Kinder auf dem Bauernhof

Flexible Hauswirtschafterin aus Niederbergkirchen: Corona erschwert Bedingungen für Meisterarbeit

Auf Tuchfühlung: Die Grundschüler berühren die Federn des Huhns.Strasser
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Auf Tuchfühlung: Die Grundschüler berühren die Federn des Huhns.Strasser

„So schön weich! So glatte Federn!“ Sechs Kinder stehen im Halbkreis um ein Huhn herum und berühren dessen Federkleid. Martina Holz erklärt den Kindern: „Schaut‘s her, da kommen die Eier raus.“ Kinder live auf dem Bauernhof – bei Martina Holz aus Kinning steckt da mehr dahinter als nur ein Besuch auf dem Hof.

Von Sophia Strasser

Niederbergkirchen – Die 21-jährige macht gerade ihren Hauswirtschaftsmeister an der Meisterschule in Rosenheim. Anlässlich ihres Meisterprojekts besuchten sie fünf Kinder aus Niederbergkirchen auf ihrem Bauernhof bei Niederbergkirchen. „Im zweiten Semester muss jeder Schüler ein Projekt durchführen und im Anschluss daran eine Meisterarbeit schreiben“, erklärt sie. Für sie sei es klar gewesen, dass es um das Huhn und das Hühnerei gehen soll.

Huhn und Ei im Fokus des Projektes

Schon seit acht Jahren hat die Hauswirtschafterin ihre eigenen Hühner. „Angefangen habe ich mit zehn Hühnern, jetzt habe ich 100.“ Die Eier verkauft die Meisteranwärterin täglich an Stammkunden. Dieses Jahr hat sie mit ihren Eltern, denen der Hof gehört, den Hühnerstall umgebaut und erweitert. „Wir haben sogar einen Wintergarten für die Hühner eingerichtet.“

Auflagen erschweren Projekt

Vor der Meisterschule hat Holz eine Hauswirtschaftsausbildung an der Berufsschule in Rosenheim absolviert. Dabei hatte sie auch zwei praktische Lehrjahre auf Lehrbetrieben – auf einem Hof in Oberneukirchen und in Rimsting. Seit März steckt die 21-Jährige in den Planungen für ihr Meisterprojekt, das den Titel „Erlebnispädagogisches Angebot für Schulkinder zum Thema Hühnerei“ trägt. Dazu musste die Regierung in Oberbayern den Meisterschülern eine Genehmigung erteilen. Wegen der Corona-Auflagen durfte sie nicht, wie geplant, ganze Schulklassen auf den Hof einladen. „Ich musste alles reduzieren.“

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Je größer der Kamm, desto älter das Huhn

Und so waren es lediglich fünf Mädchen und ein Junge aus der zweiten Klasse der Grundschule Niederbergkirchen, die Holz besuchten und einen Tag lang auf dem Bauernhof erlebten.

Martina Holz ist Hauswirtschaftlerin. Sie bringt auf ihrem Weg zum Meisterbrief den Kindern die Landwirtschaft näher.Strasser

„Als erstes stellen wir zusammen Hühnerfutter her“, sagte Holz zu den begeisterten Kindern. Nachdem sie Weizen, Mais, Soja, Muschelkalk und Mineralfutter gemischt hatte, durften die Kinder in den Hühnerstall gehen und es an die Hühner verfüttern. Nebenbei nannte Holz den staunenden und neugierigen Schulkindern Fakten zum Huhn: „Je größer der Kamm auf dem Kopf eines unserer Hühner ist, desto älter ist es.“

Kinder in der Nudelproduktion – doch Corona verbietet die Kostprobe

Auch rund um das Ei lernten die Kinder einiges. Auf verschiedenen Stationen zeigte Holz, dass es verschiedene Eiergrößen gibt und sie gab Tipps, woran man ein frisches von einem älteren Ei unterscheiden kann. Aus den aufgesammelten Eiern durften die Kinder schließlich sogar Spaghetti herstellen. „Ganz warm und weich ist der Teig!“, war von den begeisterten Kindern zu hören. Am liebsten hätten sie die Nudeln auch gleich verspeist. „Leider können wir aber unsere Nudeln nicht zusammen essen – wegen Corona“, bedauerte Holz.

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Meisteranwärterin zufrieden über den Verlauf des Projektes

Die Kinder besuchten die Kühe im Stall und lernten am Melkstand, wie eigentlich die Milch von den Kühen gewonnen wird. Die Maschinenhalle mit den Traktoren und landwirtschaftlichen Geräten durften bei der Besichtigung nicht fehlen. Zum Schluss durften sich die Kinder noch beim Schaukeln und Baumklettern austoben.

Aus den Eiern durften die Kinder selbst Nudeln herstellen.

Die Meisteranwärterin ist zufrieden, wie ihr Projekt gelaufen ist: „Es war eine sehr gute Erfahrung, mit den Kindern zu arbeiten und ihnen alles zu zeigen.“ Die Kinder seien sehr motiviert und interessiert gewesen. „Am Ende des Tages wollten sie gar nicht mehr nach Hause“, lacht Holz.

Verteilt auf 50 Seiten

Für ihre Meisterarbeit muss sie das Projekt mindestens zweimal durchführen. „Mittlerweile haben sich die Corona-Auflagen geändert und ich darf doch noch Schulklassen einladen.“ Zwei Schulklassen vom Grundschulverband Oberbergkirchen und auch noch zwei private Kindergruppen sind eingeplant. Der nächste Schritt ist dann die Ausarbeitung der Meisterarbeit. Circa 50 Seiten wird die Arbeit haben, bis Januar hat Holz Zeit.

Zeitgeist heute: Den Kindern fehlt oft der Bezug zu den Lebensmitteln

Holz ist wichtig, dass sie den Kindern etwas mitgeben konnte: „Heutzutage fehlt den Kindern oft der Bezug zu den Lebensmitteln und wie sie produziert werden.“ Ihr Projekt sieht sie selbst als Chance: „Der Tag am Bauernhof ist eine gute Möglichkeit, die Landwirtschaft näher an die Kinder heranzubringen.“

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