Freundin geschlagen, Polizisten bespuckt: Bewährungsstrafe für 29-Jährigen am Amtsgericht Mühldorf

Ein Jahr und zwei Monate - zur Bewährung: So lautete das Urteil am Amtsgericht Mühldorf. dpa
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Ein Jahr und zwei Monate - zur Bewährung: So lautete das Urteil am Amtsgericht Mühldorf. dpa

Weil er seine Freundin geschlagen und bei seiner Verhaftung massiv Widerstand geleistet hat, musste sich ein 29-Jähriger vor dem Amtsgericht Mühldorf verantworten. Im Zeugenstand schilderte ein Polizist einen außergewöhnlichen Einsatz. Am Ende verurteilte ihn Richter Dr. Christoph Warga zu einer Bewährungsstrafe.

Mühldorf – Es schien alles so gut für die junge 20-jährige Frau. Sie hatte einen Freund gefunden, der sie bei sich aufnahm und den sie liebte. Das Problem: Sie fand keine Arbeit und nach nur einem halben Jahr kippte die Stimmung. Das Paar wohnte in einem Zimmer in der gleichen Wohnung wie die Mutter und der Bruder des Mannes. Bald mangelte es an Geld. Man ging sich auf die Nerven. Es kam zu Streitereien, die bald eskalierten.

Keine Arbeit, kein Geld: Situation eskaliert

Im Sommer 2018 schlug der 29-jährige Freund, der nun als Angeklagter vor Richter Dr. Christoph Warga im Amtsgericht Mühldorf stand, die junge Frau. Jedesmal erlitt sie Blutergüsse, ging aber zunächst weder zur Polizei noch zum Arzt, weil sie den Entschuldigungen ihres Freundes glaubte.

Die Streitereien gingen weiter, bis sich die junge Frau von ihrem Freund trennte. Der schickte einem gemeinsamen Bekannten eine Sprachnachricht, in der er verlauten ließ, er werde sie umbringen, ihr „den Hals umdrehen“, wenn er sie das nächste Mal sehe.

Im Juli dann der traurige Höhepunkt: Der Angeklagte bekam einen Brief von einem Rechtsanwalt, in dem seine Mutter ihn aus der Wohnung werfen ließ. Grund dafür war eine Durchsuchung, bei der Polizisten nach Drogen gefahndet haben. Am selben Tag erhielt der Mann die Anklageschrift, der er entnehmen konnte, dass seine Ex-Freundin gegen ihn ausgesagt hatte. Die Polizei rückte an, um den Angeklagten festzunehmen.

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Ein Polizist, der damals vor Ort war, sagte aus, dass der Angeklagte beim Eintreffen der Polizei auf das Dach flüchtete und von dort die Polizisten beschimpfte. Schließlich habe er sich dazu überreden lassen, vor das Haus zu kommen. Als die Beamten ihn abführen wollte, sei er nach Schilderung des Polizisten völlig ausgeflippt. Die Beamten mussten ihn zu Boden werfen und Handschellen anlegen. Sie verpassten ihm zudem einen Mundschutz, weil er sie bespuckte. Am Ende landete der junge Mann fixiert auf einer Krankentrage, wo er eine Beruhigungsspritze bekam. Sechs Polizeibeamte und zwei Sanitäter waren nötig, um ihn zu bändigen. Er sei schon lange Polizist, sagte der Beamte vor Gericht, aber solch einen Einsatz habe er noch nicht erlebt. Der Angeklagte kam ins Bezirksklinikum.

Vorstrafe wegen Drogenbesitzes

Staatsanwältin Karin Hahn klagte den 29-Jährigen wegen Körperverletzung, Bedrohung, Beleidigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte an. Die Freundin berichtete, dass sie zwar von der Todesdrohung erfahren, aber keine Todesangst verspürt habe. Wohl aber Angst vor Schlägen.

Obwohl der Angeklagte wegen Drogenmissbrauchs bereits zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden war, entschied Richter Dr. Christoph Warga schließlich, den jungen Mann für ein Jahr und zwei Monate auf Bewährung zu verurteilen.

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