommen ungenaue Ortsangaben immer wieder vor“, weiß Mühldorfs Kreisbrandrat Harry Lechertshuber. „Besonders entlang der Autobahn, auf der man nicht ohne Weiteres halten kann oder will, können die Angaben stark vom tatsächlichen Unfallort abweichen. Da wird unter Umständen ,Höhe Mühldorf‘ gemeldet. In Wirklichkeit hat sich der Unfall dann aber in Ampfing ereignet!“

Wenn sich Unfälle dann an der Landkreisgrenze ereignen, oder sich gar die Regierungsbezirke ändern, dann wird es auch für die Leitstellen schwierig, die tatsächlich dafür zuständige Feuerwehr zu alarmieren.

Welche Leitstelle war nun zuständig?

Am Dienstagmorgen sei die Unfallstelle zwischen Moosvogl und Massing verortet gewesen – ein klarer Fall also für die Leitstelle in Passau, die Massinger Wehr zu alarmieren, berichtet deren Kommandant Sebastian Trager. „In Moosvogl war dann nichts zu sehen, in Hörbering wurden wir dann schon stutzig. Eine Rückfrage bei der Leitstelle erbrachte auch keine zusätzlichen Informationen.“

Bayerischen Rotes Kreuz wusste Bescheid

Erst als sich das bayerische Rote Kreuz gemeldet hatte, das offenbar von Neumarkt aus alarmiert gewesen sei und daher die Unfallstelle passiert hätte, habe man gewusst, dass es bei St. Lorenz, knapp 300 Meter vor dem Ortsschild von Neumarkt-St. Veit gekracht hatte. „Letztlich waren es keine drei Minuten später, dass wir am Unfallort waren. Aber klar: Die Neumarkter Feuerwehr wäre in diesem Fall vielleicht schneller gewesen. In diesem Fall ging ja alles gut“, so Trager weiter.

Dem Erstmelder will Kommandant Trager aber keinen Vorwurf machen. Im Gegenteil: „Wenn man an einen Unfall kommt, ist man ziemlich nervös. Wichtig ist, dass so ein Unfall überhaupt gemeldet wird, außerdem hat der Anrufer die Verletzten als Ersthelfer versorgt. Das ist doch die Hauptsache!“

Es war gegen sechs Uhr, als der Verkehrsunfall auf der Staatsstraße 2086 gemeldet wurde. Wie die Polizei mitteilt, hat der Unfallverursacher, ein 19-jähriger Lenker eines Skoda Fabia die Staatsstraße 2086 in Richtung Neumarkt-St. Veit befahren und musste einem Tier ausweichen, der Fahrer aus Schönberg vermutet eine Katze. Er sei dabei ins Bankett gekommen, habe gegengesteuert. 

Gleichzeitig versuchte der entgegenkommende 59-jährige Autofahrer aus Neumarkt-St. Veit mit seinem grauen Opel Zafira, dem auf der falschen Spur fahrenden Wagen nach links auf die Gegenfahrbahn auszuweichen. Da letztlich beide Verkehrsteilnehmer auf der in Fahrtrichtung des Unfallverursachers liegenden Fahrspur fuhren, war ein Zusammenstoß unvermeidbar. Der Opel des Unfallgegners wurde nach dem Aufprall in eine angrenzende Wiese geschleudert. Durch die Wucht des Aufpralls wurde bei dem Fahrzeug des Unfallverursachers der Motorblock herausgerissen, auch die Lenksäule brach heraus.

Zwei Verletzte, beide kommen ins Krankenhaus

Beide Fahrer wurden laut Polizeibericht mittelschwer verletzt und kamen anschließend ins Krankenhaus Eggenfelden beziehungsweise ins Krankenhaus Altötting. Die Fahrzeuge erlitten bei dem Unfall wirtschaftlichen Totalschaden in Höhe von jeweils 7500 Euro und mussten abgeschleppt werden. An der Einsatzstelle wurden die auslaufenden Betriebsstoffe gebunden und der Verkehr im Anschluss wechselseitig an der Unfallstelle vorbeigeleitet.

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„Niemand war eingeklemmt, beide Personen waren ansprechbar. Es ist alles für die Personen glimpflich ausgegangen“, sagt Neumarkts Zweiter Kommandant und Kreisbrandmeister Christian Biberger, der am Dienstag selbst am Unfallort war. Auch er bestätigt, dass unpräzise Meldungen immer wieder vorkommen. Er erinnert sich an einenschweren Motorradunfall, der sich im vergangenen Jahr im Gemeindegebiet von Niederbergkirchen ereignet hatte. Als Erste vor Ort waren damals allerdings die Neumarkter, weil der Unfall auf deren Einsatzgebiet gemeldet worden sei.

Schnelle Hilfe ist das Wichtigste

„Wichtig ist doch, dass man schnell am Einsatzort ist und helfen kann!“ Wer das dann macht, spiele keine Rolle, solange die zehnminütige Hilfsfrist bewerkstelligt werden könne. „Wir arbeiten schließlich Hand in Hand zusammen!“

„Je präziser die Angabe, umso effektiver können die Rettungskräfte arbeiten“, sagt Mühldorfs Kreisbrandrat Harry Lechertshuber. Unfälle in unmittelbarer Nähe zu einer Landkreisgrenze, behindern aber seinen Aussagen zufolge nicht die Schlagkräftigkeit der Feuerwehren. „Es gibt einen Leitstellenverbund. Sollte sich herausstellen, dass sich der Unfall in einem anderen Leitstellengebiet ereignet hat, wird sofort nachalarmiert!“

Navigationsgeräte für genaue Angaben

Über die richtige Unfallmeldung sagt Lechertshuber: „Immer die 112 wählen!“ Das geht auch auf dem Smartphone, ohne eine komplizierte Vorwahl wählen zu müssen. Der Unfallmelder sollte dann genau schildern, was passiert ist und vor allem eine präzise Ortsangabe liefern. Wer über ein Smartphone verfügt, könne sich die Navigationsdienste des mobilen Telefons zunutze machen. „Oder man schaut einfach auf dem Navi im Auto nach.“

Orientierung an sogenannten Stationszeichen

Genaue Anhaltspunkte liefern auch sogenannte Stationszeichen, die man in regelmäßigen Abständen neben der Straße sieht. Diese kleinen weißen Schildchen dienen in Deutschland der Kilometrierung von Straßen und Straßenabschnitten. Üblicherweise werden auf Stationszeichen die Positionskoordinaten, Straßenbezeichnung, Abschnittsnummer und Stationierungskilometer angezeigt.

Wer weder über Navigationsgerät verfügt, noch Schilder findet, sollte zumindest einen ungefähren Standpunkt angeben. „Zwischen Neumarkt-St. Veit und Hörbering zum Beispiel – das würde den Bereich dann schon stark eingrenzen“, erläutert Lechertshuber. „Denn in der Regel weiß der Verkehrsteilnehmer ja, wo er sich ungefähr befindet!“

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