Wie Karin Olliges aus Mühldorf und ihre Familie Arbeit und  Schule zu Hause organisieren

Vorher in München,jetzt zu Hause: Karin Olliges gehört zu den Pendlern, die nun von Mühldorf aus ihren Job erledigen – mit Kindern und Mann, der ebenso ins Homeoffice verbannte ist.
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Vorher in München,jetzt zu Hause: Karin Olliges gehört zu den Pendlern, die nun von Mühldorf aus ihren Job erledigen – mit Kindern und Mann, der ebenso ins Homeoffice verbannte ist.

Durch Schulschließung und Home-Office sind Familien auf engem Raum vereint. Familie Olliges aus Mühldorf hat sich gut organisiert, auch wenn es den einen oder anderen strukurellen Haken gibt. Zum Beispiel wenn die Tochter  mit Malerpinseln in der Badewanne landet. Karin Olliges erzählt.

Mühldorf – Die ersten Wochen der Corona-Zwangsferien sind vorbei und damit die ersten Wochen Home Office unter verschärften Bedingungen. Für mich, die im Marketing-Bereich tätig ist, ist Home Office nichts Neues, ich arbeite an drei von vier Tagen in der Woche von zu Hause aus. Die einzigen Störungen sonst sind der Postbote und die Waschmaschine, die ausgeräumt werden will.

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Jetzt aber herrschen verschärfte Bedingungen: Neben zwei Kindern ist auch der Ehemann nach Hause zum Arbeiten verbannt und blöderweise habe ich durch die aktuelle Situation statt weniger eher mehr Arbeit. Schnell wird klar: Wir brauchen ein System und einen geregelten Tagesablauf, sonst drehen wir hier alle durch!

Im Home-Office wird die Küche der Familie zum Büro

Die Küche wird zum zweiten Büro umfunktioniert, derjenige, der die meisten Telefonate führen muss, darf ins Büro – in diesem Fall mein Mann Olaf (50). Die Kinder machen sich am Esstisch breit, um unter Schulbedingungen zu lernen. Und das sieht wie folgt aus: Stifte fallen regelmäßig auf den Boden, Fragen müssen unbedingt in die Runde gestellt – und bitteschön sogleich beantwortet werden. Jeder alleine an seinem Schreibtisch wäre zu einfach. Und bereits am zweiten Tag bröckelt das Konzept: Mein Sohn Manuel, 14, bevorzugt sein Zimmer. Dort ist er schließlich viel weiter von der geballten elterlichen Aufmerksamkeit entfernt.

Drei Stunden Schule daheim am Vormittag

Wir versuchen, den Ablauf zu optimieren: jeden Vormittag ist drei Stunden für die Schule reserviert. Meine Tochter Lena (12) hat Arbeitsanweisungen erhalten, bei Manuel trudeln Mails der Lehrer ein. Dennoch gibt es Streitpunkte: Drei Stunden mit oder ohne Pause? Welche Ausnahmen sind denkbar? Was ist, wenn die Aufgaben früher erledigt sind? Wer bekommt wann welches Laptop? Und wer korrigiert die Aufgaben? Wir? Die Lehrer? Oder die Kinder selber anhand der Lösungen, die gleich mit verschickt werden? Eine eher unbefriedigende Lösung.

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Mit dem Mittagessen die nächste Neuerung: Anstatt „Haute Cuisine Allianz Kantine“ ein hungriger Esser mehr. Wir einigen uns darauf, dass Nudeln mit nix oder Pesto beziehungsweise Nudelsuppe im Wechsel ausreichende Mahlzeit sein können.

Bewegung lenkt ab, allerdings erst am Nachmittag. Der Vormittag ist bei Lena (12, Bild), und Manuel für die Schule reserviert.

Wofür die Familie die Ausgangsbeschränkung sonst noch nutzt

Am Nachmittag dann ist Zeit für Projekte: Die Kinder säubern mit Hochdruckreiniger Pflastersteine. Zwei weitere Arbeitsstunden sind mir zehn Euro wert. Am nächsten Tag werden Wände im Keller gestrichen. Dass die Pinsel nachher in der Badewanne ausgewaschen werden und sich Lena gleich mit dazu setzt - geschenkt! Das Trampolin wird aufgebaut, obwohl wir dem ramponierten Rasen eigentlich noch etwas Regenerationszeit gönnen wollten. Aber irgendwo muss die Energie von Kindern hin, die sonst fast jeden Tag ins Volleyball- oder Tennistraining fließen.

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Gott sei Dank ist das Wetter gut genug, um auf der Straße Volleyball oder Federball zu spielen. Die nächste Vereinbarung: Jeden Tag kümmert sich ein anderer um das Abendessen: Manuel startet mit Pfannkuchen, am nächsten Tag gibts Lasagne von Lena, wir können unter der Woche Grillen.

Fazit: Solange das Wetter mitspielt, jeder die Möglichkeit hat, mal Dampf abzulassen und raus zu gehen, ist es eine Weile zu ertragen.

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