Weihnachten auf französisch mitten in Mühldorf: So feiert Mariann mit ihrer Patchwork-Familie 

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Familie (von links): Ihre Töchter Dove und Philipine besuchen Mariann Herold immer zu Weihnachten in Mühldorf.

Weihnachten ist das Fest der Familie. Kinder freuen sich auf die Bescherung und wer nicht mehr zuhause wohnt, macht sich auf den Weg in die Heimat. Manchmal ist das der einzige Besuch im ganzen Jahr. Denn die Welt ist größer geworden.

Viele Familien wohnen weit auseinander und dann sind die Feiertage eine gute Gelegenheit, einmal alle zusammen zu bekommen. „Ich bin vor elf Jahren an Weihnachten nach Mühldorf zu Helmut gezogen. Das ist also eine Weihnachtsgeschichte“, lacht Mariann Herold, als sie beginnt, von den Weihnachtsfesten ihrer Familie zu berichten. Sie stammt aus Paris und lebt seitdem in Bayern. 

Fruits déguisés: auch typisch französisch: Fruits déguisé selbstgemacht für Weinachten.

Alle Kinder der Patchworkfamilie sind mittlerweile erwachsen und überall verstreut. „Manchmal sehen wir uns einmal im Jahr, aber nicht hier zu Hause. Weihnachten ist das Fest, wo alle nach Hause kommen.“ Viele französische Traditionen hat Mariann in Bayern bewahrt - gerade an Weihnachten, wenn ihre Töchter zu Besuch kommen. 

Traditionell wird etwas anders gefeiert

Ihre ältere Tochter Philipine wohnt und arbeitet mittlerweile in Paris. Ihre Tochter Dove, die halb Amerikanerin ist, wohnt in Hannover und wird diesmal zum ersten Mal mit ihrem Freund die Familie besuchen. Der kommt aus Palästina und Mutter Mariann freut sich, alle beisammen zu haben. 

Ihre Töchter kommen jedes Jahr zu Weihnachten nach Hause, wo man sich dann auf Deutsch und Französisch unterhält. Ein bisschen anders als in Bayern üblich wird schon gefeiert. Bei der Familie Herold gibt es keine Plätzchen und auch Weihnachtsfeiern, so wie hier in der Adventszeit, sind in Frankreich nicht üblich. Dafür kommen am 31. Januar noch einmal alle zusammen. Aber das ist eine andere Geschichte. 

Mößlinger Kirche: Die Familie freut sich immer über den reichen Weihnachtsschmuck der Mößlinger Kirche, auch das ist in Frankreich weniger üblich.

"Réveillon" füllt den Tisch

Weihnachten beginnt erst am Heiligen Abend, wirklich spät, um neun oder zehn Uhr. Dann wird ein „Spätabendmenü“ auf den Tisch gebracht. In Frankreich nennt man das „Réveillon“ und serviert werden Meeresfrüchte, boudin blanc, eine Art Weißwurst mit Äpfeln, danach kommt Käse mit Salat und der Nachtisch - bei Herolds traditionell ein „Bûche de Noel“, bei uns bekannt als Baumstamm.

Dann besucht die Familie die Mitternachtsmesse in der kleinen Mösslinger Kirche. „Das war schon in meiner Familie so. Und wenn die Kirche so schön dekoriert ist mit dem Tannenbaum und dem Schmuck und alle singen „Stille Nacht“, das ist sehr schön, sehr friedlich in dieser kleinen Kirche. Das mag ich dort“, sagt Mariann. 

Dove, Mariann und Philipine an Weihnachten zu Hause.

Weihnachtstag ist der 25. Dezember

Erst am Tag darauf, am 25. Dezember, ist dann wirklich Weihnachten. „In Frankreich ist das so, auch der 26. ist kein Feiertag in Frankreich. Der 25. ist der Weihnachtstag, der beginnt mit der Bescherung am Morgen, vor dem Frühstück“, erklärt die Französin. Das große Weihnachtsessen zu Mittag wird, wie in Frankreich üblich, in Gängen serviert, nicht als Buffet, wo alles gleichzeitig auf den Tisch kommt. 

Marianns Familie kommt aus der Bretagne und so wird auch das große Weihnachtsessen traditionell mit Meeresfrüchten begonnen. Als Aperitiv gibt es zur Feier natürlich Champagner. Es folgt ein „Dinde aux Marrons“, ein Truthahn mit Maronenfüllung, wieder Käse, Salat, Kuchen und natürlich Wein. 

Europa wächst zusammen 

Dass alle gesund zuhause ankommen, macht Mariann keine Sorgen. Die ganze Familie würde viel reisen und heutzutage sei das Flugzeug ja sehr sicher. Die Geschenke bringen alle mit und oft wünscht sich Mariann von ihrer Tochter Philipine die typisch französischen Leckereien, die es in Bayern nicht gibt. Das kann Schokolade von „Pyrénéen“ aus Paris sein, eine CD eines lokalen Musikers oder „Marrons glacés“, glasierte Maronen. 

:Marrons glacés: glasierte Mandeln lässt Mariann sich gerne von Philipine aus Paris mitbringen.

Ihre Liebe zu Frankreich gibt Mariann auch an andere weiter. Neben dem Französischen Stammtisch, den sie einmal im Monat organisiert, ist sie immer auf der Suche nach Gastfamilien, die für ein paar Nächte Austauschschüler aus Frankreich aufnehmen. Gerade Weihnachten ist ja eine gute Gelegenheit, zur Völkerverständigung beizutragen, jeder auf seine Weise. 

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