Flohmärkte bleiben Corona-Opfer - Veranstalter, Standler und Besucher warten auf Lockerungen

Einer der beliebtesten Flohmärkte in der Region findet beim Globus statt. Seit März fällt er aus, wann es weiter geht weiß derzeit niemand.
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Einer der beliebtesten Flohmärkte in der Region findet beim Globus statt. Seit März fällt er aus, wann es weiter geht weiß derzeit niemand.

Seit Mitte März gibt es keine Flohmärkte mehr, mit dem Beginn der Corona-Pandemie wurden sie verboten. Im Gegensatz zu vielen anderen Veranstaltungen, die seit damals untersagt waren, gibt es für Flohmärkte noch keine Hoffnung auf einen Wiederbeginn.

Mühldorf – Das Telefon von Georg Preitenwieser kommt nicht mehr zur Ruhe. „Die Leute können es kaum mehr erwarten, wieder Flohmärkte zu besuchen“, sagt Preitenwieser, der seit rund 20 Jahren Flohmärkte in der Region ausrichtet. Doch in diesem Jahr ist eben vieles anders. Kurz nach dem ersten Globus-Flohmarkt im März: Schluss. Wann in Bayern die Standler wieder ihre Waren feilbieten dürfen, ist unklar. Deswegen brodelt es auch in der Gerüchteküche.

Georg Preitenwieser muss sich an die Vorgaben in Corona-Zeiten halten. Jammern hilft da wenig. Nach derzeitiger Rechtslage sind Flohmärkte noch nicht erlaubt. Wann sich die Situation ändern wird, kann das Landratsam nicht sagen.

Fehlende Einnahmen reißen ein Loch

Ein paar Monate ohne Standmieten durchhalten, das gehe schon, meint der Rentner, der sich zusammen mit Sohn Thomas um das Geschäft kümmert. Vor allem alte Damen, die mit dem Flohmarkt eine magere Rente aufbessern, sind laut Preitenwieser in Not. „Die fehlenden 100 oder 150 Euro in der Woche reißen schon ein Loch in den Geldbeutel.“

Auch das ‚Reserl‘ aus Mühldorf‘ steht bereit, wenn es wieder losgeht. Die 85-jährige resolute Dame ist eine ‚Institution‘ auf den Flohmärkten überall in der Region, möchte aber trotzdem nicht ihren vollen Namen in der Zeitung lesen.

Die Waren stapeln sich in der Garage: Sonja Weiser hofft auf eine schnelle Wiederzulassung von Flohmärkten.

Seit rund 30 Jahren steht sie jedes Wochenende um 3 Uhr auf und fährt mit den am Vorabend in den Wagen gepackten Waren zu den Märkten, wo dann ein langer Geschäftstag mit Aufbau, Handel, Feilschen und wieder Einräumen auf sie wartet. „Ohne mich läuft kein Flohmarkt!“ Reserl lacht. Als früher alleinerziehende Mutter hat sie gelernt, sich im Leben durchkämpfen müssen. Jetzt fehlt ihr das Flohmarkt-Geld in der Haushaltskasse. Aber auch die Geselligkeit und die Leute.

„Beim Handeln geht es schon mal zur Sache. Da darf man einfach nicht beleidigt sein!“ Und man muss sich auskennen, was die Qualität der Waren angeht, sonst rentiert sich das Geschäft auf Dauer nicht. Was das angeht, müssten die ‚jungen Wilden‘, die sich anschicken, die Flohmärkte zu erobern, noch einiges lernen, schmunzelt die erfahrene Standlerin.

Flohmarkt – mit oder ohne Maske

Im Gegensatz zum Reserl, kann sich Sonja Weisser aus Winhöring einen Flohmarkt mit Maske vorstellen. „Mir blutet gerade das Herz ohne mein Hobby“, sagt die 65-Jährige, zu deren Favoriten unter anderem der Globus-Flohmarkt zählt. Aber für ihre Leidenschaft ist sie auch gern mal weiter unterwegs. Jeder Flohmarkt hat seinen speziellen Charme. Man lerne so viele unterschiedliche Menschen kennen – und treffe doch auch immer wieder dieselben.

Unterm Strich kann die Winhöringerin nicht nachvollziehen, warum Deutschland bei den Lockerungen den Nachbarn nachhinke. „Beim Flohmarkt ist man doch an der frischen Luft und kann Abstand halten!“

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Drei volle Garagen voll mit Waren warten auf ihre Abnehmer. Das ein oder andere Stück verkauft Weisser über das Internet; manche Kunden, die es gar nicht abwarten können, besuchen sie zuhause. Ein Ersatz für das Ambiente auf den Flohmärkten sei das aber sicher nicht.

Schon gar nicht für die passionierten Flohmarkt-Besucher. Einer ist Franz Unterforsthuber aus Polling. Der 71 Jahre alte Landmaschinenmechaniker und Nebenerwerbslandwirt stöbert seit 15 Jahren nach schönen Dingen und hat dabei schon allerhand ‚Schätze‘ wie etwa Werkzeuge zu Schnäppchenpreisen oder Holzschnitzereien ergattert. „Freilich war auch Krampf dabei, den man nicht braucht. Ohne ein bissl was fahr‘ ich nicht heim!“

Die ersten Sammler spüren Entzug

Auf Kunsthandwerk hat sich Alfred Oberpaul spezialisiert. Danach hält der 60-jährige Mettenheimer seit rund 40 Jahren Ausschau. Ganz besonders geschult ist sein Blick auf alte Gemälde des 19./20. Jahrhunderts. Vor Jahrzehnten habe er für damals 15 Mark ein Bild mit kaputtem Rahmen gekauft, das ihm eigentlich gar nicht gefallen habe. „Die Signatur kam mir bekannt vor. Und siehe da, es war ein Original des bekannten Wiener Malers Oskar Laske!“ Rund 60 Gemälde habe er bisher auf Märkten erstanden.

Die aktuelle Situation gefällt ihm gar nicht, auch wenn er sich an das hält, was Experten vorgeben. Dennoch: Der ‚Flohmarkt-Entzug‘ macht sich auch bei dem Mettenheimer bemerkbar.

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