„Fresco“-Tiraden und Badgeflüster

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Der neunte Mettenheimer Kappenabend bescherte dem Pfarrgemeinderat einen vollen Kulturhof-Saal. Narren mit mannigfaltigen Hutkreationen erlebten Kabarett-, Show- und Musikeinlagen, die vorangegangene Aufführungen an Witz, originellen Ideen, regionaler Note und Ausführung übertrafen.

Mettenheim – Sensationelle Neuigkeiten der Gemeinde versprach auch diesmal wieder das Kappenabend-Team um Diakon Manfred Scharnagl und einem gut aufgelegten Conferencier Gerhard Holzmann, den selbst technische Probleme nicht aus der Ruhe brachten.

Zum Auftakt verkündete er die in beispiellosem Alleingang des Bürgermeisters Stefan Schalk getroffene Entscheidung, das Stenginger Isen-Freibad trotz fehlender Brücke (Schwimmen von Dingfurt aus angeraten) bis 2020 wieder zu eröffnen. Zum Programmauftakt lieferten die Mettenheimer Bengel einen glanzvollen Showauftritt als „Isen-Baywatch“. Dabei fielen dem akrobatisch fitten Seeretter (Lukas Ebersberger) in luftiger Höhe und der geschmeidig tanzenden Badenixe (Thomas Mooshuber) auf der Bühne Schlüsselrollen zu. Im Hintergrund des Geschehens erörterten Strandgäste im Hawai-Look (Sepp Eisner, Robert Müller, Georg Kolm, Franz Strobl) und Cocktail schlürfend das Bad-Konzept. Vom Badgeflüster ging es blitzschnell zum Auftritt Reinhard Fendrichs (Karin Golombek), der mit seinem umgedichteten Erfolgshit „Macho Macho“ eine Hommage auf den Bürgermeister sang. Der sah’s gelassen und konzentrierte sich auf die nächste Nummer des Kappenabends, bei der es um den Menhamer Leberkas-Bladl-Laden mit der Kioskbesitzerin (Rosemarie Grandl) ging.

Mit einer Live-Vorstellung der beliebten Fernsehserie „Bauer sucht Frau“ sicherten sich die Mettenheimer Landfrauen unter Christa Eisners Leitung die ungeteilte Publikumsgunst. Neben der versierten Moderatorin Inka Bause (Christa Eisner), liefen der heiratswillige Josef (Rosmarie Frauendienst), dessen Eltern (Elfriede Heimeldinger, Anni Wiese) sowie die Heiratskandidatinnen (Resi Hechfellner, Christiane Niederschweiberer, Maria Frauendienst, Maria Zettl, Michaela Genzinger, Gerlinde Zelger, Karin Sinnhuber) zur Hochform auf. Hut ab auch für den Premierenauftritt des Duos Marietta und Marina Zehethofer vor der Kulisse des Mettenheimer Businessparks, die den Generationenkonflikt in einer Diskussion über den Wert einer alten Schreibmaschine austrugen. Großes Lob gebührt ebenso den traditionell auftretenden Altmühldorfer Mühlbachtauben für ihre Show „14 Tauben westwärts“.

Mettenheim als „Läuferdorf“ machte wieder von sich reden, fühlten sich doch einige VIP’s (Frauenkreis) unter Zugzwang und absolvierten freiwillig ein separates Training bei LG-Coach Sabine Huber (Roswitha Deinböck).

Zur Freude vieler Zuschauer schmachteten sich wieder Sissi (Günther Pitz) und der wilde Kaiser Franz (Manfred Scharnagl) an, die schon im Vorjahr die Zuhörer mit ihren Schlossbauplänen im Neubaugebiet „Künstlerviertel“ unterhielten. In ihrer Wahlheimat entdeckten die Hoheiten heuer aussichtsreiche Kraxelbäume im Kindergarten, beobachteten Paolos wachsende Hasenzucht zu Kochzwecken (Pizza-Hase bzw. Pizza-Osterhase), vermissten ein Gerüst für den Schlossbau („Steht noch in der Kirche!“), registrierten eine Hochkonjunktur der Fress- und Glühweinstände auf dem Adventsmarkt und rechneten mit dem Erlös ihrer örtlichen Mautanlage für den Schlossbau. Nach diesen geistigen Eskapaden begeisterte das Paar mit einigen Runden Kaiserwalzer.

Die Landjugend (Josef Eisner junior, Martin Strohmeier, Bettina Niederschweiberer, Johannes Wagner, Christian Guggenberger, Georg Hobmeier) fühlte sich mit ihren öffentlichen Stammtischgesprächen der Erhaltung der bayerischen Wirtshaustradition verpflichtet, während sich die Eheberaterin Dr. Heimeldinger (Christa Eisner) dem Alltagsstress des Langzeit-Ehepaares Bernwieser-Schnappinger (Sepp Eisner/Rosemarie Grandl) widmete. Der löste sich aber – oh Wunder – von selbst auf.

Ein Wiedersehen gab es mit den drei agilen Mettenheimer Nachwuchstalenten aus der Kinderkrippe (Marco Fottner, Stefan Radlbrunner, Andreas Frauendienst), die längst der Kinderwelt entwachsen, in einer etablierten Senioren-Lifestyle-Einrichtung von Schwester Olga (Rosemarie Grandl) betreut werden. Doch kaum aus deren Reichweite, flogen schon die Krücken in die Ecke und die Heimbewohner rockten im Nachthemd die Bühne auf den Song „Y.M.C.A.“.

Zum Höhepunkt des Abends erlebte das Publikum Turbulenzen um ein Fresco über der Empore der Pfarrkirche St. Michael. Dicht am tatsächlichen Sanierungsgeschehen inszenierte der Pfarrgemeinderat unter Diakon Scharnagl eine Handlung, die sich um die von einer Jury vorgenommenen Auswahl der Sponsoren und ihren damit gekoppelten Einfluss auf den Bildinhalt rankte. Schließlich gab es jede Menge Bildvorschläge, wobei witzigerweise die Köpfe namhafter Kirchen- und Gemeindevertreter in berühmte Gemälde eingefügt wurden. Auch Bürgermeister Stefan Schalk (Manfred Scharnagl) war schließlich mit seinem Platz in Michelangelos Bild „Gott erschuf Adam“ zufrieden…

Als einzig gangbare Lösung des Problems erwies sich laut der Moritatensänger (Brigitte Scharnagl/ Robert Müller) eine Collage aus allen Sponsorenbildern. Der folgende Gesang der Mettenheim-Hymne setzte den Schlusspunkt unter ein tolles Faschingsprogramms, dessen Akteure vor und hinter der Bühne den großen Applaus redlich verdienten.

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