Feuerwehr Obertaufkirchen wehrt sich auf Facebook: Sirene und Martinshorn müssen auch nachts heulen

Wenn es brennt,dann brennt es. Und da spielt es für die Feuerwehrleute auch keine Rolle wann; sie stehen zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, sind dabei aber auch auf die Sirene angewiesen. In Obertaufkirchen hatte die Alarmierung um 3 Uhr nachts, als die Einsatzkräfte zu einem Brand nach Buchbach gerufen wurden (Bild), Kritik ausgelöst. Die Feuerwehr verteidigt diese Form der Alarmierung, die ohnehin nur dreimal erfolge, nach zwei Minuten sei es wieder ruhig. fib/Eß
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Feuerwehrleute stehen zu jeder Tages- und Nachtzeit bereit, sind dabei aber auch auf die Sirene angewiesen. In Obertaufkirchen hatte die Alarmierung um 3 Uhr nachts, als die Einsatzkräfte zu einem Brand nach Buchbach gerufen wurden (Bild), Kritik ausgelöst.

Wenn es brennt, dann brennt es. Und da spielt es für die Feuerwehrleute auch keine Rolle wann. Doch muss es sein, dass die Sirene um 3 Uhr morgens das ganze Dorf aufweckt? Ein Obertaufkirchener äußert daran jetzt Kritik – und bekommt eine Antwort, die Tausende feiern. 

Obertaufkirchen – Es ist 2.50 Uhr, als die Sirene auf dem Dach der Grundschule in Obertaufkirchen zu heulen beginnt: Brand eines Einfamilienhauses in Buchbach. Schnell sind die Rettungskräfte da, eilen im Feuerwehrfahrzeug mit Martinshorn und Blaulicht zum Brand. Es muss schnell gehen, schließlich weiß man nie, ob Menschenleben in Gefahr sind. Was eigentlich als Selbstverständlichkeit gilt, stößt mitunter auf Kritik: „Sirene und Martinshorn – um 3 Uhr morgens. Muss das sein?“ Die Feuerwehr sagt: Ja, das muss sein. Und begründet dies auf ihrer Facebook-Seite.

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Anwohner aufgeschreckt

Anlass dazu bot die Kritik eines Anwohners, der sich offensichtlich durch die nächtliche Alarmierung in jener Julinacht gestört gefühlt hatte. Dies berichtet zumindest der zweite Vorsitzende der Feuerwehr Obertaufkirchen, Fabian Wetzel. „Ein Ortsansässiger ist auf uns zugekommen, hat sich darüber beschwert, dass um drei Uhr morgens die Sirenen ertönt seien. Seine beiden Kinder seien aufgewacht, auch er selbst. Der Schlaf habe ihm gefehlt. Man soll doch darauf Rücksicht nehmen, dass es Arbeitnehmer gibt, die um 6 Uhr aufstehen, weil sie zur Arbeit müssen.“ 

Doch Wetzel verteidigt die Alarmierung: Die Feuerwehren hätten gar keine andere Wahl. Besonders die Sirenenalarmierung sei in ländlich geprägten Gebieten unabdingbar.

Sirene zuverlässiger als Handyalarmierung

„Es gibt zwar auch die Handyalarmierung, aber man kann nie gewährleisten, dass man davon in der Nacht geweckt wird. Nicht jeder hat sein Gerät eingeschaltet. Die Sirene ist die sichere Methode, wenn wir ausrücken müssen, um vielleicht sogar Menschenleben zu retten.“

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Dass das Ausrücken auch in Zeiten ohne viel Verkehr mit Blaulicht und Martinshorn geschehe, „das definiert die Straßenverkehrsordnung“, fährt Wetzel fort. Denn, um das Sonder- und Wegerecht in Anspruch zu nehmen, müssen sowohl Blaulicht als auch Martinshorn aktiviert sein.„Dies geschieht, um die weiteren Verkehrsteilnehmer frühzeitig und sicher zu warnen.“ 

Wetzel ergänzt, dass immer der Fahrer zu entscheiden hat, wann das Martinshorn eingeschaltet wird. „Fährt er ohne akustische Warnung, handelt er im Zweifel fahrlässig und haftet dafür selbst, wenn etwa passiert. Selbst wenn es dann nur ein Blechschaden wäre: Wer will diese Verantwortung übernehmen?“, fragt Wetzel, der betont, dass die Feuerwehr ohnehin äußerst sensibel mit dem Martinshorn verfahre. „Wenn die Straße gut ausgebaut und übersichtlich ist, verzichten wir auf das Martinshorn, fahren dann nur mit Blaulicht.“ Es sei auch ein Unterschied, um welche Art von Einsatz sich handle. Wenn es nicht um Menschenleben gehe, könne man darauf verzichten.

Der 2. Vorsitzende der Feuerwehr Obertaufkirchen, Fabian Wetzel, hat den Facebook-Beitrag veröffentlicht und damit einen echten Treffer gelandet. 

Kein Verständnis hat Wetzel dafür, wenn genervte Anwohner mit Kritik an der Sirenenalarmierung reagieren: „Während sie nämlich danach wieder einschlafen können, müssen wir von der Feuerwehr Höchstleistungen erbringen  – und das ehrenamtlich und unentgeltlich. An Schlaf ist in so einer Nacht nicht mehr zu denken.“ Und trotzdem müssen auch die Hilfskräfte am nächsten Tag in die Arbeit, „und wir sind nicht ausgeruht!“.

Facebook-Post erreicht 50 000 Menschen

Am Mittwoch nun ging die Feuerwehr Obertaufkirchen in die Offensive, setzte einen Post auf Facebook, um zu erklären, wie wichtig die Alarmierung in der Nacht ist. „Und wir ernteten ausnahmslos Zustimmung“, freut sich Wetzel, der die Seite in den sozialen Medien betreut. Binnen 24 Stunden hatte der Beitrag über die Notwendigkeit der Sirene, auch um drei Uhr morgens, 50.000 Menschen erreicht.

Für Wetzel ist das die Bestätigung dafür, dass der überwältigende Anteil der Bevölkerung die Arbeit der Feuerwehren schätzt. Und das tut gut in einer Zeit, in der Meldungen nicht abreißen von Übergriffen auf Hilfskräfte während ihrer Einsätze.

Schnelligkeit der Wehr beeindruckt

Derartiges hat man in Obertaufkirchen Gottseidank noch nicht erlebt. Im Gegenteil: Man bekommt auch viel Zuspruch. Wetzel erzählt von einem Einsatz bei einer Firma in Obertaufkirchen. Die Beschäftigten, die nicht aus der Gegend stammen, hätten sich verwundert darüber gezeigt, wie schnell die Obertaufkirchener Wehr am Einsatzort war.

„Wir sind sogar gefragt worden, ob wir am Feuerwehrhaus nur darauf gewartet hätten. Da mussten wir erst einmal erklären, dass wir alle arbeiten, aber von unseren Arbeitgebern jederzeit zu Einsätzen freigestellt werden.“ Das habe für ein erstauntes ,Aha‘ gesorgt. Es bestätige aber auch, dass noch bei Weitem mehr Aufklärungsarbeit notwendig sei, so Wetzel.

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