Mühldorfs neuer Bürgermeister über Kindergarten-Neustarts und Corona: "Schwierig, aber lösbar"

Seit über sechs Jahrenwartet der Stadtplatz 58 auf ein Nutzungskonzept. Bürgermeister Hetzl verspricht einen Umgestaltungsplan in den nächsten sechs Jahren. Honervogt
  • Markus Honervogt
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Mühldorf – Corona-Zeiten: Michael Hetzl hatte sich seinen Start als Bürgermeister von Mühldorf anders vorgestellt. Nach zwei Wochen Bestandsaufnahme spricht er über Kindergartenöffnungen, den Stadtplatz 58 und ein neues Hallenbad.

Wie stark trifft Corona die Stadt finanziell?

Michael Hetzl: Wir hoffen, dass die großen Gewerbesteuerzahler die Krise gut überstehen und wir unsere Einnahmen behalten. Denn sonst sind die meisten Planungen Makulatur.

Bürgermeister Hetzl.

Wie sieht es aus?

Hetzl:Im Moment noch gut, die wichtigsten Steuerzahler stehen gut da, die Unternehmen öffnen sukzessive wieder. Wenn damit die Krise vorbei ist, dann dürfen wir uns freuen.

Die Stadt öffnet in knapp 14 Tagen die Kindergärten. Wie laufen die Vorbereitungen?

Hetzl: Die Erzieherinnen kommen am Montag zurück. Sie haben dann eine Woche Zeit, Abläufe zu koordinieren und einen Hygieneplan zur erstellen. Und ab 25. Mai kommt die Hälfte der Kinder: Vorschulkinder und Geschwisterkinder.

Wie sollen Hygiene- und Abstandsregeln eingehalten werden?

Hetzl: Das ist schwierig, aber lösbar. Wir bilden Kleinstgruppen, achten darauf, dass sie getrennt bleiben, die Kinder sollen sich nicht über den Weg laufen. Auch die Essensausgabe wird streng getrennt.

Die Kinderkrippen bleiben im Notbetrieb?

Hetzl: Da gibt es über den 24. Mai hinaus noch keine Entscheidungen. Wir planen derzeit immer nur für die nächsten 14 Tage.

Es gibt politisch aber Dinge, da muss man weiter schauen als 14 Tage. Welche Ziele bleiben politisch für heuer übrig?

Hetzl:Finanziell sind wir im Blindflug. Deshalb bleibt sehr bescheiden, was ich vorhabe. Wir haben alle Maßnahmen priorisiert. Die Kindertagesstätte an der Harthauser Straße muss heuer gebaut werden, auch die Realisierung der kleinen Ostumfahrung werden wir vorantreiben oder die Fertigstellung der beiden Grundschulerweiterungen und die Planung der Mittelschulerweiterung.

Im Wahlkampf haben Sie das Thema Parken betont.

Hetzl:Das Thema ist nach Corona wichtiger denn je, deshalb wollen wir in die Planungen gehen. Einen Bau wird es aber heuer sicher nicht geben.

Wie soll das Konzept aussehen?

Hetzl:Das Parkhaus muss den Bedarf decken, es muss in absehbarer Zeit baubar und bezahlbar sein. Die Grundidee ist, ein Parkhaus kombiniert mit Wohnungen zu bauen. So könnten etwa 100 Singlewohnungen entstehen.

Soll ein Investor das Parkhaus bauen?

Hetzl: Hierzu gibt es noch keine Entscheidung. Es gibt auch die Idee eines Bürgerimmobilienfonds, über den wir Bürger beteiligen möchten, was in Zeiten von „Nullzinsen“ sehr attraktiv sein kann.

Der Standort ist nach wie vor am Sümö-Gelände?

Hetzl: Das Areal ist ideal. Ein Parkhaus am Stadtwall ist verkehrstechnisch nicht sinnvoll, da muss alles durch unsere kleinen Straßen fahren. Dort sollte ein Grünstreifen bleiben.

Um wie viele Parkplätze geht es?

Hetzl: Das Parkhaus muss den Bedarf decken. Wir haben noch keine Zahl erhoben, auch nicht im Verkehrsgutachten. Ein Mühldorfer Geschäftsmann hat berechnet, dass man an Werktagen 1000 Parkplätze braucht. Man darf nicht vergessen, dass wir für Mitarbeiter in Geschäften und Behörden praktisch keine Parkplätze haben.

Mit welchen Baukosten rechnen Sie?

Hetzl: 20 bis 25 Millionen Euro.

Bleibt Platz für einen Supermarkt auf dem Gelände?

Hetzl:Ein Supermarkt ist elementar. Ich sehe es aber so, dass auch ein zweiter Supermarkt dort bestehen kann. Durch das Parkhaus könnten sie überregionales Publikum ansprechen, dass nur in die Innenstadt kommt, weil es hier arbeitet.

Wie sieht es mit dem Hallenbad aus?

Hetzl:Das ist bislang immer etwas optimistisch dargestellt worden. Wir reden von 20 bis 30 Millionen Euro Investitionssumme. Aber dann haben wir immer noch nicht viel mehr als heute. Ob wir diese größte Investition, die die Stadt je durchgeführt hat, stemmen können, müssen wir sehen. Die Kapitalerhöhung der Stadtwerke, wie sie der Stadtrat beschlossen hat, kann aktuell noch nicht fließen.

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Sie steht aber bereits zum zweiten Mal im Haushalt.

Hetzl:Richtig, aber auch die erste Zahlung konnte noch nicht getätigt werden. Es gibt viele Fragen, die noch nicht abgearbeitet sind. Ein Versprechen, es zu bauen, kann man realistisch derzeit nicht abgeben. Und schneller als in sechs Jahren könnte es ohnehin nicht gehen. Als Alternative muss man über ein Schulschwimmbad nachdenken.

Welche Pläne haben Sie für das alte Kloster am Stadtplatz 58?

Hetzl:Wir müssen mit dem Denkmalamt klären, was möglich ist. Da gibt es natürlich unterschiedliche Auffassungen. Historische Häuser müssen aber nicht nur erhalten werden, sie müssen auch ihren Zweck erfüllen und nutzbar bleiben. Das Haus hat in gewissen Teilen Denkmalschutz, aber vollumfänglich ist es sicher nicht so alt. Das gilt es jetzt zu bewerten und dann ein Konzept zu erarbeiten.

Welche Nutzung ist denkbar?

Hetzl:Eine Passagenlösung wie zuletzt vorgeschlagen, ist eher schwierig, wenn man sich die Hans-Sachs-Passage am Stadtplatz anschaut. Im Einzelhandel weiß man, dass Passagenlösungen nicht funktionieren.

Ist ein Großflächengeschäft denkbar?

Hetzl:Wir sehen jetzt, dass viele großflächigen Einzelhandelsgeschäfte Probleme haben. Der Kunde möchte kleine Einheiten und Vielfalt. Daran muss ein Nutzungskonzept anknüpfen. Also eher kleine Geschäfte in einem großen Haus.

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