Faules Brot und Plastik auf der Weide – Empörung über Entsorgung in Langenstegham

Murnauer Weidenfelser Rinder weiden bei Langenstegham bei Mettenheim. Dem Eingreifen einer Radfahrerin ist es zu verdanken, dass die Rinder nicht verschimmeltes Brot, teilweise nohc in Plastik verpackt, verschlungen haben.
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Murnauer Weidenfelser Rinder weiden bei Langenstegham bei Mettenheim. Dem Eingreifen einer Radfahrerin ist es zu verdanken, dass die Rinder nicht verschimmeltes Brot, teilweise nohc in Plastik verpackt, verschlungen haben.
  • Josef Enzinger
    vonJosef Enzinger
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Verschimmeltes Brot, verfaulte Semmeln: Eine Landwirtin traute ihren Augen nicht, als sie an den Weiderindern in Langenstegham vorbei kam. Die hatten nämlich die verdorbenen Lebensmittel, die Unbekannte auf die Weide geworfen hatten, entdeckt und waren gerade dabei sie zu fressen.

Mettenheim – „Ich habe es noch geschafft, einige Rinder davon abzuhalten, dass sie das Brot auffressen. Bei einem der Rinder bin ich mir aber nicht sicher, ob es nicht doch etwas gefressen hat, unter Umständen sogar inklusive der Plastiktüte!“ Der Ärger bei der 55-jährigen Landwirtin, die mit Namen nicht genannt werden will, ist groß, zumal sie von Berufs wegen natürlich weiß, wie empfindlich Rinder auf Futter reagieren können, das nicht der Norm entspricht. „Die Rinder können unter Umständen elend zugrunde gehen“, regt sich die Mettenheimerin über so viel Unvernunft auf

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Rinder finden auf der Weide alles, was sie benötigen

Dass eines seiner Tiere durch unerwünschte Fütterungsaktionen ernsthaft krank geworden sei, davon weiß Matthias Reißaus nichts. Der Oberneukirchener betreibt an elf verschiedenen Standorten extensive Weidehaltung. Wasserbüffel und Murnauer Weidenfelser Rinder sind es bei Langenstegham, die auf diese Weise als tierische Landschaftspfleger ihren Teil zum Naturschutz beitragen. „Fütterungsaktion, noch dazu mit verschimmeltem Brot, davon ist uns nichts bekannt. Es gab dazu auch noch keine Meldungen“, sagt Reißaus, der einmal pro Woche seine Weiden abfährt und nach dem Rechten sieht.

Fütterungsaktionen, bittet er, sollten tunlichst unterlassen bleiben. „Die Rinder finden auf der Weide alles, was sie benötigen.“ Auf Brot greift nur Reißaus selbst nur dann zurück, wenn es darum geht, die Tiere vor dem Winter wieder einzufangen und auf den Hof zu bringen. „Als Lockstoff, um sie danach zu verladen!“

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120 Stück Rinder hat der Oberneukirchener, die Hälfte davon sind auf die elf Weideprojekte in den Landkreisen Altötting und Mühldorf verteilt, die andere Hälfte befindet sich auf den Höfen. Unter anderem eben auch in Langenstegham, wo sie nicht nur einen wertvollen Beitrag für Flora und Fauna leisten würden. An drei Aussichtsplattformen kann man die Tiere beobachten, sich informieren. „Und das wird gut angenommen“, berichtet Reißaus, die er gerade in Corona-Zeiten gemacht hat. Da hätten sich – natürlich unter Einhaltung der Abstandsregelungen – wertvolle Gespräche mit Ausflüglern ergeben, die mit dem Rad unterwegs waren. „Es ist schön, wenn man die Gesprächspartner zwei Wochen später mit Fernglas in der Hand an den Plattformen sieht, wie sie Tiere beobachten!“

Landwirt warnt: „Niemals auf die Weide gehen!“

Wenn sich Passanten, die eine Weide passieren, um die Tiere sorgen, dann sei das natürlich durchaus legitim. „Doch bitte niemals auf die Weide gehen“, warnt Reißaus. Es handle sich zwar um domestizierte Haustiere. Doch bei den Rindern von Reißaus handelt es sich zum Teil auch um Mutterkuhhaltung. „Wenn die Mutterkühe hochträchtig sind oder bereits gekalbt haben, dann sind auch deren Schutzinstinkte extrem ausgeprägt.“ Schmerzhafte, ja sogar lebensgefährliche Begegnungen zwischen Mensch und Tier können die Folge sein. Gerade in den vergangenen Wochen sei Einiges darüber zu lesen gewesen, dass Rinder Wanderer in den Bergen angegriffen hätten.

Tragende Kühe könnten ihre Kälber verlieren

Das Wohl der Menschen auf der einen Seite, das der Rinder auf der anderen. Eine komplette Entwarnung kann auch Dr. Klaus Wapler nicht geben, wenn verschimmeltes Brot in den Nahrungskreislauf von Rindern gelangen sollte, so wie es in Lagenstegham offensichtlich der Fall war. Krankheitsbilder sind in erster Linie Verdauungsprobleme, tragende Kühe können im schlimmsten Fall ihre Kälber verlieren, ergänzt Wapler. Plastik hingegen verursache relativ wenig Schäden, „weil der Pansen sehr groß ist“.

Bei Plastik droht Darmverschluss

Wenn aber größere Plastikteile aufgenommen würden, dann könne dies zu Darmverschluss führen. Auch Wapler warnt davor, Tiere zu füttern. „Es ist totaler Schwachsinn, etwas auf die Weide zu werfen. Freilaufende Tiere benötigen kein Futter , man tut ihnen damit keinen Gefallen. Sie haben es auch nicht nötig, weil sie gut genährt sind und alles zur Verfügung haben, was sie benötigen.“ Das gelte vor allem für die Rinder in Langenstegham.

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„Da kann man Schilder aufstellen en masse. Aber die Leute halten sich nicht daran“, klagt auch der Kreisvorsitzende des Bayerischen Bauernverbandes, Ulrich Niederschweiberer. Ihm ist bereits ein Shetlandpony verendet, weil es mit verdorbenem Brot gefüttert worden sei.

Niederschweiberer berichtet auch von einem Pferdehalter aus der unmittelbaren Nachbarschaft in Mößling, der inzwischen zwei Zäune errichtet hat, nur um Passanten davon abzuhalten, überhaupt in die Nähe seiner Tiere zu kommen. „Manche sind unbelehrbar!“

Tödlicher Metallschrott

Manche aber einfach auch nur unachtsam: Für Rinder, die Metallschrott zu sich genommen hatten, hatte dies erst vor zwei Wochen in Schwarzach schwerwiegende Folgen. Mehrere Kühe eines Hofs im niederbayerischen Schwarzach haben innere Verletzungen erlitten, nachdem sie vermutlich aus Unachtsamkeit weggeworfene Getränkedosen gefressen hatten.

Wie die Passauer neue Presse vor zwei Wochen berichtet hatte, seien die Metallreste beim Mähen ungewollt in das Futter gelangt und hätten die Tiere wahrscheinlich von innen aufgeschlitzt. Eine Kuh mit ihrem ungeborenen Kälbchen sei an einer Bauchfellentzündung verendet. Drei weitere Kühe hatten ebenfalls Symptome aufgezeigt.

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